Ausgabe 
1.5.1900
 
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Sägespäne ab und wiederhole das Verfahren. Einige Zeit daraus entfernt man etwaige zurückgebliebene Flecken aus dem Teppich, die durch die Benzinreinigung nicht entfernt worden sind. Dasselbe Verfahren gilt auch bei der Naß­wäsche großer Teppiche; nur benutze man hierzu statt Benzin eine Sodaauflösung zur Befeuchtung der Säge- späne. Man sorge, daß die Walze nicht zu sehr auf- driicke und daß nicht eine Befeuchtung der Rückseite des Teppichs stattsindet. Kleine Teppiche frischt man sehr schön auf, wenn man sie nach dem Ausklopfen über einen kurz geschorenen feuchten Rasen zieht oder im Winter reinen Schnee darüber kehrt. Man nimmt nach dem Klopfen und Bürsten einen Eimer Regenwasser, fügt acht Eßlöffel Sal­miakgeist und fünf Eßlöffel Branntwein hinzu und reibt den Teppich strichweise damit mittels eines reinen Scheuer­tuches ab, welches man nicht zu fest ausdrückt. Für einen kleinen Teppich wird ein Eimer dieses Wassers genügen, für größere muß man das Wasser mehrere Male erneuern.

Mr die Küche.

Theekannen zu reinigen. Metallene Thee- rannen laufen häufig innen dunkelbraun an. In solche Kannen thut man ein Stück Soda, löst es mit kochendem Wasser auf und läßt |bie Lauge mehrere Stunden stehen. Dann scheuert man den Theetops mit der Sodalösung aus, spült mit kaltem Wasser nach und wird freudig gewahren, daß das Innere sich ebenso leuchtend blank präsentiert, wie das Aeußere.

Hecht mit Krebssauce. Ein großer Hecht wird ausgenommen, geschuppt gehäutet, mit Salz, Pfeffer und geriebener Muskatnuß bestreut, in ein passendes Gefäß gelegt und mit einem halben Liter Weißwein und dem Saft einiger Zitronen begossen. Man läßt den Hecht bis zum folgenden Tage in dieser Marinade liegen, wendet rhn während dieser Zeit oftmals um, und nimmt ihn erst eine Stunde vor dem Gebrauch heraus, gießt die Marinade einen Sieb, rührt von der Hälfte derselben und 70 Gramm Mehl, 80 Gramm Butter und fünf Eidottern einen dicklichen Brei, in welchem man den Fisch taucht. Alsdann bestreut man denselben mit geriebener Semmel und geriebenem Parmesankäse, brät ihn in reichlicher Butter unter fleißigem Begießen im Ofen gar, und giebt ihn nebst einer Krebssauce zu Tisch.

Vermischtes.

Ein Pariser Mäßigkeitsrestaurant. Der Kampf gegen den Alkoholismus hat in der französischen Hauptstadt zu einer Einrichtung geführt, die alles Lob verdient. In der Vorstadt St. Antoine ist ein Mäßigkeits­restaurant eröffnet worden, das von der Arbeiterbevölke­rung ches Viertels stark besucht wird. Dieser Versuch ist als ein Erfolg des letzten Kongresses des Alkoholismus an­zusehen, indem dort ein Pariser Arzt, Dr. Legrain, und dessen Frau eine Subskription auflegten, um zur Gründung eines solchen Lokals die nötigen Mittel zu beschaffen. Eine anonyme Zuwendung von 25 000 Francs gestattete die baldige Verwirklichung des Planes. Wie alles neue, so fordert auch die Anstalt die Kritik in mancher Beziehung heraus, aber der Erfolg des Unternehmens kann als sicher gelten. Das Restaurant gewährt seinen Besuchern ein an­genehmes Heim. Die Arbeiter finden dort Bücher, Zeit- ungen und Briefpapier, und können sich dort wohler fühlen, als in der gewöhnlichen Kneipe. Wer außer dem Hause Zerstreuung oder Anregung sucht, wird jenes bald andern vorzuziehen lernen. Dreimal am Tage werden Mahl­zeiten verabreicht und auch Getränke, wie Thee, Kaffee, Schokolade, Fruchtsäfte, sind den ganzen Tag zu haben. Absinth und ähnliche Getränke, die in ihren Folgen noch verhängnisvoller sind als Branntwein und Liqueure, sind ganz verpönt, jedoch sind Bier und Wein in mäßigen , Mengen zu haben, aber nur während der Mahlzeiten und nicht mehr als ein Viertelliter Wein und ein Glas Bier. Dieses Zugeständnis ist sehr vernünftig und wird mehr dazu beitragen, den Arbeiter von einer Neigung zum Alko- holismus zu befreien, als wenn ihm ein mäßiger Genuß von Wein und Bier ganz versagt werden würde. Die

