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überall finden wir trotz der außerordentlichen Verschiedenheit der örtlichen Verhältnisse diese gewaltige Uebermacht des elektrischen Systems, welches schließlich in den letzten Jahren die Pferdebahnen fast vollständig verdrängt hat. Besonders interessant sind einige vergleichende Resultate der Lynn and Boston Railroad Co., welche wegen ihrer geschickten und fortschrittlichen Verwaltung, und ihrer außerordentlich! sorgsamen Bachführung bekannt ist. Die Bahnen dieser Gesellschaft wurden im Jahre 1891 ganz und gar mittels Pferden betrieben. Der Ersatz derselben durch Elektrizität wurde nach und nach während der Jahre 1892 und 1893 vorgenommen. Im Jahre 1894 wurden nur noch) 7,7 Meilen von einer Gesamtzahl von 147,17 Meilen mit Pferden betrieben, und nach dem folgenden Jahre verschwand dieses Beförderungsmittel gänzlich. Die Bevöl- rerungszahl, welcher dieses außerordentlich wichtige System zu dienen hat, läßt sich nicht genau bestimmen. Es verbindet die Stadt Boston mit mehreren kleineren Städten, die sich so eng an einander schließen und so dicht bevölkert sind, daß sie in Wirklichkeit ein großes Stadtgebiet bilden. Würde man wie bei dem zuvor angeführten Beispiel die Pferdebahn-Betriebskosten pro Wagenmeile mit der Gesamtmeilenzahl des Jahres,1897 multiplizieren, soswürde man einen Ueberschuß von nur 47 963 Dollar erhalten, während man in Wirklichkeit einen Reingewinn von 606 584 Dollar erreichte.
Es ist wohl angebracht, zu untersuchen, ob die elektrischen Bahnen heute ebenso viel Leuten Arbeitsgelegenheit gewähren, wie die Pferdebahnen zuvor. Nun, der elektrische Betrieb unterscheidet sich in dieser Hinsicht sehr vorteilhaft von der Pferdebahn; denn die Zahl der Beamten auf allen Straßenbahnen des Staates New Pork ist in den Jahren 1887 bis 1896 um nicht weniger als 43 Prozent gestiegen. Es ist auch erwähnenswert, daß die Straßenbahnen von Glasgow, welche vom Magistrat der Stadt verwaltet werden, im Jahre 1895 nur 43 Prozent ihrer Betriebskosten für Löhne ausgaben. Der durchschnittliche Stundenlohn, der im Staate New Pork im Jahre 1896 an Wagenführer bezahlt wurde, betrug 18,3 Cents (73 Pfennige) bei einem Tage von durchschnittlich zehn Stunden. Kondukteure (Schaffner) erhielten 15,9 Cents (64 Pfennige) bei täglicher Dienstzeit von zehneinhalb Stunden.
Verschiedenheiten in der Betriebsleitung können natürlich die Ursache zu Tausenden von Einzelheiten bilden, die je nach der Lage des Falles die Geschäftseinkünfte eines Straßenbahnsystems günstig oder ungünstig beeinflussen. Die Behandlung des Personals, die Wahl von Unterbeamten, der Einkauf des Materials und der Vorräte, die zu entfaltende Umsicht, die Beziehungen der Gesellschaft zum Publikum, die günstige Lage der Strecken und der dem öffentlichen Bedarf angepaßte Betrieb, die Auswahl des rollenden Materials, die Instandhaltung der Anlage — alles dies bleibt doch zuletzt Aufgabe der Betriebsleitung, welche so genügend Spielraum zur Entfaltung individueller Fähigkeiten und Energie findet.
Leider stehen uns keine statistischen Aufzeichnungen über das Verhältnis der Betriebskosten zu den Brutto-Einnahmen der älteren größeren Pferdebahnlinien zur Verfügung, wie sie vor zehn Jahr dem Verkehr dienten. Doch sind Sachverständige der Meinung, daß dieser mittlere Prozentsatz nicht unter 80 Prozent herunterging. Bei allen elektrischen Straßenbahnsystemen in den Vereinigten Staaten mit jährlichen Brutto-Einnahmen von 100000 und mehr betrug das Durchschnittsverhältnis der Betriebskosten zu den Brutto-Einnahmen nur 56 Prozent. Und es ist wohl anzunehmen, daß unter gewöhnlichen Berkehrs- bedingungen jedes nach den neuesten Prinzipien gebaute und ausgerüstete System von den Brutto-Einnahmen nicht mehr als 50 Prozent für Betriebskosten beansprucht.
Diese amerikanischen Beispiele geben uns eine Vorstellung, welche gewaltigen Fortschritte im Verkehrswesen innerhalb weniger Jahre zu erzielen sind, wenn die Behörden den Gesellschaften nicht zu große Hindernisse in den Weg fetzen und — im Interesse der Bevölkerung — der Konkurrenz der Gesellschaft einen freien Spielraum gewähren.
