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Joseph Meyer den Prolog sprechen wird. Petrus wird von I < Thpmas Rendl fen., Herodes von Rochus Lanz sen. dar-- I \ geftetlt, während die Postbotentochter Anna Flunger die I 1 Maria, die Gastwirtstochter Bertha Wolf die Magdalena, I i Maria Schwalb die Martha darstellen wird usw.
Auch in Bezug auf die Einrichtung des Theaters bezw. I der Bühne sind gegen früher eine Anzahl schwerwiegender I Verbesserungen vorgenommen worden. Ursprünglich wurde I bekanntlich aus dem Gottesacker gespielt. Da dies aber I aus naheliegenden Gründen auf die Dauer unmöglich war, I wählte man 1830 den Wiesenplan, der noch heute die Theatergebäude trügt. Dieselben bildeten den sogenannten I „Passionsstadel", einen riesigen, künstlerischen, aber un-- I schönen und praktisch unzweckmäßigen Gebäudekomplex. I Erst im Jahre 1890 trat an dessen Stelle das gegenwärtige I Schauspielhaus, das stilvolle, harmonische Werk des könig-- I lichen Maschinendirektors Lautenschläger in München, be- I stehend in einer Mittelbiihne und in einer Vorbühne. Tie I erstere, deren Rahmen die Facade eines altgriechischen | Tempels bildet, von vier Säulen getragen, dient dazu, I symbolische Gruppen darstellen zu können, während die I Vorbühne für bedeutungsvolle Handlungen, besonders aber I Umzüge, benutzt wird. Zu beiden Seiten der Tempelfacade I bemerken wir je ein Thor, durch dessen Bogen der staunende Blick in zwei naturgetreu nachgebildete, in sich abgeschlossene I Straßen der Stadt Jerusalem dringt, die Kidronstraße und | die Davidstraße. Daran grenzen wichtige Paläste, zur I Linken der des römischen Prokurators Pontius Pilatus, I zur Rechten der des jüdischen Hohenpriesters Hannas. Außerdem bemerken wir zu beiden Seiten dreiteilige Kolo- I nadcn, in denen die Sänger und das Volk, soweit sie zu I den Mitwirkenden gehören, sich versammeln. Alle Gebäude stellen eine prächtige antike Stadt dar, deren natnr- 1 liche Staffage die herrliche Gebirgswelt Oberammergaus 1 bildet. Die Illusion, sich in der Thai in Bethlehem oder in Jerusalem zu besinden, wird noch dadurch erhöht, daß I Oberammergaus natürliche Lage ähnlich wie die de» I thüringischen Städtchens Orlamünde an dreMnge Beth- I lchems erinnern soll. Die Bühne erhält ihre Beleuchtung 1 durch ein Glasdach und ist 42 Meter breit und 17 Meter tief Vor dem Theater befindet sich die neuerbaute gedeckte Lalle für die Zuschauer, ein bedeutender Fortschritt gegen I früher ivo bei plötzlich eintretendem Unwetter die letzteren rettungslos allen Unbilden der Witterung preisgegeben waren. Theater und Halle unifassen eine Flache von .3800 Quadratmeter.
Die Aufführung nimmt durchschnittlich acht bis neun Stunden, die Zeit von inorgens 8 Uhr bis nachmittags 5 einhalb Uhr in Anspruch, während welcher nur eine zweistündige Mittagspause gemacht wird. Spieltage Md tn diesem Jahre der 24. und 27. Mai, der 4., 10.,„16., 124. und 29. Juni, der 1., 8., 15., 18., 22. und 27. Juli, der ( .5., 8., 12 , 15., 19., 25. und 26. August und der 2., 8., <)"' 16., 23. und 30. September.
Und wie gelangt man am zweckmäßigsten nach Oberammergau? wird der Leser fragen. Das ist heute auch nicht mehr so schwierig wie ehedem ^tzt kann man von München über Murnan direkt auf der Eisenbahn bis Oberammergau fahren, seitdem von Murnau eine Lokalbahn von 24 Kilometer nach Oberammergau selbst gebaut wurde. Früher mußte man für diese letztere Strecke die Post oder Fuhrwerk benutzen, das oft garmcht, oft nur zu sehr hohen Preisen aufzutreiben war. Außerdem ist -ie Fahrt jetzt von München ab auf 3 einhalb Stunden gegen früher 5 Stunden verkürzt worden.
' " Auch in Bezug auf das Unterkommen ist gegen früher vieles besser geworden, wo'mancher des Abends nicht wußte, wo er sein müdes Haupt zur Ruhe mederlegen sollte ganz zu schweigen von den Unannehmlichkeiten, die em plötzlich eintretendes Unwetter den andächtig dem Spiele Lauschenden verursachte, die dann oft ratlos waren, wie und wo sie sich vor den Unbilden der Witterung schützen sollten, da der Ort nicht genügendes Obdach bot und der Weg nach Murnau oder München nur mühsam zuruck- qelegt werden konnte. War damals, d. h. bis vor zwei Jahrzehnten der Besuch der Passivus,snele gewissermaßen unter Umständen eine Strapaze, der nur abgehärtetere Maturen sich zu unterziehen vermochten, so ist das Heuti
alles besser geworden, und den diesjährigen Besuchern stehen, abgesehen von der direkten Eisenbahnverbindung, im Orte selbst allabendlich nicht weniger als 1900 Gastzimmer mit rund 3500 Betten zur Verfügung, eine Zahl, die auch weitgehenden Ansprüchen genügen wird.
