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schäftsviertel einer Großstadt beschäftigten Leute ihren Wohnsitz noch weiter hinauslegen. Bei Pferdebahnwagen bedeutet nun diese Frist von anderthalb Stunden eine Entfernung von 9 englischen Meilen.
Wenden wir uns nun dem modernen elektrischen Wagen zu, so können wir sofort sehen, welche Ausdehnung sein Betrieb innerhalb der gegebenen Zeitgrenze von anderthalb Stunden angenommen hat; denn ein elektrischer Wagen vermag in dieser Frist eine weit größere Strecke zuruckzulegen als Pferdebahnwagen und Omnibus. Seine Schnelligkeit wird eben nicht mehr durch die Rücksicht auf die Leistungsfähigkeit der Pferde bestimmt, und es ist thatsächlich eine unerschöpfliche Zufuhr von Triebkraft vorhanden.
Fast alle jetzt in Betrieb befindlichen elektrischen Wagen wiegen unbesetzt mindestens 10 000 Kilogramm, mit sechzig Passagieren besetzt über 15 000 Kilogramm. Diese Wagen, die mit zwei Motoren ausgestattet sind, erreichen eine Schnelligkeit von 8 bis 10 Meilen pro Stunde in Straßen, die keinen übermäßigen Wagenverkehr haben. Auf den verhältnismäßig freien Landstraßen der Vorstädte machen sie la bis 18 Meilen in der Stunde. In anderthalb Stunden durchlaufen diese Wagen eine Entfernung von etwa 18 Meilen, das ist das doppelte der Leistung eines Pferdebahnwagens. Ter verdoppelte Durchmesser eines Kreises, der die Stadt und Umgegend in sich begreift — denn darum handelt es sich hier — ergiebt aber das Vierfache der Bodenfläche. Wenn somit auf allen Strecken die Pferdebahnen durch elektrische Wagen ersetzt, und das Schienennetz den neuen Bedingungen gemäß erweitert wird, so können bei der gleichen Zeitgrenze viermal so viel Personen wie zuvor der gleichen Vorteile teilhaftig werden. Diese Vorteile bestehen in den billigeren Mietspreisen der Vororte und in der schnelleren und bequemeren Beförderung nach der Stadt. Zur Bewältigung des großen Verkehrs, nämlich am Morgen nach der Stadt und am Nachmittag nach der Peripherie mib den Vororten zurück, können größere und bequemere Wagen eingestellt werden. Infolgedessen werden die elektrischen Wagen auch weit mehr begünstigt als die Pferdebahnwagen.
Tie großen elektrischen Wagen in New Jork und anderen Großstädten mit ihrer schönen Ausstattung und ihren billigen Fahrpreisen für weite Strecken wirken geradezu verführerisch auf Leute, die sonst zu Hause bleiben würden. Ja, es läßt sich konstatieren, daß jetzt mehr Leute die Läden durchbummeln. Besuche machen, in die Theater oder Vergnügungsorte gehen u. s. w. als früher. So verhilft die Entwickelung des Straßenbahnsystems den Städten zu beständigen Geschäftsvierteln; sie giebt Veranlassung zur Anlage von Wohndistrikten in Vororten. Wir dürfen nicht vergessen, daß die Existenzfähigkeit eines großen Geschäftshauses in den Vereinigten Staaten von einer günstigen Lage an der Straßenbahn, von einer schnellen und billigen Verbindung mit den Wohnhausvierteln abhängt. Die neuen Straßenbahnen, welche.auch in größerer Entfernung liegende Vororte mit der Großstadt verbinden, haben nun auch ein Herbeiströmen von Leuten mit festem Einkommen, wie Rentiers, Witwen, kleineren Beamten und anderen, zur Folge gehabt, welche immer schon nach den Reizen des Stabtlebens Verlangen trugen, dieselben aber wegen der großen Entfernung nur selten genießen konnten. Das Endergebnis ist, daß alle diese Leute den elektrisch betriebenen Straßenbahnlinien ihren Zoll zahlen, sei es nun auf Geschäftswegen oder auf Fahrten zu den Vergnügungsstätten. Die Einführung des elektrischen Betriebes hat auf diese Weise aber auch den wirklichen Wert der vorstädtischen Besitzungen bedeutend vergrößert.
Es ist jedoch eine sehr merkwürdige Thatsache, die zu dieser so plötzlichen Ausdehnung des Systems geführt hat. Man fand, daß trotz der Vergrößerung der Brutto-Mn- nahmen die Betriebskosten sich verringerten, sodaß zum Beispiel im Staate Massachusetts, welcher im Jahre 1888 344 Meilen Pferdebahn und keine einzige Meile elektrischer Bahn aufweisen konnte, dex Prozentsatz der Betriebskosten auf die Brutto-Einnahme 81,07 betrug; wogegen im Jahre 1897, als man hier über 1241 Meilen elektrischer Bahn und 61 Meilen Pferdebahn verfügte, der Prozentsatz der Betriebsunkosten auf die Brutto-Einnahme bis auf 68,95
heruutergegaugen war. Ties ergiebt einen Mehrgewinn von 12,12 Prozent.