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Handbuch der protestantische« Polemik gegen die römisch-katholische Kirche von Karl von Hase. 7. Auflage. Leipzig, Breitkopf und Härtel, 1900. Bollständig in 10 Lieferungen ä 50 Pfennig. — Es ist ein sehr dankenswertes Unternehmen der bekannten Berlagsfirma, Hafe's Polemik in derselben Art, wie es mit Hases Kirchengeschichte geschah, als wohlfeile Ausgabe den weitesten evangelischen Kreisen zugänglich zu machen. Und das Buch verdient es, im Besitz jedes Protestanten zu sein, der nicht der Verwässerung der Fundamental-Sätze des Protestantismus das Wort redet, sondern die scharfe Abgrenzung einer Ueberlegenhcit protestantischer Welt- und Lebensanschauung über alle anderen Formen des Christentums bei sich und seinen Glaubensgenossen zum Bewußtsein gebracht sehen will. Dem wird das Buch gerecht, nicht im Hetzton, sondern mit der Festigkeit des Urteils, der Vornehmheit in der ganzen Haltung, wie sie nur möglich ist dem, der in seinen Ausführungen sich auf nichts anderes stützt, als auf gesicherte wissenschaftliche Ergebnisse. Die Herausgabe dieser Auflage der Polemik liegt ebenso wie die der Kirchengeschichte in den bewährten Händen von Professor D. theol. Krüger in Gießen. G.
Die lex Heinze bewegt noch alle Gemüter. Protestversammlungen sind in den größten Städten abgehalten worden, und Zeitungsartikel haben das Für und Wider dieses vielumstrittenen Gesetzes mehr als genug erörtert. Alle diese Kundgebungen lassen jedoch in auffallender Weise eine gründliche Kenntnis des Kernpunktes des Gesetzes, der Sittlichkeitsfrage, vermissen. Da kommt die eingehende Behandlung, die dieses schwierige Gebiet in den soeben erschienenen Lieferungen 33 —36 des „Illustrierten Konversations-Lexikon der Frau" (Verlag von Martin Oldenbourg, Berlin) gefunden hat, gerade zur rechten Zeit. Unter den Stichwörtern „Sittlichkeitsfrage" und „Sittlichkeitsverbrechen" finden wir hier eine ausführliche und stets mit Berücksichtigung der Frauen- intereffen abgefaßte Darstellung der Sittlichkeitsfrage, die durch einen reichhaltigen Litteraturnachweis noch besonders wertvoll wird. Beide Artikel, die zusammen 18 enggcdruckte Seiten umfassen, beweisen so recht die aktuelle Bedeutung des „Illustrierten Konversations-Lexikon der Frau", das wir unfern Lesern und Leserinnen als ein praktisches Hilfs- und Nachschlagebuch bereits wiederholt empfohlen haben. Die vorzüglichen Textillustrationen und die prachtvollen farbigen Tafeln seien auch in diesen Lieferungen besonders hervorgehoben. — Das „Illustrierte Konversations-Lexikon der Frau" ist komplett in zwei geschmackvollen Leinenbänden zum Preise von 25. — M. oder in zwei vornehmen Halbfrauzbänden zum Preise von 28. — M., eventuell auch gegen monatliche Teilzahlungen durch alle Buchhandlungen deS In- und Auslandes, sowie durch die Verlagsbuchhandlung selbst zu beziehen.
„Die Romanwett" („Vita" Deutsches Verlagshaus Berlin W. 50) hat es verstanden, ihre Eigenart immer mehr zu befestigen und auszubilden. Ohne ängstliche Rücksichten wählt sie aus der heimischen und ausländischen Litteratur-Werke charakteristischer Kunst. — Auch das neue Quartal verspricht, dem alten Programm getreu, eine Fülle von Beiträgen, die nicht an der Allragsheerstraße gewachsen sind. — Die neueste Arbeit Ernst von Wolzogens: „Die lieben Brüder" wird hier erscheinen, ein Carnevalscapriccio voll übermütiger Laune und Münchener Lustigkeit. — Ein Frauenproblem ganz besonderer Art behandelt „Frau Lohengrin" von H. von Beaulieu. Sie zeichnet den Typus der Dichterin, die in ihrem produktiven Schaffen vor keiner Schranke Halt macht, die leidenschaftlich die geheimsten Wünsche ihrer Seele und ihres Körpers hingiebt und die im Leben von unbeschreiblicher Scheu und Wirklichkeitsangst ist. — Auf neuen Wegen der Charakteristik geht auch Olga Wohlbrück's „Aristokrateles." Neben diesen deutschen Arbeiten, denen sich noch Beiträge von Sophie von Adelung, Victor Blüthgen, Felix Heinemann, Marie Madeleine, Elisabeth Sievert, Curt Julius Wolf u. a. m. zugesellen, finden sich gut gewählte Romane und Novellen der ausländischen Litteratur, Werke von Emilia Parda-Bazan, Stan- jukowitsch, Rudgard Kipling u. a. m.
Logogriph.
Nachdruck verboten.
Mit „E" hat dich, als du noch klein,
Dein Mütterlein genannt.
Mit „A" ist es als Instrument
Zum Fangen dir bekannt. H.
Auflösung des Gitterrätsels in voriger Nummer.
BAS Beethoven e r p töt Ahrweiler o i m , v l . b E cP tembe r n r r
Redaktion! ®. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Univerfitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erden) in Gießen.


