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Totletten-Chemie.
Von Fred Hood.
Nachdruck verboten.
Die Kunst, aromatische Stoffe zur Salbung des Körpers zu bereiten, war schon den asiatischen Völkern bekannt. Bei religiösen Gebräuchen und zur Einbalsamierung von Leichen wurden wohlriechende Substanzen in ungeheuren Mengen verbraucht. Aus der Bibel bekannt sind Myrrhen, Weihrauchs und andere Spezereien, deren Verwendung bei denk Gottesdienst der Juden durch! Gesetze geregelt war. Die Bereitung des Räucherwerks gehörte zu bett Funktionen der Priester, und Moses selbst gab Anleitung zur Herstellung eines Balsams aus Myrrhen, Cinämet, Kalmus, Cassia und Baumöl zur Salbung der Bustdeslade und Stiftshütte. Anfangs wurden die aromatischen Stoffe vermutlich nur in Rücksicht aus die starke HautaUsdünstung der orientalischen Völker, dann überhaupt zur Erhöhung des körperlichen Behagens und schließ- ssiuiuiiivl ui uc*. yu.«, —... 0—, . lich zur Ehrung der Gottheit verwendet, welche man ebenso
Ich bedauere, Fräulein Herbronn weh gethan zu haben, I sehr durch wohlduftendes Räucherwerk wie durch Mustk und lasse um ihre Verzeihung bitten. Ehe ich nun weitere I und Gesang zu verherrlichen suchte.
Schritte unternehme, erwarte ich Nachricht von Ihnen. I Von Osten her kamen die Parfümerien nach Grrechen- Richts für ungut, Herr Doktor!" I land und Rom, wo sie unter den Begüterten weiteste Ver-
Er schüttelte dem Irrenärzte herzlich die Hand und I breitung fanden. Von den verweichlichten Athenern tour« schritt dem nahen Bahnhof zu. Gerth kehrte in Konstanzes I den wohlriechende Substanzen besonders lebhaft begehrt; Zelle zurück. I sie schütteten zum Bade Veilchen und Rosen in das Wasser
Er hatte die Ohnmächtige mittelst Riechsalz wieder | und hatten für jeden Teil ihres Körpers Salben und
„Sie waren nicht aufrichtig gegen mich, Herr Allram", sagte Doktor Gerth, als er den Detektiv nach der Pforte begleitete. „Hätten Sie mich vorhin unterrichtet, so würde ich Sie gebeten haben, dieses peinliche Verhör mir zu überlassen."
„Ich wollte Ihren Zartsinn nicht auf eine so harte Probe stellen", entgegnete der Detektiv. „Hier ist eine Wunde; Sie hätten durch allerlei rücksichtsvolle Wendungen in derselben gewühlt und vielleicht zagend die Hand wieder davon zurückgezogen. Ich hoffte durch eine rasche Operation sicherer zum Ziele zu kommen; und dieses war: mir Gewißheit zu verschaffen, ob zwischen Fräulein Herbronn und Frau Bruscher eine Art Eifersuchtsverhältnis bestanden habe. Wir sind jetzt wieder bei der Frage angelangt, vor welcher wir bereits standen, als Sie mir Ihren Besuch machten. Daß diese Frage nun in bejahen!- dem Sinne gelöst ist und daß wir damit einen wichtigen Schlüssel in der Hand halten, kann kaum zweifelhaft sein.
czählte mir gestern auch von einer Frau, der i zu sich gebracht und sie dann dem Beistände einer herbeibegegnet sei, einer noch jungen Frau, welch« I gerufenen Wärterin übergeben, um den Detektiv hiu- i Hause des Professors beschäftigt war, wenn's I auszubegleiten. .
> zU bügeln gab. Hm! fällt mir denn der Name I Da Konstanze versicherte, sie suhle sich tcht totebet 0 I ganz wohl, es sei nur eine vorübergehende Schwäche ge-
Kraszewski hieß die Feinbüglerin", bemerkte I wesen, so wurde die Wärterin wieder entlassen.
nraszewsn m b I Gerth war sehr niedergedrückt. „Genügt Ihnen mein
Wski' ja so war's. Wer kann auch diese pol- I Wort", sagte er, „wenn ich versichere, daß Herr Allram en bebalten' — Was halten Sie von dieser I in seinem Gespräch mit Ihnen Punkte berührt hat, von
-trau?" I denen ich nicht die geringste Kenntnis besah?"