Diese Thatsache war so merkwürdig und so unerwartet, daß viele mißtrauische Kapitalisten lange Zeit die bekannt gegebenen Resultate nicht für wahr hielten und von betrügerischen Manipulationen sprachen. Heute ist es völlig erwiesen, daß man die Meilenzahl eines gut verwalteten elektrischen Systems verdreifachen kann, wenn man die Triebkraft nur verdoppelt. Mit anderen Worten: man kann die dreifache Meilenzahl für die zweifache Triebkraft bekommen.
Um die wunderbaren Erfolge des elektrischen Betriebes in den Vereinigten Staaten ganz verstehen zu können, müssen wir bei einem Beispiel verweilen, bei dem die gleiche Leitung und finanzielle Kontrolle viele Jahre lang ausgeübt wurde. Die bezügliche Ausstellung bezieht sich speziell auf die Perioden, in denen der Uebergang von der Pferdekraft zu elektrischem Betriebe erfolgte; so vermag man genaue Schlüsse auf die wirtschaftliche Bedeutung des neuen Systems zu ziehen.
Das für diesen Zweck gewählte Beispiel ist eine Stadt tut Osten der Vereinigten Staaten, welche zum Beginn der betreffenden Periode eine Bevölkerung von nahezu 45 000 Seelen hatte. Es ergab sich nun folgendes Resultat:
1888
Bruttoeinnahme....... 145 780 Doll.
Betriebsunkosten....... 112 647 „
Einnahme aus dem Betriebe ... 33133 „
Bruttoeinnahme für Betriebskosten in
Anspruch genommen .... 77,3 pCt..
Mcilcnzahl der Geleise..... 18,4 „
Bruttoeinnahme pro Meile Geleis . 7922,82 Doll.
Bruttoausgabc pro Meile Geleis . 6122,12 „
1896
521 673 Doll.
321585 „
200 088 „
61,6 pCt, 60,21 „
8664,22 Doll.
5341,05 „
Die elektrische Anlage des Systems, auf welches sich unsere Tabelle bezieht, wurde int Jahre 1890 begonnen, jedoch erst im Jahre 1893 vollendet. Obwohl die Be
völkerung von 1888 bis 1896 nur um 33 ein Drittel Prozent anwuchs, vermehrte sich die zur Beförderung derselben nötige Meilenzähl von 18,4 auf 60,21 Meilen oder um 327 Prozent. Während derselben Zeit wuchs die Zahl der von den Wagen im ganzen Jahre durchlaufenen Meilen von 475 352 (int Jahre 1888) auf 2 358 622 (int Jahre 1896); das sind mehr als 495 Prozent. Ferner betrug die Zahl der im Jahre 1888 beförderten Passagiere 2 714 653; im Jahre. 1896 waren es 10163 011, was einen Zuwachs von ungefähr 390 Prozent ausmacht; dabei stand aber jedem einzelnen Passagier ein doppelt so großer Raum zur Verfügung wie früher.
Betrachten wir nun diese Tabelle vom finanziellen Standpunkt, so finden wir, daß zwar die Brutto-Einnahme nur um 357 Prozent anwuchs, das Netto-Einkommen aber den riesigen Gewinn von 560 Prozent ausmachte, ungeachtet der Thatsache, daß die Brutto-Einnahmen pro Wagenmeile von 30,62 Cents tut Jahre 1888 auf 22,10 Cents int Jahre 1896 zurückgingen, was eine Abnahme von 32 Prozent bedeutet. Der wunderbare Zuwachs des Gesamtreingewinns wurde erzielt durch- eine Verringerung der Betriebskosten um 43 Prozent pro Wagenmeile oder von 23,70 Cents im Jahre 1888 aus 13,64 Cents int Jahre 1896. Eine klarere Darlegung der geschäftlichen Resultate des elektrischen Betriebes scheint demgemäß nicht erforderlich.
Welches Resultat hätte man nun aber erzielt, wenn man den Betrieb vom Jahre 1896 in gleichem Umfange hätte durch Pferde bewirken lassen? Die entsprechenden Betriebskosten betrugen in den Jahren 1888 und 1889 durchschnittlich 22,225 Cents pro Wagenmeile. Diesen Betrag multiplizieren wir mit den 2 358 622 Wagenmeilen, welche int Jahre 1896 durchlaufen wurden; so bekommen wir 524 203,74 Dollar Gesamtbetriebskosten. Aber wir haben schon gesehen, daß die Brutto-Einnahmen von 1896 nur 521673 Dollar betrugen, sodaß wir überhaupt keinen Ueberschuß, sondern noch ein Defizit von 2530 Dollar zu verzeichnen hätten. Dazu kommt, daß sich eine so riesige Zahl von Personen von den langsamen und unbequemen Pferdebahnen gar nicht hätte befördern lassen. Dies ist nun das Resultat,in einer Stadt von nur 45000 Einwohnern. In „Cassiers Magazine" werden dreizehn derartige Tabellen mitgeteilt, und der Betrieb in Städten bis zu einer Million Bewohnern in Rechnung gezogen; und


