Ausgabe 
5.7.1900
 
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Aon den tierischen sLeruchfloffeu haben für die Fa­brikation der Parfümerien bisher nur drei besondere Be­deutung erlangt, Moschüs, Ambra und Zibet. Der Moschus oder Bisam ist ein eigentümliches Sekret des männlichen Moschustieres, das durch Drüsen abgesondert wird und sich in einem Beutel an der Bauchseite des Tieres an­sammelt. Als stärkste und teuerste Sorte gilt der Moschus aus Tonking, der in kleinen, mit Bleifolie ausgelegten und außen mit Stoff ummantelten Kisten von Shanghai aus versandt wird. Das Sekret ist in frischem Zustande eine salbenartige, weiche, rötliche Masse von durchdringen­dem Geruch, die beim Austrocknen allmählich eine dunkle, meist schwarzbraune Färbung annimmt. In trockenem Zu­stande läßt sich! der Moschus zu feinen Körnchen zerreiben und im übrigen wie die aromatischen Blumensubstanzen mit Fetten und Oelen verarbeiten; doch, werden in der Regel nur sehr geringe Mengen des Produktes anderen Parfüms zugesetzt. Bei dem hohen Preise dieser tierischen Substanz, der zwischen 500 und 2500 Mark für das Kilo­gramm schwankt, sind Verfälschungen nicht selten.

Ein besonders scharf riechender tierischer .Geruchstoff ist das Zibet, das von zwei Arten der Zibetkatze durch Drüsen abgesondert und in einem taschenförmigen Organ des Unterleibes angesammelt wird. Zur Gewinnung dieses Stoffes werden die Tiere in Abessinien, Nubien und Egyp­ten, wo das Zibet als Arzneimittel hoch geschätzt wird, in Käfigen gehalten. Von Zeit zu Zeit wird das Sekret mittels löfselartiger Instrumente dem Tierkörper entnom­men, in Büffelhörner gefüllt und in diesen Gefäßen in Kairo in den Handel gebracht. Den Parfüms pflegt man den scharfen Riechstoff nur in Sprit aufgelöst, und zwar in geringen Mengen, zuzusetzen. In derselben Form fin­det auch die Ambra Verwertung, eine graue, fettartige Substanz, die meist in kleinen Stücken, bisweilen aber auchi rn Mengen bis zu 50 Kilogramm auf dem Meere schwimmend angetroffen wird, und insbesondere von Java, Madagaskar und Surinam aus zur Versendung gelangt. Sie ist ein Sekret des Pottwales, ooch gelang es noch nicht endgiltig festzustellen, ob sie im Rachen, dem Darm oder der Harnblase dieses Fisches entsteht.

Für manche Gegenden hat die Parfümeriefabrikation eine hohe wirtschaftliche Bedeutung erlangt, so namentlich für die Städte, Nizza, Cannes, Grasse und die diesen Städten benachbarten Ortschaften, deren Bevölkerung zum großen Teil von den reichen Erträgen der üppigen Pflan- zenkultur lebt. Nizza und Cannes, wo die schönsten Veil­chen in verschwenderischer Fülle gezogen werden, liefern allein jährlich an 25 000 Kilogramm dieser Blüten zur Be­reitung von Parfümerien; außerdem sollen in der Gegend von Nizza jährlich! an 400 000 Kilogramm Orangenblüten erzeugt werden ein Ertrag, der groß genug ist, die ganze Welt mit diesem liebliche Wohlgeruch zu versorgen, Tannes erzeugt neben einer reichen Fülle von Rosen, Jas­min und Tuberosen an 17 500 Kilogramm Akazienblüten. Die gesamte Parfümerieproduktton von Grasse und Cannes, an welcher Nizza durch Lieferung ungeheurer Mengen von Blüten beteiligt ist, wird auf durchschnittliche 15000 Kilo­gramm für das Jahr berechnet. Ueberhaupt ist Frankreich das fruchtbarste unter allen Ländern in der Erzeugung von Parfüms. Es versandte im Jahre 1893 Toilettenartikel im Werte von 12 einhalb Millionen Mark, während sich der deutsche Export in demselben Jahre nur auf etwa 8,8 Millionen Mark belief. Hinsichtlich, der Qualität der aromatischen Erzeugnisse vermag sich jedoch Deutschland mit jedem andern Lande zu messen, insbesondere hat das als Eau de Cologne bekannte Parfüm, welches von etwa dreißig Kölner Fabrikanten angefertigt wird, in der ganzen zivilisierten Welt eine Berühmtheit erlangt, wie kein zweites Erzeugnis dieser Art.

Kefrmdyeitspflege.

