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nachrichtigt, daß das gnädige Fräulein auf diesem Platze mü ihm zusammentreffen, werden."
Es blieb ihr nichts anderes übrig, als sich dieser Weisung zu fügen, und jetzt wenigstens wurde ihre Geduld nicht mehr allzu hart auf die Probe gestellt. Denn noch waren nicht zehn Minuten vergangen, seitdem sie mit Hilfe des verkleideten Husaren vom Pferde gestiegen war, als das Knacken brechender Zweige die Annäherung des Erwarteten verkündete, und als sie die ritterliche Gestalt des geliebten Mannes hoch im Sattel zwischen den mondbeschienenen Stämmen auftauchen sah.
(Fortsetzung folgt.)
Die schnellsten Schiffe der Gegenwart.
Von Dr. Otto Wegner.
Nachdruck verboten.
Ueber des weiten Ozeans blaue Flut nehmen Tausende von deutschen Kämpen den Weg zu den fernen Gestaden des Stillen Ozeans, um die ungeheure Frevelthat zu rächen, die aus den blutigen Instinkten der gelben Rasse heraus geboren, zur grausen Wirklichkeit geworden ist. Hinter den stolzen Passagierdampfern, welche die Elitetruppe, das Seebataillon nach China tragen, kommen die schwimmenden Festungen, die mit Kanonen gespickten, düsteren, Unheil drohenden Panzerkolosse, und ihren Spuren folgen, um sie dank ihrer den Seeschwalben vergleichbaren Geschwindigkeit, bald einzuholen, die flinken Hochseetorpedoboote, welche unbeirrt durch die Taifune des indo-chinesischen Meeres dem weitentlegenen, 12 000 Seemeilen entfernten Ziele zudampfen.
Jenen, die zu Hause bleiben, und mit ihren Segenswünschen die Davonziehenden begleiten, und wohl auch letzteren selbst deucht es viel zu lange, daß ein Zeitraum von sechD bis acht Wochen vergehen wird, ehe diese stolzeste Flotte, welche Deutschhand je zu Kriegszwecken über das Meer geschickt hat, angesichts der ostasratischen Küsten vor Anker gehen wird, und so wird das Bestreben, das unseren gesamten friedlichen Festlandsverkehr beherrscht, und sich in den zwei Worten wiedergeben läßt „Immer schneller" auch zur Devise unseres Wollens zur See.
Die Beantwortung der Frage nach den schnellsten Schiffen der Gegenwart zwingt uns, zurückzugehen auf jene Zeit, da die deutsche Handels- und Kriegsmarine im Leben unseres Volkes noch nicht die Rolle spielte wie heute, wo die deutsche Schiffsbaukunst noch weit, weit hinter den Leistungen Englands zurückstand und der Welt das klägliche Schauspiel geboten wurde, daß die im Völkerfrühling der Achtundvierziger Bewegung geschaffenen ersten Anfänge einer Kriegsflotte von Hannibal Fischer meistbietend versteigert wurden.
An die beiden größten deutschen Schiffahrtsgesellschaften, die im Jahre 1847 gegründete Hamburg-Amerikanische Packetfahrtaktiengesellschaft und den im Jahre 1857 ins Leben gerufenen Norddeutschen Lloyd in Bremen knüpft sich nicht nur für Deutschland, sondern auch für alle anderen Schiffahrt treibenden Nationen W phänomenale Entwickelung des Baues von Schnelldampfern; denn nachdem man vorher das Hauptgewicht auf Schiffe gelegt hatte, welche geeignet waren, eine möglichst große Zahl von Auswanderern aufzunehmen und dabei gleichzeitig große Mengen Fracht zu befördern, schritten die genannten deutschen Gesellschaften, angefeuert durch has Beginnen der englischen Guionlinie, welche den damals hochberühmten Dampfer Arizona in Dienst stellte, an die Errichtung von Schnelldampferlinien, in deren Betriebe Zwischendeckspassa- giere und Frachten nur eine untergeordnete Rolle spielten. Hatte man mit den früheren Dampfern nur acht bis zehn Knoten in der Stunde zurückgelegt und den Weg über den Atlantischen Ozean von Bremen oder Hamburg nach! New- York in 18 bis zwanzig Tagen durchmessen — eine Fahrtdauer, die zum Beginn der siebziger Jahre immer erst auf 12 bis 14 Tage herab gedrückt war, so durchmaß das erste Eilschiff des Bremer Lloyd, die viel angestaunte „Elbe", diese Strecke in achteinhalb^ Tagen, und die anderen Dchpall- dampfer, welche die Gesellschaft in der ersten Hälfte der achtziger Fahre bauen ließ, blieben an Geschwindigkeit hinter der „Elbe" nicht zurück.
