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aS sind die Kläglichsten auf Erden, Die leiden, — ohne reif zu werden.
Julins Lohmeher-
(Nachdruck verboten.)
Die Irre von Sankt Rochus.
Kriminalroman von Gustav Höcker.
(Fortsetzung.)
Obwohl Gerth bereits geahnt hatte, daß die Namensgemeinschaft keine nur zufällige sei, so machte doch die nun erlangte Gewißheit einen tiefen Eindruck auf ihn. Allram stellte sich an ein Fenster, um in die Gegend hinauszu- b licken, und ließ dem jungen Arzte vollauf Zeit, sich! die Lage der Dinge in seinem Geiste zurecht zu legen. Es trat ein langes Schweigen ein, welches Gerthe endlich! durch die Frage unterbrach: „Sind Sie schon über Ihre nächsten Schritte im klaren?"
„Ja. Ich werde nun die Bekanntschaft Frau Bruschers machen. Vorher aber möchte ich bitten, daß Sie mich zu Ihrer Patientin führen. Können wir ungestört mit ihr sprechen?"
„Da Sie als Irrenarzt stier eingeführt sind, so hat das keine Schwierigkeit", entgegnete Gerth.
„Und wäre die jetzige Stunde zu einem Besuche geeignet?"
„Wir könnten keine geeignetere wählen. Kommen Eie!"
„Haben Sie Ihrer Patientin schon gesagt, daß ich für sie tstätig bin?"
„Nein; sie ahnt nichts von den bisher geschehenen Echritten."
„Ganz gut. Aber jetzt wird es denn doch nötig sein, daß sie erfährt, wer ich bin, und wenn Sie es für angemessen halten, so können Sie ihr auch zu verstehen geben, daß die Sache nicht ganz hoffnungslos steht."
Beide machten sich auf den Weg, und Arm in Arm durchschritten sie in gemächlichem Gange verschiedene Korridore, Höfe und Anlagen der weitläufigen Anstalt, und wer ihnen begegnete, konnte hören, daß die verschiedenen Einrichtungen derselben den Gegenstand ihres Gesprächs bildeten. .
Endlich betraten sie Konstanzes Zelle. Sie las m einem der Andachtsstücher, die auf einem Tischchen lagen. Ihr Anblick war der einer schwer und tief Leidenden. Ihre abgemagerte Gestalt schien sich! mehr und mehr in einen Schatten aufzulösen, auch ihre Bewegungen hatten etwas
Schattenhaftes. Ihre ganze Erscheinung wurde fast nur noch von sten großen dunklen Augen beherrscht und gehoben, deren feuchter Schimmer einem heißen Fieberglanze gewichen war. Gerth warf seinem Begleiter einen Blick großer Bekümmernis zu. Inniges Mitleid ergriff den Mann, der durch seinen harten Beruf gewohnt war, in den Abgründen des Lebens zu wandeln, aber er drängte seine Bewegung gewaltsam zurück.
Scheu blickte Konstanze auf den Begleiter des Arztes.
„Fräulein Herbronn", sagte Gerth in dem herzgewinnenden Tone, in welchem er sonst nie vor Zeugen mit ihr sprach,. „wenn Sie nächst mir noch einen zuverlässigen Freund besitzen, auf den Sie sich verlassen können, so ist es dieser Herr hier, welchen Sie schon einmal flüchtig gesehen haben. Er ist einer der gewandtesten Detektivs."
Konstanze war über diese Eröffnung sehr erstaunt.
„Er hat die Aufgabe übernommen, den Mörder, an dessen Stelle Sie büßen müssen, zu entdecken, und ich kann Ihnen sogar sagen, daß seine Bemühungen bisher nicht ganz ohne Erfolg gewesen sind."
Ein schwaches Lächeln erschien auf dem Antlitz des jungen Mädchens, aber es war das schmerzliche Lächeln der Hoffnungslosigkeit.
„Vertrauen Sie sich ihm ganz an", fuhr der Arzt fort, „vertrauen Sie ihm alles, was. Sie mir anvertraueni würden, Mid zählen Sie auf seine Verschwiegenheit. Er steht nicht in den Diensten einer Behörde. Ich habe Ihre Sache zur meinigen gemacht, und dieser sind seine Dienste schon seit Wochen unablässig gewidmet."
„Wie kann ich Ihnen für Ihre Güte jemals danken?" sagte Konstanze bewegt, nnd drückte sanft die Hand des Arztes.
„Denken Sie jetzt nicht daran", bat dieser, „sonderst lassen Sie unseren Freund wissen, was er wissen muß, um zu neuen Resultaten zu gelangen. Er hat schon vieles; ans Tageslicht gebracht, was sich dem Arme der Justiz zu entziehen wußte." . *
„O ja", sagte Allram; „auch im. Hause des Professors Georgi selbst habe ich einmal einem ungerecht verdächtigten armen Dienstmädchen ihren ehrlichen Namen gerettet."'
„Das waren Sie?" frug Konstanze überrascht. „Therese Zeidler hat mir davon erzählt."
„Sie ist jetzt Frau Thorbeck, und es geht ihr gut", plauderte Allram, „sie hat einen thätigen Mann, der ein hübsches Geschäft betreibt. Gestern erst war ich! wieder einmal bei ihr. Wir sprachen viel über Sie. Frau Thorbeck rneint's gut mit Ihnen. Wie lebendig hat sie in der Gerichtsverhandlung Ihren Schmerz am Totenbette Georgis geschildert! Wollte sie doch auf Ihre Unschuld zehn Eide schwören! Ich halte sie für eine kreuzbrave Person.'<
„Ja, das ist sie ganz gewiß", stimmte Konstanze bei.