Ein Kind darf niemals gewiegt werden, wenn es schlafen soll. Diese Weisung muß allen Müttern und Ammen ohne Ausnahme gegeben werden, die

sfch nicht einer .unerträglichen Sklaverei unterwerfen wollen. Das Kind ist ohne alle Vorbereitung und ohne, daß es vorher auf den Knien gewiegt oder geschaukelt wurde, wachend auf das Bett zu legen; ist die Zeit zum Schlafen da, so schläft es ohne zu Hagen und zu weinen ruhig ein; die ersten Male kostet es etwas Mühe, aber bald hat es sich, daran gewöhnt; in der Wiege schon muß die Erziehung beginnen, und welche Annehmlichkeit ist es nicht, wenn man nicht mehr dieses herzzerreißende Geschrei hört und ein wohlerzogenes Kind hat, das lächelt und nicht schreit! Dabei darf man auch nicht vergessen, daß die schaukelnde Bewegung für ein Kind und dessen vollen Magen alles andere eher, als gesund ist.

Welche Jahreszeit ist beim Entwöhnen vorzuziehen? Gewöhnlich, legt man dieser Frage nicht genug Wichtigkeit bei. Einige Aerzte ziehen den Sommer, andere den Winter vor. Diese Meinungsverschiedenheit muß von der Beobachtung vereinzelter Fälle herrühren, die noch keine Regel bilden. Für die Kinder ist sicherlich der Sommer die ungünstigste Jahreszeit, besonders dann, wenn Unterleibsentzündungen eintreten, welche, durch Zahnen und Entwöhnen verwickelt, oft die traurigsten Folgen haben können. Der Winter eignet sich! schon besser, Frühling und Herbst find aber allen anderen Zeiten vor­zuziehen.

Die stunde bei Kindern muß stets dieselbe sein; bis zum Alter von fünf Jahren hält das Kind fünf bis sechs Mahlzeiten; nach fünf Jahren genügen deren vier; es muh nicht alle Augenblicke essen, denn dies ist eine schlechte Gewohnheit; zum Verdauen muß dem Kind Zeit gelassen werden.

Aür die Küche.

Kalbsleber gedämpft. Eine frische, schöne Leber rein gewaschen, gehäutet, die Gällenflecken ausgeschnitten. Fingerlange Stückchen Speck in gewürztem Salz umge­wendet, mit einem feinen Messer durch die Leber gesteckt. Feinwürfelig geschnittener Speck, 1 Zwiebel, 1 Stück Butter, 1 Glas Wein jn eine Kasserole, die Leber hinein, noch mit etwas Salz und Pfeffer bestreut, zugedeckt, langsam unter öfterem Begießen 1 Stunde gedämpft. Mit einem Löffel Mehl von dem gezogenen Fett rasch eine braune Mehl­schwitze bereitet, mit 1 Löffel Fleischbrühe und Wein auf- gefüllt, mit der Lebersauee vereinigt, losgeköcht, die Sauce durch ein Haarsieb gegossen, rasch aufgetragen. Eine Leber darf nicht über die Zeit stehen, da sie sonst hart wird.

Salzknochen. Jn Portionsstücke zerhacktes Schweinefleisch, auch die Pfoten, über und über mit Salz einreiben, fest in ein reines Gefäß einlegen, mit einem Stein beschweren. Jn den ersten Tagen die gezogene Brühe nach! 24 Stunden abgießen, sogleich wieder über die Knochen gießen. Nach 14 Tagen sind sie zum Gebrauch! fertig. Etwas Salpeter unter das Salz gemischt, erhöht die rote Farbe des Fleischjes. Sollen die Knochen gekocht werden, wäscht man sie in kaltem Wasser ab, bringt reines Wasser zum Kochen, legt die Knochen hinein, kocht sie langsam ver­deckt mehrere Stunden.

Arithmogriph.

Nachdruck verboten.

1 2 3 5 russische Halbinsel.

2 4 6 ein Tier.

3 7 4 1 russischer Fluß.

4 3 5 4 2 Wirtschaftsgegenstand.

5 4 4 2 Teil der Erde.

6 4 7 5 militärisches Kleidungsstück.

3 7 7 4 2 Nebenfluß der Donau.

7 4 3 5 ein Bindemittel.

8 3 5 4 amerikanische Silbermünze.

Die Anfangsbuchstaben der gefundenen Wörter sollen der Reihe nach, von oben nach nuten gelesen, eine Figur aus der deutschen Sage bezeichnen.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des LogogriphS in voriger Nummer:

Stuhl - Suhl.

Rebohien: t. «Urkhardt. »ruck «n» «erlag der « hl'schm UnisersttätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch grien) in »iet«.