Ausgabe 
6.9.1900
 
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ihre Ueberlegenheit im Schiffsbau pochten, wiesen die wei­teren Bauten der deutschen Firma am westpreußischen Ost­seestrande ununterbrochen neue Fortschritte auf, und mit den schon erwähnten für die chinesische Regierung kon­struierten Torpedobooten wurde schließlich eine Leistung geschaffen, welche, obwohl seit der Vollendung dieser Schiffe fast zwei Jahre verstrichen sind, nirgendwo anders er­reicht worden ist. Diese Boote, die bei einem Deplacement von 270 Tonnen eine Länge von 59 Meter haben, sind für eine Besatzung von 4 Offizieren, 8 Unteroffizieren und 24 Mann erbaut und leisteten mit ihren 5600 Pferdekraft starken Maschinen, für welche 1200 Zentner Kohle in den Bunker,: liegen, bei den im August 1898 durchgeführten Probefahrten eine Stundengeschwindigkeit von 35,5 Knoten, was der Geschwindigkeit unserer Schnellzüge sehr nahe kommt.

Seitdem hat sich jede Seemacht eine große Zahl schnell fahrender Torpedoboote beigelegt oder hat diese in Bau. England, welches weit über 200 Torpedoboote besitzt, baut gegenwärtig an nicht weniger als 18 solcher Renner des Ozeans, für welche eine Geschwindigkeit von 26 bis 33 Knoten inan hofft sogar auf 36 Knoten vorgesehen ist. Nicht weit zurück hinter diesen an Zahl der Schiffe bleibt Frankreich dessen Torpedoboote jedoch meistens nur zwischen 17 und 26 Seemeilen in der Stunde zurücklegen, und wo nur 7 Geschwadertorpedoboote und 31 Hochsee­torpedoboote zwischen 20 und 30 Seemeilen fahren. Auch! in Rußland erreicht nur eine kleine Anzahl Torpedoboote 25 bis 30 Seemeilen Geschwindigkeit, während Italien, die Vereinigten Staaten von Nordamerika und Japan sich des Besitzes einer großen Anzahl derselben erfreuen. Die deutsche Marineverwaltung, welche frühzeitig an die Schaffung einer bedeutenden Torpedoflottille ging, schleppt sich leider mit einer großen Zahl derartiger Fahrzeuge herum, die den heutigen Anforderungen an Geschwindig­keit durchaus nicht mehr entsprechen; denn unsere 11 Tor­pedodivisionsboote erreichen nur 50 Kilometer Geschwin­digkeit gegenüber 61 Kilometer der englischen, und 56 und 57 Kilometer der französischen, italienischen, amerikanischen und japanischen Boote. Immerhin können wir mit den Durchschnittsleistungen unserer Torpedoflottille recht zu­frieden sein und die nach dem Typus der chinesischen Schiffe bei Schichau bereits erbauten und noch im Bau begriffenen Hochseetorpedoboote führen unserer Marine ein Element zu, das den besten Torpedobooten des Auslandes min­destens ebenbürtig ist und der Aufgabe gerecht wird, sozu­sagen mit Blitzesschnelle auf dem Kampfplatz zu erscheinen und sich ebenso rasch der Verfolgung durch die größeren Schiffe zu entziehen. <

Es sei zum Schluß nun noch gestattet, mit einigen Worten die voraussichtliche Zukunft des Schiffsbaues zu besprechen. Eine Schnelldampferfahrt von 56 Tagen nach Amerika kommt den hastenden Menschen der Gegen­wart noch immer viel zu langsam vor, und es fehlt daher nicht an Projekten, diese Fahrzeit auf die Hälfte herabzu­drücken. Wenn dabei die Phantasie über den nüchtern kalkulierenden Verstand das Uebergewicht erlangt, kommen manchmal die seltsamsten Pläne heraus. Schon vor drei Jahren glaubte ein Franzose mit einem auf großen Rollen ruhenden Schiff in drei Tagen den Atlantischen Ozean überqueren zu können; er machte ein glänzendes Fiasko; denn sein in ziemlich großen Dimensionen ausgeführtes Probeschiff kam überhaupt nicht von der Stelle, was ihm übrigens jeder Praktiker vorausgesagt hat. Nicht besser wird es mit pem vor kurzem aufgetauchten Projekt eines Schiffes gehen, das als Ganzes nichts anderes ist, als eine ungeheure Hohlschraube, in deren Hohlraum der zy­lindrische, Maschinen und Passagiere beherbergende Schiffs­körper hängt.

Alle diese Projekte sind nun eitel Narretei; denn die Schiffskörper werden sich immer an das von der Natur gegebene Beispiel halten, und die Gestalt des Fisches nach­ahmen müssen; jeder weitere bedeutende Fortschritt kann daher nur von Verbesserungen des bewegenden Apparates erwartet werden, und diese hinwiederum können nur von der Konstruktion stärkerer Maschinen und der Umgestaltung der Schiffsschrauben oder Ersatz derselben durch etway gänzlich Neues erhofft werden.

