(Nachdruck verboten.)
Geächtet.
Roman von LotharBrenkendorf.
(Fortsetzung.)
Einer von diesen jungen Offizieren, ein hübscher, schlanker Leutnant von höchstens vierundzwanzig Jahren, dessen elastischer Gestalt und dessen thatenlustiger Miene man es unschwer ansah, daß er für solchen „Sporn des Ruhmes" keineswegs unempfindlich sein würde, schritt an einem Sommertage des ersten Friedensjahres 1763 durch die Straßen der Festung Küstrin. Die Spuren des furchtbaren Bombardements, dem das freundliche Oderstädtchen fünf Jahre zuvor durch die Russen ausgesetzt worden war, ließen sich noch immer hier und da an den Ruinen eines Hauses wahrnehmen, aus dessen leeren Fensterhöhlen all das schauerliche Elend des Krieges zu grinsen schien. Der schmucke Leutnant aber war in den sechs Monaten, die er hier bereits zubrachte, hinlänglich an den traurigen Anblick gewöhnt worden, um sich keinerlei Gedanken mehr darüber zu machen. Er ging an den zerschossenen Gebäuden ebenso vergnügt vorüber wie an den unversehrten, um endlich nach einem letzten prüfenden Blick über seine eigene wohlgebaute Figur, den hübschen, kleinen Garten zu betreten, der ein schmuckloses Häuschen nahe dem Oderufer umgab.
Eben wollte er den Klopfer an der verschlossenen Thür in Bewegung setzen, als eine fröhliche, jugendhelle Stimme hinter seinem Rücken ertönte: „Sparen Sie sich die Mühe, Herr Leutnant von Kapnist! Es ist keine Menschenseele darinnen".
Blitzschnell fuhr -fyer Offizier auf dem Absatz herum und legte, vom Sonnenlicht geblendet, die behandschuhte Rechte über die Augen, um nach der Besitzerin der wohlklingenden Stimme ailszuspähen. Aus einer dicht umrankten Weinlaube neben dem Hause schimmerte ihm etwas
Sonntag den 5. Anguß
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WM
unempfindlich nicht und ungerührt vorbei
Vor'm Schönen dieser Welt, als ob's nicht Gottes sei. Zu schauen Blumenflor, zu hören Vögelchor,
Hat er das Auge dir erschlossen und das Ohr;
Wenn du verstopfen willst das Ohr, das Auge schließen, Kann Gottes Preis dir nicht ertönen und ersprießen. Viel Schönes hat die Welt, das, um von dir genossen Zu werden, Gott erschuf; genieß es unverdrossen.
Rückert.
Weißes entgegen, und- mit kriegerischer Unternehmungslust ging er schnurstracks daraus zu.
„Schönen guten Morgen, Fräulein von Menzelius! Ihr gehorsamer Diener legt sich Ihnen unterthänigst zu Füßen".
„Aber nicht hier in den Sand, wenn ich bitten darf! Es wäre jammerschade um die neue Uniform".
Sie lachte über das ganze reizende Gesichtchen, als sie ihm die Hand zum Gruße reichte, und auch! der Leutnant von Kapnist sah nichts weniger als unzufrieden aus, während er diese allerliebste, kleine Hand ritterlich! an seine Lippen führte.
„Was für scharfe Augen Sie doch haben, Fräulein Charlotte! Wirklich, der Regimentsschneider hat sie mir gestern erst abgeliefert".
„Und sie steht Ihnen großartig. Ich glaube, wenü Sie heute auf die Brautschau gingen, kein Mädchjenherz könnte Ihnen widerstehen".
Diesmal war das Lächeln des Offiziers nicht (ohne eine merkliche Beimischung von Verlegenheit. Er setzte sich behutsam auf die roh gezimmerte Gartenbank, deren größere Hälfte ihm die dunkellockige junge Dame bereitwillig überlassen hatte, und vertiefte sich alsbald in die Betrachtung einer Häkelarbeit, die sie ziemlich achtlos auf den Tisch geworfen hatte, um ihn zu begrüßen.
„Es muß doch schrecklich schwer sein, so was zu machen, und eine abscheuliche Arbeit obendrein", meinte er nach einem kleinen Schweigen. Dann aber, da seine übermütige Nachbarin statt aller Antwort nur fröhlich! auflachte, beeilte er sich, hinzuzusügen-: „Sind Sie denn übrigens wirklich ganz allein zu Haus, Fräulein Charlotte? Oder ist das nur wieder einer Ihrer gewöhnlichen Späße, mit denen Sie mich zu necken lieben?"
„Aber, Herr Leutnant!" sagte sie mit drolliger Feierlichkeit. „Wie dürfte ich mich unterstehen, mit der Person eines künftigen Feldmarschalls meinen Scherz zu treiben! Nein, Parole d'honneur, es ist niemand da! Und wenn Sie nicht etwa Verlangen tragen, sich der alten Sophie in ihrer neuen Adjustierung zu präsentieren, werden Sie wohl mit meiner unzulänglichen Gesellschaft vorlieb nehmen müssen, bis die Fee des Hauses zurückrehrt."
„Die Fee des Hauses — vortrefflich gesagt, Fräulein Charlotte! Etwas Feenhaftes, Königliches, etwas, das sie von allen anderen Frauen unterscheidet, ist mir wahrhaftig schon beim ersten Anblick aus ihrer Erscheinung entgegengetreten. Ich glaube, mit einem einzigen gebietenden Strahl ihres Auges könnte sie selbst dem rabiatesten Kerl Respekt einslößen."
„Ei der Tausend, Herr Leutnant, Sie sind ja ein Poet! Aber vielleicht verstehen wir uns gar nicht. Denn es war natürlich! meine Mutter, von der ich sprach,"
Dabei sahen ihn ihre lustigen braunen Augen gar