Preise sind äußerst billig: Eine Portion Essen kostet 25 bis 40 Cents, ein Kaffee 15 Cents und ein Thee 15 Cents. Den Arbeitern jenes Viertels ist jetzt dadurch die Mög­lichkeit gegeben, sich auf gesunde, bequeme und billige Art zu ernähren, während sie früher mangelhaft und ungesund zu Mittag essen mußten. Schon aus diesem Grunde wird das Mäßigkeitsrestaurant zu einer wichtigen sozialen Molle berufen sein, und zwar besonders wegen der Schonung, mit der 'wegen die Abstinenz vorgegangen wird. Das gute Beispiel soll in erster Linie seine Wirkung üben, indem das Personal selbst der Hausordnung unterworfen ist.

Unerwartete Definition. Der Herr Oberst besucht die Instruktion des Herrn Leutnant, der gerade über die Pflichten des Soldaten spricht. Nach kurzer Zeit unterbricht er den Vortrag mit den Worten:Alles sehr schön, Herr Leutnant, aber ich vermisse die nötige Anschaulichkeit in Ihrem Vortrage; Sie müssen der teilweise geringen Ausfassungskraft der Leute ent» gegentömmen. Ich werde Ihnen zeigen, wie ich den Leuten z. B. anfangs den BegriffTreue" definieren würde.Nun, mein Ssthn", wendet sich der Oberst leutselig an einen nichts we­niger als intelligent ausseheuden Vaterlandsverteidiger,Du haft doch sicher einen Schatz?"Noch net> Herr Oberscht", entgegnet der Gefragte.Na, wird schon noch kommest", tröstet ddr Gestrenge,aber hier, Dein Nachbar hat sicher einen. Was würdest Du nun sagen, wenn dieser zu seinem Mädel die ganze Dienstzeit hindurch und auch später noch hielte und nie hinter anderen herliefe?" Ein verständnisvolles Grinsen ver- klärt die Züge des Gefragten, und prompt kommt die Antwort: 'Selbe muß arg guet koche, Herr Oberscht!"

Littercrrrsches.

Was wird man im Frühsommer tragen? Nach dem Sportheft, das solchen Anklang fand, daß die große Auflage nahezu vergriffen ist und nur noch in wenigen Buchhandlungen Exemplare zu finden sind, ist jetzt ein Heft derWiener Mo de erschienen, das die Frage der Sommermode in Wort und Bald beantwortet. Vier farbige und über siebzig Text- brlder zeigen, daß die Damenwelt alle Ursache hat, sich auf die geschmackvollen Modelle zu freuen, die ihnen die Mode vor­bereitet hat. Auch das Wiederauftauchen des Empirestils, das wir auf dem großen doppelseitigen Bilde bemerken, wird vielen Damen willkommen fein; ist doch die Tracht ebenso kleidsam als bequem. Hefte zu 45 Pfg. sind durch alle Buchhandlungen und Postanstalten oder direkt vom Verlag derWiener Mode"- Wien, IV., Wienstraße 19, zu beziehen.

Deutsch«» Soldatenhort", Illustrierte Zeitschrift für das deutsche Heer und Volk, Herausgeber: General-Leutnant z. D. H. v. Below. Preis pro Quartal 1,80 Mk. Verlag von Karl Siegismund, Hofbuchhändler, Berlin SW., Dessauerstraße 13. XI. Jahrgang, Nr 21, erschien soeben und enthält:

Zum 23. April 1900. Friedlicher Krieg und Waffenstillstand. Roman von Hans Hochfeldt. Der Kaiser und Prinz Heinrich auf derDeutschland". (Bildertext.) Ein Drama auf dem Ocean. Von Vice-Admiral Reinhold Werner. Die neue Feldhaubitze. (Mit Abbildungen.) Zum Wechsel des Kommandos des XII. (I. Kgl. Sächsischen Armee-Korps.) (Mit Porträts) Isidor, der Antike. Originalhumoreske von Josef Maertl. Scene aus einem Burenlager. (Blldertext.) Urteil eines russischen Offiziers über die Buren. Aus dem Russischen übersetzt von Leutnant Schüler. Der Kampf Englands gegen die holländischen Bauern-Republiken in Südafrika. Von Major z. D. Scheibert. (Mit Karte,) Vaterländische. Gedenktage. Neue Bucher. Vermischtes. Splitter und Funken. Rätsel. Brief­kasten. Inserate.

Bilderrätsel.

(Nachbildung verboten).

Auflösung in nächster Nummer.

«ebaltion: «. Burkhardt. »ruck und «erlag der Brüchl'schen Universitäts-Buch. und Äteindruckerei (Pietsch Erben) in Gieße»,