fangenheit nicht entgangen, und kaum waren wir wieder auf der Landstraße, als ich auch schon ein Kreuzverhör au bestehen hatte:
»Hör' mal, Junge, willst Du mir vielleicht sagen, warum Ihr beide, Fräulein Linotte und Du, Euch angesehen habt wie ein paar Hunde, die aufeinander losfahren wollen? ..."
Sehr kleinmütig erzählte ich meine erste Begegnung mrt der Liese und ihrer Herrin.
Der Vetter lachte, und meinte dann mit halb mit- leidlgem, weichem Ton: „Ja! Wenn Du es Dir auch einfallen läßt, gegen die Liese die Hand zu erheben!"
Ich war neugierig geworden, und der Vetter erzählte mir, was in der ganzen Gegend bekannt war: Fräulein Lrnotte von Krickwiel war Waise. Ihre Mutter hatte sie me gekannt, der Vater war als Offizier vor einem Jahr in Afrika geblieben. Das Kind hatte den Vater leiden- fchaftlrch geliebt, und nun war ihm sein Pferd, die Liese, wre ein Vermächtnis erschienen . . . einen wahren Kultus trieb das arme Kind mit dem Tier.
Als einzige entfernte Verwandte war die alte Baronin von Krickwiel Wohl gezwungen gewesen, sich der Marse anzunehmen, und hatte auch das Pferd mit in den Kauf nehmen müssen. . . freilich in der Annahme, den vierfüßigen, höchst unwillkommenen Gast bald wieder aus dem Haus zu entfernen. Doch da hatte sich ein heißer Kampf zwischen der alten Frau und dem Kind entsponnen, aus dem das Kind als Siegerin hervorgegangen war: Liese blieb, wo Linotte gezwungen war zu bleiben.
Freilich, das Gnadenbrot war dem Tier nur knapp bemessen, viel Hafer kam nicht in seine Krippe; Linotte ließ es srch daher angelegen sein, die Liese auf die Weide zu führen. Die guten Nachbarn drückten gern ein Auge zu wenn sie Linotte mit ihrer Liese ankommen sahen, und namentlich beim Vetter Pankras hatte die Liese stets „Freitisch". So war denn auch, wohl Linottes Empörung von neulich gerechtfertigt.
„Und nun, da Du auch d en Zusammenhang kennst, sieh zu, daß Du Dich mit der Liese wieder versöhnst."
Ich blieb dem Vetter die Antwort schuldig, aber die Geschichte der armen Waise und ihrer rührenden Anhänglichkeit an das Pferd ging mir nahe.
Wieder paßte ich mehrere Tage wie ein Jäger aus das Wild, aber jetzt in anderer Absicht, ohne daß ich die Liese zu Gesicht bekam . . . aber meine Ausdauer sollte schließlich doch belohnt werden, die Liese kam zu ihrem Lieblingsplatz, „meinem Reich", zurück, und behutsam schliche ich näher, während ich aus meinen Taschen Brot und Mohrrüben hervorholte, die ich in der Absicht einer Begegnung mitgenommen hatte.
So bewaffnet, trat ich dicht an die Liese heran, und die mußte auch wohl nicht nachtragend sein, denn sie nahm ohne Besinnen meine dargebotene Spende.
Mutig geworden, fing ich an, dem Tier Kosenamen zu geben, während Brot und Mohrrüben mit Schnelligkeit zwischen den Zähnen der Liese zermalmt wurde. Da plötz- lich tauchte ein blonder zerzauster Kopf neben uns auf
Lrnotte war es, die herbeigeeilt kam, um ihre liebe Liese zu verteidigen.
Der unerwartete Anblick ließ ihr ein langgedehntes: „Ach!" entschlüpfen, dann lächelte sie.
Welch allerliebstes Lächeln das war!
Ich hatte meine Mütze abgenommen und stotterte sehr verlegen: „Fräulein Linotte... es thut mir so leid wenn ich gewußt hätte. . . aber nun weiß ich es . . die Liefe braucht sich nicht vor mir zu fürchten ... ich weiß..."
. . . „Sie wissen, daß ich nur die gute Liese auf der ganzen Welt mein nenne", fiel sie mir ins Wort, „und nicht wahr? Sie wollen mich nicht kränken... ich danke Ihnen..."
Das zarte, kleine Gesichtchen zuckte wie in verhaltenem Gram über all die Kränkungen, die sie schon der Lrese wegen erduldet, doch dann kam das fteundliche, halb wehmütige Lächeln wieder, und ganz zutraulich plauderte sie: „Ach, wenn Sie nur wüßten, wie klug die Liese ist!
