Ausgabe 
5.8.1900
 
Einzelbild herunterladen

434

schelmisch von der Seite an, und er fühlte zu seinem Verdrösse, daß er rot wurde wie ein Mädchen.

Das gnädige Fräulein belieben schon wieder zu scherzen. Denn bei aller schuldigen Ehrerbietung vor dero Frau Mutter"

Der Rest ging in einem Räuspern unter. Charlotte von Menzelius aber stellte sich sehr überrascht-

Ah, meine Freundin Elisabeth von Marschall also ist diese königliche Fee? Nun, ich habe sie mir noch nicht daraufhin angesehen. Aber Sie hätten in der Wahl Ihrer Bilder immerhin einen noch schlechteren Geschmack an den Tag legen können, Herr von Kapnist."

So zum Beispiel, wenn idji Sie mit einem sanften Veilchen verglichen hätte, Fräulein Charlotte"

O, meinetwegen brauchen Sie Ihre Phantasie über­haupt nicht anzustrengen, Herr Leutnant! Ich würde solche dichterische Verherrlichung gar nicht nach Gebühr zu schätzen wissen. Lassen wir meine unbedeutende Person also ganz aus dem Spiel. Und um wieder auf Ihre Fee zurückzu­kommen, ein halbes Stündchen oder dergleichen werden Sie sich schon noch gedulden müssen, bevor sie zu Ihnen herniedersteigt. Sie macht mit meiner Mntter einen Besuch bei unserem kranken Gärtner."

Der Beneidenswerte!" seufzte Herr von Kapnist. Und bann, nach einem kurzen Zaudern, setzte er mit geradezu rührender Treuherzigkeit hinzu:Wenn Sie nur ein «ein­ziges Mal ernsthaft sein und mir versprechen wollten, sich! nicht gleiche wieder über mich lustig zu machen, Fräulein von Menzelius"

Nun? Wenn ich Ihnen dies schwere Opfer brächte, was würden Sie bann thun?"

Dann würde ich Sie etwas fragen, das mir in dieser Stunde gar sehr am Herzen liegt. Aber zu einem Scherz, sch wiederhole es, mein gnädiges Fräulein, zu einem Scherz ist es nicht angethan."

Wohlan denn! Ich schwöre, daß ich ernsthaft sein werde wie ein Richter der heiligen Behrne. Fragen Sie, Herr Leutnant!"

Er stützte die Ellenbogen auf die Kniee und schaute sehr angelegentlich vor sich hin in den Sand.

Das Fräulein von Marschall ist Ihre Freundin, und man sagt, daß junge Damen keine Geheimnisse vor ein­ander haben. Ich verlange nun zwar keineswegs, daß Sie eine Indiskretion begehen, aber aber Sie könn­ten mir doch vielleicht, wenn auch nur andeutungsweise, verraten, wie Fräulein von Marschall in in Bezug auf meine unbedeutende Person gesinnt ist."

Er wagte es gar nicht, zu seiner hübschen Nachbarin aufzublicken; aber er hätte es immerhin thun dürfen, denn ihre Miene war so feierlich!, als er es nur wünschen konnte. Sie schien äußerst angestrengt nachzudenken, und dann, nach einer langen, langen Zeit sagte sie im Tone wichtiger Offenbarung:Wenn ich! Ihrer Verschwiegenheit gewiß sein darf, Herr von Kapnist, sie hält Sie für den besten Menuetttänzer hier in Küstrin."

Zwar mochte der Leutnant von Kapnist dunkel ahnen, daß Charlotte trotz aller Versprechungen ihren Spott mit ihm treibe, aber als er dann mit scheuem Seitenblick über ihr Gesicht hinwegstreifte, wurde er durch den ehrlichjen .Ausdruck desselben doch, wieder beruhigt.

Hm!" machte er,äußerst schmeichelhaft, in der Thal, sch bin glücklich über ein Lob aus solchem Munde! Wer wenn mir das Fräulein von Marschall, wie Sie damit nun schon verraten haben, überhaupt die Ehre er­wies, sich mit meiner Wenigkeit zu beschäftigen, so dürfte sie doch noch einiges Weitere über mich geäußert haben, Ist es nicht so, Fräulein Charlotte?"

Es mag wohl sein, aber ich werde es Ihnen nicht sagen."

Ah, das ist nicht freundschaftlich. Und weshalb soll ich vergebens darum bitten?"

Erstens, weil ich Sie nicht noch eitler machen will, als Sie es leider schpn sind, iunb zweitens, weil ich Ihnen keinen Kummer bereiten möchte; denn das eine wie das ändere würde sicherlich geschehen, wenn ich alles aus­plaudern wollte."

Der Leutnant dachse ein wenig nach aber das Er­gebnis dieses Nachhenkens befriedigte ihn nicht; denn miß­vergnügt schüttelte er den Kopf.

