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die Vermutung aus, daß das Mädchen, dem er zwei Abende vorher nachgesolgt war, wahrscheinlich den ganzen Plan entdecken könnte, wenn sie verhört würde, ehe sie mit ihrem Mitschuldigen sich besprechen könnte.

Der Richter hörte aufmerksam zu.

Gut, sagte er, wollen Sie mit einem Beamten sogleich in jenes Geschäft gehen, ihm das Mädchen bezeichnen und dasselbe hierher bringen? Sie darf mit niemand sprechen, auch mit Ihnen und dem Beamten nicht.

Robert sprach sofort seine Bereitwilligkeit aus. Erne Vorladung wurde geschrieben und einem Polizisten über­geben, welchen Robert begleiten sollte.

Die Sache wird jetzt aufgeschoben, Sie können srch rieben Ihre Mutter setzen, sagte der Richter freundlich zu Mildred. , ,,

Der Geschäftsführer hatte die Wendung, welche dre Sache nahm, wohl bemerkt und war jetzt im Begriff, in großer Bestürzung fortzueilen, um das Mädchen zu warnen, und ihm einzuscharfen, daß es nicht eingestehen dürfte, das Geringste von der Sache zu wissen. Aber der Richter sagte ihm, er habe noch eine Aussage nötig, und er müsse deshalb noch hier bleiben. Dann wandte sich, der Richter anderen Fällen zu. ,

Bella begrüßte ihre Schwester mit großer Lebhaftigkeit.

Das Mädchen, welches Mildred so grausames Unrecht zugefügt hatte, war an diesem Morgen mit großer Bangig­keit ins Geschäft gekommen, welche noch wuchs, als ste er­fuhr, was vorgesallen war. Ihr Mitschuldiger hatte ver­räterisch gehandelt, indem er ein so ernstes Verfahren gegen Mildred veranlaßt hatte; denn er hatte versprochen, sie.sollte nur des Diebstahls überwiesen und dann ent­lassen werden.

Wenn er in einer Beziehung unwahr ist, wird er es auch in der anderen sein, und dann bin ich auch nicht sicher vor der Verhaftung, sagte sie zu sich selbst, und ihr Benehmen war so auffallend, daß es im Geschäfte Ver­wunderung erregte. Als sie eben eine Käuferin bediente, hörte sie die Worte: Dies ist das Mädchen! Sie blickte auf und war einer Ohnmacht nahe, als sie vor sich einen Polizisten bemerkte, der ihr sagte, sie müsse sogleich mit ihm kommen.

Erschrocken und ratlos stotterte sie, sie wisse nichts von der Angelegenheit.

Gut, dann kommen Sie mit und sagen Sie das vor Gericht. , r

Muß ich gehen? fragte sie einen der Geschäftsinhaber.

Ich weiß nicht, warum ich in die Geschichte hinein­gezogen werden soll, begann sie.

Hier ist der Grund, sagte der Polizist ungeduldig. Das ist die Vorladung.

Da sie sah, daß Widerstand nutzlos war, begleitete sie den Polizisten mit angstvoller Miene zu einer Droschke und erschien bald vor dem Gericht. Mildred, sowie die neue Zengin wurden sogleich vorgerufen. Die Letztere hatte nur Zeit, einen vorwurfsvollen Blick auf den Mann zu werfen, welcher, wie sie fürchtete, sie verraten hatte, und der aus seine Weise sie zu warnen suchte.

Stellen Sie sich hierher, sagte der Richter, welcher die Bemühungen des Geschäftsführers bemerkt hatte.

Sie wurde vereidigt und dann sagte der Richter streng: Merken Sie sich, daß jede Abweichung von der Wahrheit ein Meineid ist, worauf, wie Sie wissen, Zuchthausstrafe steht. Ich kann Sie versichern, daß es in jeder Beziehung das Beste für Sie sein wird, nichts zu verbergen, denn Sie werden bald erkennen, daß ich von der Sache schon einiges weiß. . c

Nach den üblichen Fragen begann er: Haben Sre den Laden nicht am Donnerstagabend verlassen?

Ja, Herr.

Haben Sie sich nicht zweimal umgesehen, ob man Ihnen folge?

Das ist möglich.

Sie leugnen es also nicht?

Hat nicht Mister Bissel Sie in der Wasserstraße ei,n- geholt?

Ja, Herr, erwiderte die Zeugin, zusammensahrend.

Hat er nicht etwas zu Ihnen gesagt, was Sie sehr erregte?

Es mag sein, daß er mich erschreckt hat, stotterte sie.