Nur mit ihr kann ich von Papa sprechen! Wenn ich seinen Namen nenne, daun wiehert sie . . . Oh! ich würde sterben wenn man der Liese etwas zuleide thäte! . . . Denken Sie doch nur? . . . Wer sollte mich denn lieb haben, wenn ich die Liese nicht mehr hätte? . . ." Dabei hatte sich- das blonde Köpfchen immer tiefer und tiefer auf das weiße Fell des Tieres gebeugt, und nun schluchzte Linotte so, daß der kleine Körper ordentlich bebte.
Mir großem Jungen traten bei diesem Kummer auch fast die Thränen in die Augen, aber ich war ja ein Mann, durfte nicht weinen, und so nahm ich denn die kleinen, braunen Händchen zwischen die meinen, ohne recht zu wissen, was ich sprach, sagte ich-: „Ich, Fräulein Linotte, ich will Sie lieb haben, wenn Sie wollen!"
Und ich habe Wort gehalten.
Ich habe sie geliebt, das holde Wesen, mit der ganzen Kraft meiner Seele, von ganzem Herzen.
Das Leben hatte uns zusammengeführt, zur Zeit, da ich im Begriff, die Kinderschuhe auszutreten, und nur der Tod hat uns. . . vorläufig . . . getrennt.
Jahr für Jahr verlebte ich meine Ferien beim Vetter Pankras in der Nähe von Linotte, der ich mich »zu eigen gegeben hatte.
Aus dem Knaben wurde ein Mann, und der Mann hatte noch manches Hindernis zu überwinden, bevor er an die Hochzeit denken konnte. Die alte Baronin starb schließlich, und der liebe Vetter starb auch, und in seinem alten hübschen Haus konnte ich „mein Weib" an den eigenen Herd führen.
Daß die Liese es bei uns gut hatte, bedarf wohl keiner Erwähnung. . . sie gehörte ja zu unserem Glück! Als sie starb, war es gerade, als wenn ein Stückchen von unserer Jugend zu Grabe getragen würde.
HrrmsVistifches.
Boshaft. Schauspieler (von seinem Debüt erzählend): „Erst war das Publikum allerdings teilnahmlos, aber schon im zweiten Akt wurde es wärmer, und im dritten ..." — Freund (ihn nun unterbrechend): „Richtig, da kochte es schon, denn ich hörte es überall zischen!"
Kinder Herz. Johanny (schluchzend): „Du sagst rmmer, es thut Dir so weh, wenn Du nM hauen mußt. Ist das auch wahr, Mama?" — Mama: „Ja, mein Sohn, viel weher wie Dir." — Johanny (seine Thränen trocknend): „Ich bin so froh!"
Grundlose Furcht. Bobby: „Mama, Du hast doch gesagt, wenn ich den Kuchen äße, den Du ins Buffet stelltest, würde ich krank werden?" — Mama: „Ja, das würdest Du auch." — Bobby: „Aber Mama, ich bin doch nicht krank geworden."
Der kriegerische Großpapa: „Ja, Kinder, als mrch der Feind erblickte, fing er an zu laufen--—
Die kleine Jenny: „Und hat er Dich erwischt, Großpapa?"
Silbenrätsel.
Nachdruck verboten.
a, 6er, baut, e, et, gen, hir, i, fa, le, li, na, na, ne, oc, Pan, pau, r, re, ro, s, sch, st, st, ter, th, wet, wu.
Aus vorstehenden Silben und Buchstaben sollen acht Wörter qe- bildet und derart untereinander gesetzt werden, daß die Anfangsbuchstaben, von oben nach unten, und die Endbuchstaben, von unten nach oben gelesen, den Namen eines beliebten Vogels ergeben. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter Folgendes:
1. Edles Wild. 2. Eine Waffe. 3. Des einen Leid, des andern Freud. 4. Aegyptische Stadt. 5. Fleischspeise. 6. Wohlschmeckende Frucht. 7. Katzenartiges Raubtier. . 8. Weiblichen Vornamen.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: Sanfter könnte wohl das Schicksal sein! Aber Dank auch seinen rauhen Griffen! Hell und herrlich glänzt der Edelstein Erst, wenn ihn des Meisters Hand geschliffen.
Frida Schanz,
»ebrftien: @. Burkhardt. — Truck und Berlag der vrühl'schen UmverßtitS.Buch. und Kteindruckerei (Pietsch Erben) in Gieße«.