Ich kam selten mit ihr in Berührung", antwortete I „Auch wenn ich es nicht in Ihren Mienen gelesen Konstanze, „aber sie hat stets einen guten Eindruck auf I hätte, Herr Doktor, daß Ihnen das, was Sre horten, neu tnidi gemacht" I war und Sie ganz unvorbereitet fand, wurde mir Ihr
„Frau Thorbeck lobt sie ebenfalls", sagte Allram be- I Wort mehr als genug sein." .
friediat Dann räusperte er sich und es entstand eine I „Ich danke Ihnen für Ihre, gute Meinung, Fraulein kleine Pause I Herbronn," antwortete der Arzt mit einer Neigung des
Doktor Gerth war ein sehr aufmerksamer Zuhörer ge-I Hauptes, und wollte gehen
wesen. Er wußte, daß der Detektiv stets auf ein bestimm- I „Aber ich habe die ihrige emgebußt" entgegnet^ tes Ziel losging, selbst wenn er scheinbar auf Nebendinge I Konstanze, den Blick zu Boden geheftet. „Bitte! verlassen abschweifte. Welche neue Person zog er ba plötzlich auf I Sie mich noch nicht." .
den Schauplatz? Und warum hatte er ihm von dieser I Er blieb, und es trat em beklommenes Schweigen em. nocb Nickis gesagt^ I Sie hatte ihm etwas zu sagen, aber es schien ihr schwer
Sie gingen zuweilen mit dem Herrn Professor in I zu werden. Längst hatte sie erkannt, daß er sie liebte. Der die Kirche, Fräulein Herbronn?" begann Allram wieder. I unsägliche Kampf gegen ihr eigenes Herz, m welchem sie ein
Konstanze bejahte unbefangen. I gleich leidenschaftliches Gefühl vergebens niederzurmgen
, Einmal hat jene Frau Kraszewski zufällig gerade» suchte, und die ganzlichss.Hoffnungslosigkeit dieses stummen, auf einer Bank von Ihnen und dem Herrn Professor ge- I unausgesprochenen Bündnisses hatten zur Verschlimmerung fessen Ist Ihnen dies erinnerlich?" | ihres Seelenzustandes mehr beigetragen, als alle anderen
In Gerth machte sich eine wachsende innere Unruhe! I Leiden. Nun sah sie den Mann, der ihr so viel geworden, geltend, er wußte nicht, weshalb. I der ihr jetzt alles in dieser Welt war, in semem heiligsten
Nein ich erinnere mich nicht, sie bemerkt zu haben", I Gefühle aufs schmerzlichste enttäuscht, denn ihr feines Em- saate" Konstanze mit der vorigen Unbefangenheit. I pfinden hatte sie sofort erraten lassen, was m ihm vor- „Ganz natürlich; in ihrem Sonntagsstaate sind solche I ging, als der Detektiv jenes verhängnisvolle Wort ge»
Leute oft gar nicht wiederzuerkennen, am allerwenigsten I sprachen
von der Rückseite. Sie haben sich damals, als jene Frau I „Ich habe schweres ertragen vielleicht das schwerste, vor Ihnen saß mit dem Herrn Professor unterhalten — es I was einem armen Menschenkinds aufgeburdet werden war vor Beginn des Gottesdienstes — und obwohl das I kann", begann si e endlich; „aber zu wissen, daß das un- Gespräch leise geführt wurde, so will sie doch deutlich ge- I begrenzte Vertrauen, welches Sie mir vom ersten Augen- bört haben, daß Sie und der Herr Professor dabei einander I blick an entgegengebracht haben, erschüttert sei, — das mit Du angeredet haben." I kann ich nicht ertragen. Daß ich Ihnen etwas zu ver-
Wie ein Schlag traf dieses Wort das junge Mädchen. I schweigen hatte, wußten Sie, — keinen Augenblick darf Ihr eben noch so bleiches Gesicht schien plötzlich in Purpur I ich Sie jedoch in dem Glauben belassen, daß ich mich meines aetauckt, während sie einen hastigen Blick auf den bestürzten I Geheimnisses zu schämen habe. So sollen Sie denn die jungen Arzt ivarf. I Wahrheit hören, keine Folter würde sie aus mir heraus-
Vielleicht hat die Frau falsch gehört", lenkte Allram I pressen, — nur dem Manne, von dem ich nicht verkannt ein ' I fein möchte, vertraue ich sie an."
‘ Konstanze preßte krampfhaft die Hände aufs Herz und I Ihr Blick haftete voll und ruhig auf ihm; es war atmete tief und schmerzlich. I der Blick eines reinen Gewissens.
„Nein", kam es tote ein Geständnis, das sie sich selbst | (Fortsetzung folgt.)
erst chbgerungen, über ihre Lippen, „nein, die Frau hat nicht falsch gehört. — Oh Gott!"
Mit diesem leisen Rufe brach sie ohnmächtig zusammen.


