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lick er Stolz über die Aussichten ihrer Töchter verlieh ihren Schritten so viel Elastizität, daß seine Komplimente kaum übertrieben erschienen.

Fürchte nichts, Fanny," sagte er in überströmendem Gefühl, ich werde für Dich sorgen, was auch kommen mag Aber, Fanny, wir müssen sparen wirklich.

Unsinn! sagte sie, immer predigst Du Sparsamkeit, und niemals wendest Du sie an."

Sie war die Tochter eines Pflanzers im Süden und war von frühester Jugend auf an einen Zustand von chronischer Geldverlegenheit und sorgloser Verschwendung ge­wöhnt, der Krieg hatte samt dem Vater und den Brüdern chen letzten Rest ihres Vermögens weggeschwemmt.

Howells früheres Leben war ähnlich verlaufen und sie chatten sich geheiratet, wie ein Pärchen Turteltauben ohne zu wissen, wo sie ein Nest bauen sollten. Beim Beginn des Krieges erhielt er eine Anstellung in der Südarmee und machte den ganzen Krieg ohne Unfall mit. Als der Friede geschloffen war, kam er nach dem Norden, gegen den er so tapfer gekämpft hatte. Er besaß Bildung und kaufmännische Fähigkeiten und bald gelang es ihm, sich in einer großen Eisenfirma eine Stellung zu verschaffen und endlich deren Teilhaber zu werden. Der Umstand, daß seine Ausgaben immer seinem Einkommen etwas voraus waren, störte Frau Howell nicht, denn sie war von Jugend auf an ein alljährliches Defizit gewöhnt. Es war immer auf irgend eine Art Rat geschafft worden, und sie lebte im blinden Glauben, daß sich »immer Rat finden werde.

Er hatte ein etwas soldatisches Wesen beibehalten und lernte nur schwer den Wert des Geldes erkennen. Bedenklich war eine Gewohnheit, die er im geheimen angenommen hatte. Zwei Jahre früher hatte er an einer schmerzhaften Krankheit gelitten, während welcher er zur Stillung der Schmerzen mehrere Wochen lang Morphiumpulver erhalten hatte. Die Wirkung derselben war so angenehm gewesen, daß er sie auch ferner gern einnahm, nachdem er genesen war. Dieses Reizmittel linderte nicht nur die Schmerzen, sondern erhöhte auch für den Augenblick seine geistigen Fähig­keiten, und so wurde er nach und nach ein gewohnheits­mäßiger Morphinist. Als die gelegentliche Anwendung des Mittels gegen Zahnschmerzen oder irgend eine geistige Nieder­geschlagenheit oder Ermüdung zu einer dauernden Gewohn­heit wurde, schämte er sich derselben und wußte sie geschickt zu verbergen. Sein Wesen wurde veränderlich und es fehlte ihm an Stetigkeit- in Augenblicken der Niedergeschlagenheit verlangte er strengste Oekonomie und dann wieder zeigte er -die größte Sorglosigkeit in dieser Beziehung. Dieses Schwanken war es eben, was seine Frau von früher her gewohnt war. Immer sagte er, das nächste Jahr wollten sie sparsamer sein, jetzt aber war noch einiges zu thun oder anzuschaffen.

Frau Howell hatte entschieden, wegen Mildreds Zukunft -Müsse der nächste Sommer in Saratoga zugebracht werden. Vergebens erwiderte ihr Mann, er wiffe nicht, wie das möglich zu machen sei.

O Martin, sei vernünftig, erwiderte sie. Du weißt, Arnold Vinton wird auch dort sein. Willst Du Mildreds Zukunft aufs Spiel setzen, jetzt, wo sie eine der besten Partien in der Stadt machen kann?"

Inzwischen erfuhr er auch, daß das Geschäft in Schwierig­keiten geraten sei. An dem Abend, als Bella ihre Freundinnen bei sich versammelt hatte, war er mit den schlimmsten Be­fürchtungen nach Hause zurückgekehrt.

(Fortsetzung folgt.)

Mein erster Pattent.

Bon C. Chatelain. Autorisierte Uebersetzung von A. Friedheim.

------- (Nachdruck verboten.)

Im Kollegenkreis saßen wir zusammen, plauderten über dieses und jenes und plötzlich hieß es:Doktorchen, beichten

Sie mal, wer Ihr erster Patient war, und wieviel derselbe Ihnen eingebracht hat?"