Das ist mir zu dunkel. Seligkeit und Verdammnis in einem Atem. Wahrhaftig, Sie hätten in Delphi als Pythia auf dem Dreifus sitzen können, Fräulein von Menzelius!"

Ich! kann nicht beurteilen, ob das ein Kompliment ist, denn ich habe nicht die Gelehrsamkeit des Herrn Leut­nants und weiß nicht, was für ein Frauenzimmer diese Pythia gewesen. Aber wenn ich so «offenherzig sein soll, könnte ich zuvor doch wohl auch einige Offenheit verlangen. Ehrlich gesagt, Herr von Kapnist: weshalb liegt Ihnen so viel daran, die Meinung Elisabeths über Sie zu er­fahren ?"

Weil weil nun, Sie haben es ja doch schon längst erraten weil ich im Begriff bin, dem gnädigen Fräulein mein Herz und meine Hand anzutragen."

Aus den braunen Schelmenaugen war mit einem Male auch! das letzte Spottteufelchen verschwunden.Wirklich? Darauf haben Sie sich! Hoffnung gemacht? Armer Herr Leutnant, Sie thun mir von Herzen leid."

Mit höchst verblüffter Miene nahm er diesen unver­kennbar ganz ernst gemeinten Ausdruck des Bedauerns entgegen.Ich thue Ihnen leid? Das heißt also, Sie meinen, daß es eine Vermessenheit wäre, und daß ich nicht würdig bin"

Fräulein Charlotte protestierte durch eine verneinende Kopfbewegung.Nicht doch! Sie könnten noch hundert­mal besser tanzen, und Sie könnten «ein Fürst oder gar ein Herzog sein, Elisabeth würde Sie doch nicht nehmen; denn sie heiratet überhaupt nichti niemals! Das hat sie der Mutter in meinem Beisein feierlich erklärt."

Nun, wenn esj nur das ist! Solche Gelöbnisse einer jungen Dame muß man nicht gar zu ernsthaft nehmen."

Fräulein von Menzelius strafte ihn mit einem streng verweisenden Blick.Wenn diese junge Dame Elisabeth von Marschall heißt, Herr Leutnant, dürfte es doch ratsam sein, eine Ausnahme! zu machen. Ein Wort aus ihrem Munde ist genau so viel wert, wie das Wort irgend eines Kavaliers. Wäre es ihr nicht heiliger «Ernst damit, sie hätte wohl kaum auf Ihren ehrenvollen Antrag zu warten brauchen. Seitdem vor fünf Jahren der General von Marschall auf dem Felde der Ehre den Heldentod gestorben ist, haben sich bis zum heutigen Tage nicht weniger als sechs tadellose Edelleute um ihre Hand beworben. Sie sind der siebente, Herr von Kapnist< und wenn Sie auch vielleicht der schönste und geistreichste sind"

Jetzt war es an dem jungen Offizier, sie abwehrend zu unterbrechen.O, ich! bitte gehorsamst; «das gnädige Fräulein braucht die Pille nicht noch« bitterer zu machen; sie will ohnedies schwer genug hinunter. Sechs Bewerber und sechs Körbe! Alle Teufel! Pardon, es fuhr mir nur so heraus. Aber das muß hoch; irgend eine Ursache haben. Vielleicht eine unglückliche Liebe"

Charlotte von Menzelius zuckte die Achseln.Sie spricht nicht darüber. Wer ich, benke mir, daß sie einem gefallenen Offizier auch Über das Grab hinaus die Treue bewahrt. Sie hat einen so starken Charakter und denkt so viel größer und edler als alle anderen Menschen, die ich kenne; mehr als einmal vermöchte sie gewiß nicht zu lieben."

Nein", stimmte der Leutnant aus voller Ueberzeu- gung zu,dazu wäre sie sicherlich nicht imstande. Aber es ist schade, sehr schade, ich« hatte mich so darauf gefreut."

Er sah äußerst betrübt aus und schaute recht weh­leidig vor sich hin. Eine kleine Weile verharrten sie beide in bedrücktem Schweigen; bann rückte Charlotte ein wenig näher zu ihm heran unb sagte im Tone einer freunb« lichen Trösterin:Sie müssen es mannhaft überwinden, Herr von Kapnist! Es lhut mir herzlich leid, daß ich Ihnen keine bessere Auskunft geben konnte; aber am Ende am Ende hätten Sie doch gar nicht zu einander gepaßt."

Er behielt zwar noch immer feine niedergeschlagene Miene; aber der teilnehmende Zuspruch that ihm sehr wohl.

Weshalb meinen Sie das, Fräulein Charlotte?" fragte er kleinlaut.Etwa weil sie mir an Alter gleich