Ja, wahrscheinlich. Aber haben Sie nicht mit einer lebhaften Gebärde beantwortet, was er sagte?

Ja,

Gingen Sie dann nicht ganz ruhig mit ihm weiter?

Ja, Herr. Sie begann zu zittern.

Sind Sie nicht in einen dunklen Hausgang eingetreten, welcher zu den Hinterwohnungen führt?

Ja, Herr, erwiderte sie mit wachsender Aufregung.

Was haben Sie dort gemacht?

Hat er über mich ausgesagt, Herr Richter? fragte sie, plötzlich in einen Strom von Thränen ausbrechend.

Was er gemacht hat, davon ist jetzt nicht die Rede. Sie sind beeidigt als Zeugin, die ganze Wahrheit auszu­sagen. In dem Hausflur brannte eine einzige Gasflamme, nicht wahr?

Ja, Herr. ,

Hat Miß Howell sich jemals feindlich gegen Sie be­nommen?

Nein, Herr, meines Wissens nicht.

Nun sagen Sie mir, was vor der Gasflamme vorge­gangen ist.

Ich werde Ihnen die ganze Wahrheit sagen, brach das Mädchen heraus, wenn Sie mich diesmal frei lassen. Es ist mein erster Fehltritt, und wir sind arm. Ich wurde durch die Not dazu gezwungen, und er hat mir versprochen Fräulein Howell werde nichts geschehen, sie werde sich nur einen anderen Platz suchen müssen.

In der Meinung, daß ihr Mitschuldiger sie verraten habe, erzählte sie die ganze Geschichte ohne Rückhalt, wo­durch Mildred vollkommen gerechtfertigt toufbe. Obgleich der Richter seine strenge Miene beibehielt, bemerkte er doch mit großer Befriedigung den Aerger und die Ver­wirrung Bissels und seine vergeblichen Versuche, die Zeugin zu warnen.

Bitte, vergeben Sie mir dies eine Mal, schluchzte das zitternde Mädchen. Ich werde nie wieder Böses thun.

Ich habe keine Macht, Sie zu bestrafen, erwiderte der Richter. Es kommt allein auf Ihre Vorgesetzten an, ob sie einen Strafantrag stellen wollen. Senden Sie Bissel hierher, sagte er zu einem Beamten.

Nun, was haben Sie zu dieser Aussage zu bemerken? fragte er Bissel, welcher bleich und unentschlossen vortrat. Der Schurke, welcher in seiner eigenen Falle gefangen war, zitterte. Gern hätte er geleugnet, daß der Anschlag gegen Mildred von ihm ausging, aber er sah so gut, wie das Mädchen, daß der Richter auf geheimnisvolle Weise in Kenntnis gesetzt worden-war, und er wußte nicht, wie weit diese Kenntnis reichte. Wenn er zu leugnen begann, so konnte er leicht durch einen anderen Zeugen überführt werden. Der junge Mann, der nach der Zeugin ausgeschickt worden war und dessen unerwartetes Austreten ihm so viel Unglück gebracht hatte, konnte ja in jenem Hausgang ver­borgen gewesen sein und so alles gesehen und gehört haben. In der Angst vor einer Anklage auf Meineid suchte er nach einer Ausrede.

Ich habe nur das Interesse des Geschäfts zu schützen gesucht. Ich hatte Verdachk auf die Howell.

Bei diesen Worten erhob sich ein allgemeines Zischen, welches der Richter streng verwies.

Wir haben nichts mit Ihrem Verdacht zu thun. Haben Sie gegen die Zeugenaussage ^etwas einzuwenden?

Nein, Herr.

Das genügt. Setzen Sie sich.

Dann wandte er sich ay Mildred und sagte höflich: Fräulein Howell, es gereicht mir zum Vergnügen, Ihnen sagen zu können, daß Ihre Unschuld klar erwiesen ist. Ich muß Sie auch darauf aufmerksam machen, daß dieser Mann hier, Namens Bissel zu Schadenersatz verpflichtet ist, und ich hoffe, Sie werden ihn gerichtlich verfolgen. Sie sind jetzt frei.

Ich danke Ihnen, sagte Mildred mit solcher Innigkeit, daß der Richter an diesem Tage mehrmals innerlich lächelte. Mildred war kaum weniger aufgeregt, als die unglückliche Zeugin selbst, aber ihre lebhafte Aufregung zeigte sich nicht in Thränen, sondern nur in ihren weitgeöffneten Augen. Jetzt, wo die Spannung vorüber war, sank sie auf eine Bank nieder und bedeckte ihre Augen mit den Händen.

O Gott sei Dank! rief sie, er hat mich nicht verlassen!