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0 302 227! Eine böse Sieben war dabei, zwei Nullen ebenfalls. Wo hast Du die Lose, Trude?"
Das Mädchen war totenbleich geworden bei der Nennung der Zahl. Ihre Hände begannen zu zittern. „Im Schlafzimmer", stotterte sie, „in meiner Kommode."
„Ja, was ist Dir denn, Trude?" ries Felix erschrocken aus. —
Sie war bereits verschwunden.
Es dauerte eine geraume Zeit, ehe sie wieder zum Vorschein kam, die Lose schwenkend. Jetzt strahlten ihre Augen, und ein rosiger Schimmer verklärte ihr Gesicht.
1 „Da", ries sie, „Dein Los hat gewonnen, Felix! Nun gehört Dir die Welt!"
„Mein lieber, lieber Junge!" rief die gebrechliche alte Frau glückwünschend herüber.
Ein Ruck ging durch die Glieder des Ueberraschten. „Es ist nicht möglich", stammelte er, und schickte sich an, die Nummer des Loses mit der des Hauptgewinnes zu vergleichen. Dann wendete er das Los um. „Aber mein Name steht lischt hier." Er trat zum Fenster und prüfte das Bläthchen Papier. „Und hier ist eine Rasur ganz deutlich zu erkennen! Zeig' Dein Los her, Trude! Auch hier die Rasur! Ich selber hatte doch, unsere Namen auf die Lose geschrieben zur Unterscheidung!"
„Ach bewahre", wehrte das Mädchen ab. Ihre Bewegungen wurden zuckend, unbeholfen. „Das wirst Du wohl geträumt haben. Im übrigen ist's Deine Nummer, das weiß ich gewiß. So sperr' Dich doch nicht, alter Schwerenöter! Springe lieber bis zur Decke, und dann laus zum Justizrat Coceius und halte um seine Rose an. Du bist ja nun kein armer Schlucker mehr."
Felix stand da, dunkelrot, nach Atem ringend. „Trude", sagte e,r endlich mit zitternder Stimme. „Dein Los war das Gewinnlos! Du hast die Namen ausradiert, um mir das Geld zuzuwenden, — weil Du vermutest, daß ich die Rose Coceius liebe."
Das Mädchen senkte den Kopf. Und Felix sprach weiter. „Meinst Du, ich hätte es nicht bemerkt, wie unter all den Dornen, die Du mir' zukehrtest, die Rosen sproßten —" seine Stimme wurde jetzt so leise, daß nur Trude sie vernehmen konnte, die knapp vor ihm stand — „und zuletzt die allerschönste, die Rose der Liebe? Trude, glaubst Du denn im Ernst, ich würde es leiden, daß Du Dich täglich mit 30 Rangen abplagst, wenn ich Dir und Deiner Mutter eine Versorgung zu bieten hätte? Deiner Mutter, die mich wie ihren Sohn gehalten hat, als ich! mit zehn Jahren eine Waise wurde?" Er biß sich! aus die Lippen. „Nun bist Du reich, nun darf ich nicht um Dich, werben."
„Ich reich?" Der alte Trotz erhob sich in dem Mädchen. „Nicht einen Pfennig möcht' ich anrühren von dem Mammon. Ich müßte ja Henken, Du wolltest, meiniGeld —!"
Er fuhr zusammen. „Dies Wort trennt uns für immer!" sagte er kalt und ernst.
Aber sie hing schon an seinem Halse, jubelnd, lachend, weinend. „Nicht lebendig kommst Du aus diesem Zimmer, wenn Du nicht feierliche gelobst, mich zu heiraten, Du, der resche Felix v. Bredow, mich, die arme Trude Mertens! Denn das Geld ist Dein, Dein, Dein!"
Das Pfingstgeläut der Sebaldus-Glocken begann in diesem Augenblick zu ertönen, feierlich! hallend und durch den Sonnenschein schwebte ihr Klang herüber in das enge Stübchen.
„Frühlingshochzeit", murmelte die Mutter, Freuden- thränen in den Augen.
Gemeinnütziges.
Der „praktische Ratgeber im Obst- und Gartenbau" hat seinen leitenden Redakteur Johannes Büttner und den Leiter seines Jllustrationsteils, den Kunstmaler Kleindienst, nach Paris geschickt, um den deutschen Gartenfreunden in Wort und Bild zu schildern, was es neues und beachtenswertes für den deutschen Gartenbau in der Ausstellung gießt. In der soeben ausgegebeneu Nummer, die Gartenfreunden auf Wunsch gern umsonst von dem Geschästsamte in Frankfurt a. Oder zugeschrüt
Nkdaktion: «. Burkhardt. — »rnt uni «erlag der Brühl'schen
wird, beginnen die Berschte, die sich auch auf die in der Umgebung von Paris hochentwickelten Sonderkulturen und Treibereien (Frühgemüse, Salat, Spargel, Champignons, Erdbeeren, Pfirsiche u. s. w.) erstrecken werden.