Bei den Torpedobooten nehmen nun die Maschinen bereits einen derartigen Raum ein, daß an ihre Ver­größerung nicht gedacht werden kann. Etwas anderes hingegen wäre es, wenn das Problem der Umsetzung der schlummernden Energie der Kohle in lebendige Kraft ge­löst würde; denn dann wäre es mögliche aus demselben Quantum Heizmaterial mindestens die drei- bis vier­fache Energie als bisher für die Fortbewegung zu ge­winnen.

Was nun den äußeren Fortbewegungsapparat betrifft, so ist es durchaus nicht ausgemacht, daß die Schraube das Ideal desselben darstellt; denn der Flossenapparat jedes Fisches leistet unvergleichlich! viel mehr als die vorzüglichste Schraube, wie man sich durch folgende einfache Erwägung überzeugen kann. Ein 60 Meter langes Torpedoboot legt bei einer Stundengeschwindigkeit von 60 Kilometer in der Sekunde 16,6 Meter, also noch nicht den vierten Teil der eigenen Länge zurück; ein Fisch dagegen bewegt sich mühe­los in einer Sekunde um das Vierfache der eigenen Körpec- länge vorwärts. Allerdings sind die Verhältniszahlen von Körperlänge und Sekundengeschwindigkeit für die Riesen der Fischwelt sehr viel ungünstiger als für die kleinen, aber doch noch vielfach Lesser als die entsprechenden Zahlen, welche für unsere Schnelldampfer gelten. Immerhin aber bietet der Versuch, Dampfschiffe durch flossenartige Appa­rate zu treiben, große Aussichten auf Erfolg und bietet die Möglichkeit zum Fortschritt ebenso wie trotz Zeppelins Ballonmonstrum die Nachahmung des Vogelfluges der einzig gangbare Weg zur Lösung des Problems des lenk­baren Luftschiffes ist.

G-nreinniltziges.

Den verehrten Leserinnen, die uns um Veröffent­lichung von Einmache-Rezepten angingen, glauben wir einen Dienst damit zu iertoeifert, wenn wir sie auf das Wrzlich im Verlage von Hugo Steinitz, Berlin SW. erschienene Groß e Buch d er Ein m ach e tun st, gründ­liche Anleitung zum Einlegen von Früchten, Gemüsen rc., zur Herstellung von Gelees, Kompots, Marmeladen, Pasten, Fruchtsäften und dergl. von G. Gärtner aufmerksam machen. Das auf Grund langjähriger eigener Erfahrung verfaßte, von einem guten Haushalter klar und verständlich geschriebene Buch empfiehlt sich selbst dermaßen, daß es jeglicher Anpreisung fremder Zungen entraten kann. Der Preis, Mk. 1.50, des ansprechend ausgestatteten Buches darf mit Rücksicht auf das darin gebotene ein immerhin wohlfeiler genannt werden. D. R.

Literarisches.

Maria von Ebner-Eschcnbach, die gefeierte Novellistin, begeht am 13. September die Feier ihres 70. Geburtstages. Diese Gelegenheit hat den österreichischen Dichter Ferdinand von Saar veranlaßt, in der Gartenlaube«« seine Begegnungen mit der berühmten Erzählerin zu schildern. Auch sonst bietet das beliebte Familienblatt eine Fülle lesenswerter Beiträge, aus deren Reihe wir einen Artikel R. Cronans über deutsches Lied und deutschen Sang in Amerika, einen sehr interessanten Bericht des Herrn Direktors Dr. L. Heck über eine neue Sendung ostafrikanischer Tiere für den Zoologischen Garten in Berlin, Mitteilungen über Blumenbindekunst und Rudolf von Gottschalls Erinncrungsblatt für Nikolaus Lenau hervorhcben. An Erzählungen liegt neben der Fortsetzung von Ludwig Ganghofcrs prächtigem Hoch­landsromanDer Dorfapostel" die anmutige ErzählungIn der Sunds­straße" von Charlotte Niese vor. Der bildliche Teil derGartenlaube", um den fich Peter Janssen, R. Mahn, Ernst Platz, H. Bachmann und andere verdient gemacht haben, steht auf der glänzenden Höhe, welche die Namen dieser Meister verbürgen.

Logogriph.

Nachdruck verboten.

MitK" es dir der Himmel Als Speise pflegt zu senden. Mit einemB" im Haupte Kann's kühlen Trank dir spenden. P.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: Wer auch im Unglück noch besonnen bleibt, Wen Wohlergeh'n zum Uebermut nicht treibt, Wem in Gefahr der Mut nicht wird entrungen: Der ist ein weiser Mann und hat die Welt bezwungen.

Indisch..

Rtbettien: ®. Burkberdt. Druck und Verlag der Brühl'schen Uninersttiitl-Buch» und Steindruckerei (Pietsch Erden) in Gießen.