So dürfte jeder, der in diesem Jahre seme schritte nach dem historischen Oberammergau lenkt, als dessen ehr- furchtqebietendes Wahrzeichen eine un ^ahre 18" von König Ludwig II. geschenkte, 13 Meter hohe Kreuzigungs gruppe vom nahen Osten leicht herabgrüßt, im Anjchauen der erschütterndsten Tragödie, welche die Weltge,chichw kennt einige Stunden weihevollster Erhebung, gepaart mit einem echten Kunstgenüsse, verleben und einen rnchen Schatz edelster Erinnerungen, die me aus dem Gedächtnis' schwinden werden, in die Heimat zurückbringen.
Gartenarbeiten im Mai.
Nachdruck verboten.
Der Mai ist gekommen und mit ihm auch der langentbehrte Sonnenschein. Wie durch einen Zauber,chlag ist alles grün geworden, alles in lebhafter Entwickelung. Und was haben wir zu thun? Wir haben die prächtige Blute gegen den Apfelblütenstecher zu schützen, indem wir den Käfer frühmorgens von den Bäumen auf untergelegte Laten schütteln. Wir haben die Himbeeren in gleicher Weise vor einem kleinen Käfer, dem Himbeerstecher zu schützen, wenn unsere Himbeeren ohne Maden bleiben sollen. Manchmal tri ft man denselben Nichtsnutz auch aus den Erdbeerbeeten, I wo er die Knospen, bevor sie erblüht sind, absticht und so zerstmü-Z u dünnstämmiger Bäume läßt sich
jetzt noch durchführen. Kirschen, die alljährlich madig w^- den pflückt man grün herunter, weil die Kirschfliege, welche die Maden hervorbringt, ihre Eier daran legt.
Das Spargelstechen ist im besten Gange; man steche vorsichtig rind'steche da, wo es gut ist; schwache Beete werden durch zu frühes Stechen häufig ruiniert. Es ist I Regel, daß 'man erst im dritten sichre nach der Anlage sticht. Die jungen Anlagen müssen vor der Spargelfliege und I dem Spargelkäfer bewahrt werden; dresgeschieht am besten I vermittelst Schweinfurter Grün, einem Mittel, welches auch in Amerika viele Anwendung zur Vertilgung vo» Ungeziefer findet. Vorsichtige Handhabung ist bei der Giftigkeit not-
I Das Auspflanzen der Gemüse wird zu Ende geführt; I man muß fest pflanzen, tüchtiges Begießen nicht vergessen, auch die Pflanzen aus den Saatbeeten vorsichtig yeraus- nehmen, damit sie alle Wurzeln behalten! .
I Mau säet noch Erbsen, legt Bohnen, Gurken, Kürbis, Melonen und schützt die jungen Pflanzen auch gegen eveni. Nachtfröste. Eine Kohlrabiaussaat für eine neue Pflanzung ist sehr dienlich. Aussaaten von Sprofsenkohl, Grünkohl können gleichzeitig gemacht werden; Radies und Rettig '"^Der^Blumengarten wird in jeder Richtung ausge-
I schmückt. Man pflanzt Dahlien, Gladiolen, Verbenen, Phlox I usw. Die Blumenbeete für Canna, Fuchsien, heliotrop, ! Begonien werden zurechtgemacht und nach dem Passieren I der drei Gestrengen bepflanzt, ^lbgeblühte Hya^nthen und I Tulpen bringt man in den Einschlag. A-er Rasen wird gemäht, auch mit Kompost überstreut, wo der Wuchs nicht
kommen auch die Lorbeerbäume in die Borgärten auf die Veranden und Balkons. Zwei Fehler werden bei | der Behandlung der Lorbeerbäume Nicht selten kugangeu.
Ersten?- wird auf ein rechtes Begießen zu wenig Gewicht gelegt. Man gießt entweder zu viel, wodurch em Faule» der Wurzeln veranlaßt wird, oder zu wenig, zu selten, s daß der Wurzelballen austrocknet. Eine gleichmäßige Feuch- tiakeit fordert auch der Lorbeerbaum. Man rede sich 1« nicht ei das ist eine alte starke Pflanze, die kann alles . vertragen Der größte Fehler ist aber, daß die Baume nicht ■ g t °nug umqepflanzt werden. Die großen, Pflanzen mit ihren starken verzweigten Wurzeln beanspruchen vie e ■ Wruna welche sie dem verhältnismäßig wenigen Boden
M den Kübe u nach und nach aussaugen. Zunächst muß ; mm dumm Zeit $u Seit -m-u Doug-ftch «m, «*•


