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Deraebsn hätte, so wäre seine Reue hierüber nicht erwacht, und sein Nachdenken über den Gegenstand wäre nicht hervorgerufen, der „Emil" vielleicht nie geschrieben worden. Wer weih, ob dann nicht später ein anderer mit ganz, anderen Ideen aufgetreten, und so die Bewegung weit anders verlaufen wäre.
Wir könnten diese Beispiel noch weiter vermehren, unsere Behauptung erscheint uns aber hinlängliche bewiesen. Wenigstens soweit die Geschichte in Frage kommt. Aber auch die ganze Welt wäre nicht mehr, sagt das Sprichwort, wenn das Wörtchen „wenn" nicht wäre? Ist das möglich? Auch das: Wo würde die ganze Menschheit wohl fern, wenn die Lage der Erdachse gegen die Sonne eine gerade und keine schiefe geworden wäre? Dann behielte jeder Breitenkreis auf der Erde immer die nämliche Steilung gegen die Sonne, und es gäbe keinen Wechsel der Jahreszeiten. In den Ländern-zwischen den Wendekreisen würde es so heiß sein, daß niemand, weder Mensch, Pflanze noch Tier, daselbst zu existieren vermöchte, am Pol würden die schief auffallenden Sonnenstrahlen wohl kaum auch nur ein einziges Moos erzeugen, und der größte Teil unserer gemäßigten Zone würde einen ewigen Frühling und eine ewige Frühlingstemperatur haben, sodaß auf der Erde ein vollständiger Stillstand alles Lebens und Seins eintreten müßte, denn wo kein Wechsel der Tem- peratur, da ist keine Ausgleichung, kein Leben denkbar!*)
*) Unsere Leser werden sich mit uns dieser geistreichen Plauderei freuen, ob sie aber ausnahmlos alle erwähnten Thatfachen dem blinden Zufall überlassen wissen wollen, wagen wir zu bezweifeln. Für uns steht es fest, daß — wenigstens was die geschichtlichen Fälle betrifft — jedem dieser Zufälle eine Absicht zu Grunde lag, und zwar die Absicht dessen, von dem Paul Gerhardt als schicksal- geprüfter Mann überzeugend zu singen weiß:
„Gott sitzt im Regiments Und führet alles wohl!"
„Welch eine Wendung durch Gottes Fügung!" schrieb König Wilhelm nach der Kapitulation von Sedan an die Königin Augusta am 2, September 1870.
D. Red.
Gemeinnütziges.
Neue Erdbeeranlagen werden im Herbste gewacht. Sie müssen — wenn sie ertragreich sein sollen — dem Boden angepaßt sein. Auch ist daraus zu achten, daß die Pflanzung und die Auswahl der Sorten zweckentsprechend ist. Man muß einen wesentlichen Unterschied machen zwischen Sorten für den Garten des Liebhabers und Sorten für den Markt. Der „Erfurter Führer im Gartenbau" hat eine Umfrage an viele Erdbeerzüchter im ganzen deutschen Vaterland erlassen und veröffentlicht in Nr. 22 die Resultate derselben. Es ist interessant und lehrreich, zu erfahren, wie die Pflanzweite, die Vorfrucht, die Auswahl der Sorten überall verschieden ist, und wie auch, in der Bearbeitung des Landes große Mannigfaltigkeit herrscht. Da diese Nummer unseren Abonnenten postfrei zugesandt wird, wenn sie dieselbe mittels Postkarte vom Geschäftsamt des „Erfurter Führers" verlangen, so können wi» sie jedem Erdbeerliebhaber empfehlen.
£itterarifri?es.