Isür die Küche.
Kaninchen im Topf. Abgezogene, gehäutete Lapins in egale Stücke zerlegen, einige Scheiben fetten Schinken dazu, desgleichen auf je 1 Lapin 2 Zwiebeln in Scheiben geschnitten. Alles schichtweise mit Pfeffer und Salz bestreuen, in einen braunen, irdenen Topf legen, welcher mit einem gefalteten reinen Papier verdeckt werden mag; darüber der passende Deckel. Den Topf stelle in ein Wasserbad, dämpfe im Bratofen zwei Stunden. Billiges, wohlschmeckendes Gericht.
Salatgemüse. Vom Salat die schlechten Blätter entfernt, reingewaschen; in Salzwasser weichgekocht, abgetropft, nicht zu fein gewiegt, mit 1 Löffel Fleischbrühe, 1 Stückchen Butter eine halbe Stunde gedämpft, mit zwei Eigelb, 3—4 Eßlöffel saurer Sahne abgezogen, nicht mehr kochen lassen, angerichtet.
Literarisches.
Pfing stz aub er! Wie mit einem sonnigen, glückbringenden Schein liegt die ganze Erde übergossen, und alles schmückt sich zu Ehren des herrlichen Festes. Besonders die Trägerin der Anmut und Schönheit, die Damenwelt, bietet alles auf, um sich dem Rahmen des farbenfreudigen Bildes anzupassen. Wie kann man sich nun chik und elegant kleiden ohne große Kosten? Dieses Problem löst das tonangebende Weltmodenblatt „Große Modenwelt" mit bunter Fächervignette, Verlag John Henry Schwerin, Berlin. In der That, jede Hausfrau, die dieses gediegene Blatt in die Hand nimmt, ist aufs höchste von der Vornehmheit, Reichhaltigkeit und Billigkeit überrascht und zögert niemals, sich der großen, über die ganze Welt verbreiteten Abonnentenzahl anzuschließen. Bietet es doch jetzt noch bedeutend mehr als früher, indem mehrere neue Beilagen, darunter eine vorzügliche illustrierte Rubrik „Neuestes aus Paris" und eine neue Handarbeiteu-Beilage, hinzugekommen sind. Daneben führt das Blatt nach wie vor die elegantesten reichen wie einfachen Moden vor, die jede Hausfrau mit Hilfe des jeder Nummer beiliegenden mustergiltigen Schnittmusterbogens sich selbst billig herstellen kann. Hierzu kommt noch das illustrierte Unterhaltungsblatt und das farbenprächtige Kolorit. „Große Modenwelt" mit bunter Fächervignette — man achte ganz genau auf den Titel — ist für nur 1 Mark vierteljährlich zu beziehen von allen Buchhandlungen und Postanstalten. Gratis-Probenummern bei ersteren und durch den Verlag John Henry Schwerin, Berlin 35.
Kollektion Hnrtleben. Eine Auswahl der hervorragendsten Romane aller Nationen. Achter Jahrgang. Vierzehntägig erscheint ein Band, eleg. geb. ä 75 Pf. Jährlich 26 Bände; bisher Band 1 bis 20 vom VIII. Jahrgang ausgegeben (A. Hartleben's Verlag in Wien). Der VIII. Jahrgang der beliebten „Kollektion Hartleben" hat folgenden abwechslungreichen Inhalt an Romanen: I.—III. Pont-Dest, „Eine vornehme Ehe". 3 Bde. IV. Orzeszko, „Der Australier". V.—VI. Savage, „Die gefangene Prinzessin". 2 Bde. VII. Bülow, „Ohne Herz". VIII.—IX. Rovetta, „Das Idol". 2 Bde. X. Benedek, „Anna Huszar". XI.—XII. Fleming, „Vom Sturm getragen". 2 Bde. XIII. —XIV. Mairet, „Die Studentin". 2 Bde. XV.—XVII. Lötang, „Eine schöne Frau". 3 Bde. XVIII.—XIX. Lancken, „Ein neues Geschlecht". 2 Bde. XX. Memini, „Mario". XXI —XXII. Lescot, „Mich-lette". 2 Bde. XXIII.—XXIV. Paura, „Irmengarde". 2 Bde. XXV —XXVI. Sales, „Beaulieu". 2 Bde. Wie man sieht, ein ebenso gut gewähltes als literarisch vornehmes Programm, welches sich bisher bis zum 20. Bande abgespielt hat.
Logogriph.
Nachdruck verboten.
Mein Saft ist dir willkommen, Wenn dich der Durst bedrängt;
Mit and'rem Herzen steche
Ich den, der mich gekränkt. m.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Arühmogriphs in voriger Nummer: Aha — Lille — Kea — Halle — Ella — Jll — Lila;
All Heil!
Universttils-Buch- und Steindruckerei (Pietsch erben) in Sieten.