Mein erstes Honorar?" entgegnete ich und lachte.Es ist zwar schon eine ganze Reihe von Jahren her, aber es ist mir noch alles lebhaft in Erinnerung, und ich will Ihnen gern darüber berichten."

Mein erster Patient war Frau Dubi, die Lumpen­sammlerin des Städtchens und allen unter dem Namen Mutter Dubi" bekannt. Tag für Tag zog Mutter Dubi" mit einem Handkarren durch die Straßen, und wenn sie eine Fuhre voll Lumpen, Knochen und altem Papier zusammen hatte, so verkaufte sie die Ladung an einen Großhändler. Die Alte war hüftlahm, sehr häßlich, und um ihre Häßlich­keit noch abschreckender zu machen, hatte sie ein Auge ver­loren und trug über der leeren Augenhöhle eine schwarze Klappe. Der Mund war zahnlos, einzelne graugelbe Haar­strähnen hingen ihr beständig in das gelbe Gefixt, kurz und gut, es war ein altes, entsetzliches Weib.

Das Alter an und für sich will nichts sagen; ich kenne siebenzigjährige Frauen, die angenehmer anzusehen sind, wie viele junge. Aber die Unordnung! Der Schmutz! Ach, Freunde.....es läßt sich nicht beschreiben, wie Mutter

Dubi aussah. Sie lebte allein, hatte keine Verwandte. Ihre Wohnung war ein Keller, eine Art Höhle, deren Eingangs- thür stets ängstlich geschlossen war- denn Mutter Dubi fürchtete die frische Luft, weil sie an Rheumatismus litt. In dem Kellerraum schlief sie, sortierte ihre Lumpen und kochte auf einer Petroleunlampe ihre Mahlzeiten. Unglaub­licher Dunst benahm einem den Atem, wenn man in den Keller hinabstieg- vergebens war das Suchen nach einem sauberen Fleckchen, um den Hut aus der Hand zu legen. Und so im Halbdunkel gesehen, machte die Alte auf ihren Lumpen den Eindruck einer bösen Hexe, die den Eingang zu ihrer Höhle bewacht.

Man konnte sich nichts Aermlicheres vorstellen, und doch hieß es in der Nachbarschaft, daß sie reich sei. Seit über vierzig Jahren betrieb sie ihren Lumpenhandel, ohne sich je das Geringste zu gewähren. Schwacher Kaffee, altes Brot und dann und wann etwas verwelktes Gemüse, was andere nicht mehr wollten, das war ihre Nahrung. In ihrem Strohsack, der, seit sie ihn besaß, nicht gelüftet worden war, sollte sie, wie es hieß, ein großes Vermögen in bar und mehrere Sparkassenbücher versteckt halten. Dabet jammerte Mutter Dubi aber immer über das elende Dasein und nahm mit freudigem Grinsen einen Teller Suppe, wenn er ihr auf ihren Gängen hier und da angeboten wurde.

Mutter Dubi nun war mein erster Patient, als ich, ein noch recht junger Arzt, in B. die Praxis übernahm. Mein Vorgänger war dort alt und grau geworden, wollte sich zur Ruhe setzen und beim Abschied sagte er mir:Lieber junger Kollege, wenn Sie einen Rat von mir annehmen wollen, so seien Sie sanft mit den Kindern und geduldig mit den alten Frauen- das sind zwei wichtige Verhaltungs­maßregeln, die ich Ihnen geben kann. Das Lächeln der Kleinen gewinnt Ihnen die Herzen der Mütter, und wenn eine alte verdrießliche Frau lobend von Ihnen spricht, so trägt das mehr zu Ihrem Rufe bei, als alle Diplome der Welt.

An der Hausthür neben der Klingel ließ ich ein pracht­volles, neues Doktorschild anbringen. Ich prüfte meine In­strumente und--wartete auf den ersten Patienten.

Meine Geduld sollte auch auf keine zu große Probe gestellt werden, denn gleich am ersten Abend gegen neun Uhr reißt es heftig an meiner Klingel. Eine erregte Stimme fragt hastig nach dem Arzt . . .Gleich ... ein Unfall bei Mutter Dubi . . . aber rasch . . . bitte, sie stirbt sonst."

Die Dämmerung hatte die Alte beim Sortieren ihrer Lumpen überrascht. Sie hatte die Lampe angezündet, und dann gierig in ihren Schätzen weitergewühlt. Die Ernte war an dem Tage gut gewesen, und vergnügt hatte das alte Weib wohl eine unvorsichtige Bewegung gemacht und