Die erste Fahrt dieses Schiffes wirkte geradezu sensationell, und es beeilten sich auch die anderen seefahrende» Völker, das Beispiel Deutschlands nachzuahmen; letzteres machte nun aber den zwecken Schritt auf dem Wege zur Seemacht, indem es davon abging, seine großen und. schnellen Schiffe nicht mehr wie bisher im Auslande, und zwar namentlich in England, sondern am heimischen Strande zu bauen; es entstanden bezw. vergrößerten sich, die weltberühmten Werften in Hamburg, Kiel, Stettin und Danzig, und jedes Schiff, das dort vom Stapel lief, war ein Meisterwerk, welches den Vergleich mit den besten Schiffen wohl aushält, die in dem früher ein wahres Monopol ausübenden England gebaut waren.
Die Glanzleistungen des deutschen Handelsschiffbaues der letzten Fahre sind in den Zeitungen so oft und ausführliche besprochen worden, daß hier über einzelne Zahlenangaben wohl hinweggegangen werden kann; erwähnt werden mag nur, daß es den Engländern mit ihrem derzeit größten Schiff der Erde, dem 215 Meter langen „Oceanic", nicht gelungen ist, einen neuen Schnelligkeitsrekord aufzustellen und daß Deutschland mit dem Riesendampferr „Kaiser Wilhelm der Große", der bei gewöhnlicher Fahrt 40 Kilometer in der Stunde zurücklegt und auf kürzere Strecken noch bedeutend größere Geschwindigkeiten erreicht, den führenden Platz im Schnelldampferbetrieb behauptet.
In den letzten Tagen sind nun auch die Leistungen dieses Schiffes durch den ebenfalls zwischen Europa und Amerika fahrenden Dampfer „Deutschland" überholt worden, der schon bei seiner ersten transozeanischen Fahrt den bisherigen Schnelligkeitsrekord um eine Stunde verbessert hat, und wie durch die Erfahrungen bisher immer bewiesen wurde, bei seinen weiteren Fahrten jedenfalls noch bedeutend bessere Leistungen bieten wird.
Hand in Hand mit der Entwickelung der Handelsflotten ist jene der Düegsmarinen gegangen. Es sind noch keine 40 Jahre her, daß die Amerikaner im Bürgerkriege mit dem ersten Panzerschiffe die Aera des Wettrennens um die dicksten Panzerplatten, die größten Kanonen und natürlich erst recht Um die größten und schnellsten Schiffe selbst hervorriefen. Seitdem ist unausgesetzt an der Vervollkommnung dieser furchtbaren Kriegsmaschinen gearbeitet worden; doch dürfen wir ihre schnellsten Vertreter nicht unter den Linienschiffen suchen, deren schwere Bepanzerung und artilleristische Armierung die Erreichung der höchsten Geschwindigkeiten ausschließt, die auch gar nicht angestrebt werden, da es für sie hauptsächlich darauf ankommt, in der Seeschlacht und im Kampfe gegen Landbefestigungen ihre Stärke zu zeigen. Um aber auf feindliche Kriegs- und Handelsschiffe Jagd zu machen — ein Geschäft, mit welchem dem Feinde ein ungeheurer Schwaden zugesügt werden kann — sind andere Schiffstypen im Gebrauch, welche die mittlere Geschwindigkeit der gewöhnlichen Kriegs- und Handelsdampfer um ein erhebliches übertreffen.
Es find dies die besonders für den Auslandsdienst bestimmten Panzerkreuzer, die Torpedoboote und die Torpedojäger, welche in der für die ostasiatischen Wirren bestimmten deutschen Flotte eine große Rolle spielen.
Leider will es ein eigenartiger Zufall, daß gerade die Chinesen, welche Europa gegenwärtig zur Entfaltung einer so bedeutenden Kriegsmacht zwingen, im Besitze der schnellsten Schiffe dieser Gattung sind, und daß gerade Deutschland der Staat gewesen ist, in welchem für sie diese furchtbaren Kriegswerkzeuge er Baut worden sind. Bei Schichau in Elbing, der weltbekannten Werft, aus der schon große Flotten von Kriegsschiffen für europäische wie für transatlantische Seemächte hervorgegangen! sind. Baute man im Jahre 1888 für die russische Regierung das erste Hochseetorpedoboot mit sehr bedeutender Geschwindigkeit; dieses Schiff, der „Adler", übertraf mit 27 Knoten gleich 44 Kilometer Fahrtgeschwindigkeit in der Stunde alles bisher dagewesene in so hohem Grade, daß es für alle späteren derartigen Schiffsbauten vorbildlich wurde, und der ohnehin schon rühmlich bekannten Firma von allen Seiten, namentliche von Rußland, Oesterreich; Japan, Chile ufw. umfangreiche Bestellungen zuführte.
Nirgendwo auf der Welt find wohl die selbst gewonnenen Erfahrungen sorgsamer und fruchtbarer verwertet worden als es bei Schichau geschehen ist. Denn zum großen Verdruß und Erstaunen der Engländer, die auf


