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dabei die Lampe umgestoßen. Das brennende Petroleum hatte ihre Röcke ergriffen und bei ihrem entsetzlichen Hilfeschrei waren die Nachbarn herbeigeeilt. Es war ihnen auch gelungen, das Feuer zu ersticken, aber die Beine der Frau "waren fast bis an die Kniee entsetzlich verbrannt.
Ich hatte schon viel im Leben gesehen, vielL elende Räume, viel Betten ohne Laken und Fußböden fast ohne Dielen, aber so etwas, wie bei Mutter Dubi, doch noch nicht.....Doch genug davon.
Die Alte auf ihrem Lager litt entsetzliche Schmerzen. Drei Nachbarinnen umstanden fie, und jede schlug irgend ein anderes Mittel vor und versuchte dabei unbemerkt von den Anwesenden den Strohsack zu betasten. Nicht etwa, um zu stehlen, nein, es waren anständige Frauen; aber sie hätten doch gerne gewußt, ob wirklich das Geld im Stroh versteckt sei!
Die Brandwunden waren sehr schwer, so schwer, wie fie überhaupt nur sein konnten .... Ich will nicht auf die Einzelheiten eingehen. Zwei Monate hindurch ging ich jeden Morgen zu der armen Frau und verband die Wunden.
Die Ermahnungen meines Kollegen waren mir noch frisch im Gedächtnis und die Kranke, welche ihre Leiden übrigens mit wirklichem Heroismus ertrug, war mit ihrem jungen Arzt sehr zufrieden und sagte das jedem, der es nur hören wollte. Ja, sie sagte so viel des Guten von mir, daß eine alte Verwandte, die gleich nach dem Unfall aufgetaucht war — kein Mensch wußte woher — fast eifersüchtig aus mich wurde, obgleich sie doch, wie sie erklärte, nur aus reinem Mitleid bet der Cousine Dubi blieb.
Ganz langsam fingen die Wunden an zu heilen, aber allmählich sanken die Geisteskräfte von Mutter Dubi. Sie begann Unsinn zu sprechen, hielt ihre Cousine für ihre Mutter, verwechselte die Tage und Namen. Manchmal war sie sehr aufgeregt, glaubte Diebe zu hören, die unter ihrem Bett versteckt waren, oder sah Menschen, die in den Ecken des Kellers herumsuchten. Dann rief sie um Hilfe und warf aus dem einzigen Auge einen unsagbaren Blick des Schreckens und der Augst auf mich. Wenn ich ihr dann gut zusprach, wurde sie wieder ruhig, und dankbar sah sie mich an.
„Wie gut Sie mit mir sind, zu einem alten Weib, wie ich es bin: Ach, das vergesse ich Ihnen nie, Herr Doktor, davon können Sie überzeugt sein!"
Bet solchen und ähnlichen Reden wurde die Verwandte immer sehr verdrießlich nnd sagte dann wohl:
„Cousine, Ihr sprecht zu viel, das strengt Euch an."
So waren neun Wochen vergangen, da mußte ich als Reserve-Offizier ins Manöver. Ein junger Arzt übernahm während der Zett die Vertretung, und am Tage meiner Abreise stellte ich ihn in aller Form bei meiner Patientin vor. Als wir zur Mutter Dubi hinabstiegen, hatte sie gerade einen klaren Moment und sah ganz freundlich aus, soweit ein solches Gesicht überhaupt freundlich aussehen konnte. Der Anblick eines Fremden schien sie jedoch sehr zu erregen. Immerhin hörte sie meine kleine Rede aber ganz ruhig an, und dann, als ich fertig, da verzerrten sich ihre Züge mit einem Male und sie schrie fast:
„So, also Du verbrennst mir die Beine, damit ich Dir verraten soll, wo ich mein Geld habe! Dieb! Räuber! Da hast Du mein Geld!" Und dabei fuhr sie wie ein Pfeil auf ihrem Lager in die Höhe und schlug mir, noch ehe wir überhaupt wußten, wie es möglich, mit der Hand ins Gesicht."
„.....Als ich vom Manöver zurückkam, war Mutter
Dubi tot und auf Gemeindeunkosten begraben. In ihrem Strohsack hatte man 6 Mark 35 Pfg., sowie einen kleinen silbernen Löffel gefunden, den ihr Wirt mit Beschlag belegt hatte ..."
„So, meine Herren, nun wissen Sie die Geschichte meines ersten Patienten und was mir der Anfang meiner Praxis eingebracht hat/'
GsmMnnNtziges.
