Ausgabe 
4.1.1900
 
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1900.

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fas Feuer hebt vom Funken an, Von Funken brennt ein Haus; Drum, wo ein Funke schaden kann, Lösch' ihn bei Zeiten aus. Ist groß der Brunnen oder klein, Das laß dir keine Sorge sein; Aus beiden trinkst du frischen Mut, Ist nur das Wasser rein und gut.

R. Rein ick.

Nachdruck verboten.

Heimatlos.

Roman von E. P, Roe,

I.

Mädchen-Ideale.

Mit Vergnügen beobachtete der alte Herr Martin Howell das bunte Treiben in seinem Salon. Seine zweite Tochter Bella hatte eine Gesellschaft von Schulfreundinnen für den Abend eingeladen, zu welcher einige, besonders be­günstigte Brüder gnädigst Zulaß erhalten hatten. Der Tanz bewegte sich in einem Tempo, welches daran erinnerte, daß für die Jugend Bewegung Vergnügen bedeutet.

Bella wartete übrigens auf Musik und blickte ungeduldig nach ihrer Schwester Mildred, die am Piano saß. Mildred wußte, daß alle auf sie warteten, und doch vermochte sie nicht, den Worten des jungen Mannes ihre Aufmerksamkeit zu entziehen, der neben ihr stand, unter dem Vorwand, die Notenblätter umzuwenden. Ein unbedeutendes Kompliment von ihm hatte eine leichte Röte auf ihren Wangen hervor­gerufen, und als ob die heitere Tanzmusik, die vor ihr auf­geschlagen lag, der natürlichste Ausdruck ihrer Stimmung wäre, begann sie mit einem Feuer zu spielen, welches selbst Bella befriedigte.

Arnold Vinton sah den Erfolg seiner Worte, und auf seinem bleichen Gesicht erschien der Wiederschein ihrer Glut.

Das Gesicht des alten Herrn jedoch zeigte einen Aus­druck von schwerer Sorge, als er sich abwandte.

Martin, was ist Dir?" fragte seine Frau.

Sie war noch immer eine jugendliche, fast mädchenhafte Erscheinung, deren Vorzüge von der reichen Toilette noch gehoben wurden. Doch zum ersten Mal in seinem Leben wünschte er, sie wäre eine starke Frau gewöhnlichen Schlages.

Es ist nichts, Fanny, erwiderte er und verließ hastig das Zimmer."

Immer diese Geschäfte, sagte sie sorglos. Geschäfte sind männlicher Natur, und sie war entschieden weiblich, ihre Welt war weit entfernt von finanziellen und geschäftlichen Dingen. Mit mütterlicher Zärtlichkeit blickte sie nach ihren blühenden Töchtern, und ihr Mutterstolz baute Luftschlösser. Aber ihre Augen ruhten mit besonderem Interesse auf Mildred. Sie kannte aus eigener Erfahrung die Ursachen, die jene Ebbe und Flut auf Mildreds Miene hervorriefen, welche bis jetzt nur dem scharfen Mutterauge bemerkbar waren. Mildred besaß die Schönheit, die zarten Züge und die blauen Augen ihrer Mutter."

Mildred ist mein richtiges Ebenbild, dachte sie, aber Bella wird den jungen Leuten die Köpfe verdrehen. Wenn ich mich überhaupt auf dergleichen verstehe, so ist cs sicher, daß Vintons Symptome bedenklich werden. Er ist gerade der einzige, der für Mildred paßt, er könnte ihr ein Heim verschaffen, wie es ihr Schönheitsbedürfnis verlangt. Wie gern würde ich ihr Haus einrichten, aber Martin sagt immer, er sei so arm.

Es war sehr liebenswürdig von Ihnen, sagte Mildred nach dem Abendessen zu Vinton, als die Gesellschaft sich ungezwungener Unterhaltung hingab, daß Sie gekommen sind, um mir behilflich zu sein, Bellas Freundinnen zu unterhalten, besonders da sie alle noch so jung sind.

Ja, erwiderte er," Selbstverleugnung ist meine Stärke.

Sie hatte immer die bleiche Farbe seines Gesichts be­wundert, doch heute wünschte sie ihm etwas mehr Röte, um ihrem Ideale von Männlichkeit zu entsprechen.

Sie sehen in diesem Frühjahr nicht gesund aus, ich fürchte, Sie sind nicht ganz wohl, bemerkte sie teilnehmend."

Ein rascher Blick nach ihren blauen Augen zeigte ihm nur freundliche Teilnahme und vielleicht noch mehr, denn ihre Züge waren der Verstellung nicht fähig.

Sie haben recht, ich bin nicht ganz wohl, sagte er etwas bitter."

Aber der Sommer ist nahe, erwiderte sie. Sie werden aufs Land gehen und wieder eine gesunde Gesichtsfarbe nach Hause bringen. Mama sagt, wir werden nach Saratoga gehen. Welchen Badeort ziehen Sie vor?"

Ich weiß nicht, ich werde mich darüber erst entscheiden, wenn ich Ihre Wahl kenne."

Das ist eine liebenswürdige Schwachheit! Ich glaube, ich ziehe Saratoga vor, alles ist dort so niedlich und hübsch, auch die großen Bäder und die großen Hotels, welche alles