Belhagtt» u. Klasittgs Monatshefte erscheinen bei Erüfs. ttUttg des neuen XV. Jahrgangs in durchaus modernem Gewände. Professor O. Eckmann vom Berliner Kunstgewerbe-Museum hat den Umschlag und ein gutes Teil des Buchschmuckes des soeben erschienenen ersten Heftes (September 1900) entworfen — originell und markig, wie alles, was der ausgezeichnete Künstler schafft. Inhaltlich ist das Heft, sowohl nach der textlichen, wie nach der illustrativen Seite hin erstaunlich reich ausgestattet. Es bringt neben einem höchst eigenartig aushebendem Roman von Richard Voß „Psyche" den Beginn einer feinen Novelle von Lou Andreas-Saloms „Ma". Prächtig illustriert ist ein Artikel „Rokoko im deutschen Süden" von Fritz von Östini' Georg v. Ompteda schildert als Schriftsteller und Liebhaberphotograph in Wort und Bild eine mit seiner Gattin ausgeführte Hochge- dirgstour: Julius Stinde plaudert lustig über seine Theatererleb
nisse; Peter Rosegger gibt in der Studie „Wie Berggenteinden untergehen" ein ergreifendes Kulturbild aus seiner Heimat, lieber Mari av. Ebner-Eschenbach als Schriftstellerin berichtet anläßlich ihres 70. Geburtstages der berühmte Litteraturhistoriker Dr. Rich. M. Meyer, während Hermine Dillinger die Dichterin als gütige liebenswerte Frau und Freundin feiert. Eine kleine zoologische Skizze „Miez und Maunz", reizend illustriert von dem trefflichen Katzenmaler Adam, eine heitere kulinarische Plauderei „Hummern und Krebse" runden das interessante Heft ab, das auch den Ereignissen der Gegenwart durch einen Artikel über den Krieg von 1860 in China, verglichen mit der augenblicklichen Situation, gerecht wird. In der Gratisbeilage beginnt der Roman „Thönerne Füße" von A. Harder zu erscheinen.
W. H. Riehls Geschichten und Novellen. Gesamt-AuSgabe.
Erscheint vollständig in 44 Lieferungen zu 50 Pf., alle 14 Tage eine Lieferung. Stuttgart. I. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger G. m. b. H.
Den „kulturgeschichtlichen Novellen", mit denen die Gesamtausgabe der Riehlschen erzählenden Werke eröffnet worden ist, reihen sich zwei Bände „Geschichten aus alter Zeit" an.
Diese „Geschichten" spiegeln in besonderer Deutlichkeit die gemütvolle und behagliche Art des Meisters deutscher Erzählungsknnst wieder. Es beruht auf richtiger Erkenntnis des innigen Zusammenklangs zweier gleichgestimmter Künstlerseelen, daß Riehl diese reizenden kleinen Werke dem Maler Ludwig Richter, dem unerreichten Bildner jener liebenswürdigen Szenen aus dem deutschen Volks- und Familienleben, gewidmet hat. In Uebereinstimmung mit Richters Holzschnittmanier sucht Riehl, wie er es selbst ausdrückt, vor allem die feste, reine Linie der Handlung zum Ausdruck zu bringen, Licht und Schatten bloß andeuterd, Schmuck und Beiwerk und die weite Fernsicht des Hintergrundes mehr erraten laffend, als aussprechend.
In diesem Geiste sind denn die edeln Riehlschen Kunstwerke entstanden, die in den beiden Bänden vor uns treten. Bor bald vierzig Jahren entworfen, wirken sie noch heute, wie sie immer gewirkt haben, dem Vorsatze des Meisters entsprechend, „gute Menschen zu erheben, indem sie sie erheitern."
Irrgarten-Rebus.
(Nachbildung verboten).
(Die Anfangsbuchstaben find so zu verbinden, wie die Wege des Irrgartens gehen.)
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer:
Glas — Gras.
Preisrätsel.*)
Magisches Ouadrat.
Nachdruck verboten.
1. Erzeugnis der Baukunst.
2. Zeitabschnitt.
3. Gebirge.
_J_______ 4. Fisch.
In die Felder vorstehenden Quadrates find die Buchstaben a a a a a, e, h, l l, m, n, r r, f s, u derart einzutragen, daß die wagerechten und senkrechten Reihen gleichlautend Wörter von der beigefügten Bedeutung bilden.
*) Von 1900 ab bringen wir in angemessenen Zwischenräumen in den Familienblättern Preisrätsel, an deren Lösung recht eifrig sich zu beteiligen, wir unsere geschätzten Leser bitten. Die Lösungsfrist läuft stets acht Tage nach Ausgabe der betr. Nr. ab. Unter den an die Redaktion der„Familie«Vlätt«k" einzusendenden richtige« Lösungen wird eine ausgelost, deren Einsender mit einem Preise — nützliches Buch oder dergleichen --- bedacht wird.
«. B-rkdardl. — Druck and «erlag der «rühl'schen Um»«rßriit».duch. »nd Btemdruckerei (Pietsch Erden) in «ießea.