Um das Gefrieren bezw. Beschlagen der Fenster zu verhindern, löse man 55 Gramm Glycerin und 1 Liter Spiritus (63 Prozent) auf und setze noch etwas Bernsteinöl zu, welches den Geruch der Mischung verbessert. Wenn die Mischung wasserhell ist, wird die innere Fläche der Fensterscheiben damit abgerieben.
Kefundyeitspffege.
Frost in den Hände«, blaue oder rote Hände beseitigt man durch warme 32 Grad R. Handbäder von viertelstündiger Dauer. Darauf werden sie abgetrocknrt. Für die Nacht ist eine 18 Grad R. Handpackung zu machen. In. der Frühe ist das kalte Abreiben der Hände, Abtrocknen und Einreiben mit Lanolin oder Glycerin zu empfehlen. Tagsüber dürfen sie nicht in kaltes Wasser gebracht oder scharfer Luft ausgesetzt werden- auch sind sind sie stets gut trocken zu halten.
Blutarmut und Nervosität täuschen sehr oft den Kranken dadurch daß Schmerzen in der Herzgegend und in der Lunge fühlbar werden und das Vorhandensein eines Herzfehlers glaubhaft machen. Mit der Beseitigung des Hauptübels verschwinden auch die Schmerzen.
(Aus dem „Prakt. Wegweiser", Würzburg.)
Aür die Küche.
Ervsensuppe. Zehn Personen. Bereitungszeit ll/z bis 2 Stunden. Zuthaten: 1(a Liter abends zuvor eingeweichte Erbsen, vier Eßlöffel geschnittenes Wurzelwerk, 80 Gramm Butter, 2 Liter Bouillon aus Liebig's Fleisch-Extrakt, Salz nach Geschmack, geröstete Weißbrotwürfel. Die mit frischem, weichen Wasser aus's Feuer gesetzten Erbsen werden 1 Stunde lang tüchtig gekocht, dann fügt man das Suppengrün, die Butter, Salz und die Bouillon aus Liebig's Fleisch-Extraktzu. Sind die Erbsen völlig weich geworden, so streicht man die Suppe durch ein Sieb und richtet sie über den Semmel- würfeln an.
Vermischtes.
Shakespeare's Königsrra>»e» haben schon seit der Zeit der Königin Elisabeth so manchem Maler den Stoff zur Bethätigung seiner Kunst gegeben und' noch manchen Stift wird das nnsterbliche Werk in Bewegung setzen. Da es selbst sog. Liebig-Bilder mit Shakespeare- Illustrationen giebt, durfte unter diesen auch das großartigste der Königs- dramen nicht fehlen: „König Richard III." ist der Titel einer neu- crschienenen Serie. Die packendsten Scenen aus dem gewaltigen Trauerspiel sind hierzu auserwählt worden. In einem gewissen Gegensatz zu dem gekrönten Bösewicht stehen die in den Ecken eines jeden Bildchens angebrachten Fleischextrakttöpfc und Peptondosen, denn was ihr inneres bewirkt, ist gut und der Menschheit nützlich, das ivird jede Hausfrau bezeugen, der namentlich die aus echtem Liebigs Company's Fleischcx- trakt so rasch hergestellte kräftige Fleischbrühe oft gute Dienste leistet.
Originelle Bezahlung. Kassierer: „Sie haben drei Mark zu zahlen!" — Michel: „Möchten S' net meinen Pepi dab' halten . . . der hat heut a Zehnmarkstückl g'schluckt! ... Da krieget i halt nacha sieben Mark raus!,,
Zerstreut. Wittwe: „Mein Mann hat noch int Sterben an Sie gedacht; er bat mich, Ihnen einen Grnß zu bestellen." — Professor:. „Danke — grüßen sie ihn wieder."
Magisches Quadrat. (Nachdruck verboten.)
In die Felder nebenstehenden Quadrates sind die Buchstaben d, e e e e e, i, 1 I, o o, r r r, s s derart einzutragen, daß die wagcrechten und senkrechten Reihen gleichlautend folgendes ergebene 1. Herrlich duftende Blume.
2. Deutschen Fluß.
3. Bindemittel.
4. Einen Baum.
(Auflösung folgt iu nächster Nummer.)
Auflösung des Citatenrätsels in voriger Nummer: Es kann ja nicht immer so bleiben.
Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Berlag der Brühl'schen UniverfitSts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erbens in Gießen.


