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Hand die ersten Erfolge entgegennehmen würde, beschäftigte Nettchens Phantasie in unzähligen Bildern.
Die "Bor- und Nachmittage wurden ihr nicht lang, und die Abende, an denen es stiller wurde, die Thür- glocke nur noch selten klingelte, und die weißblaugoldenen Schubfächer mit den blitzenden Metallknöpfen geheimnisvoll geschlossen blieben, gehörten dem Gedankenaustausch.
(Fortsetzung folgt.)
Einiges über den schwarzgrauen Fliegenschnäpper.
Beregter Schnäpper, der auch den Namen Fliegenfänger führt, gehört zu den Wandervögeln. Er kommt erst Mitte April von seiner weiten Reise aus dem Innern Afrikas zu uns nach Deutschland zurück. Das Gefieder unseres Schnäppers ist auf dem Rücken dunkelgrau bis schwarz; am Bauche ist er weist oder schmutzig-weiß, der Schwanz und die Schwungfedern sind schwarz. Die Weibchen und die Jungen, die sie in wahrhaft rührender Weise zu hegen, zu pflegen und zu schützen suchen, sind oben braungrau und unten schmutzig weiß. Aus dem Namen des schwarzgrauen Fliegenschnäppers kann man schon schließen, daß er besonders Fliegen vernichtet; außerdem verzehrt er aber bei seiner großen Gefräßigkeit noch sonstiges fliegendes schädliches Geschmeiß, wie Mücken, Fliegen, Motten, Schmetterlinge, vorzugsweise die kleineren Spanner und Wickler, Bremsen u. a. Alles wird von den Fliegenschnäppern während des Fluges aufgeschnappt, selbst Tiere, die sich in Rühe an einem Orte befindens, werden von denselben erst aufgescheucht und dann im Fluge verzehrt. Das kunstlose Nest, das unser Fliegenschnäpper auch gerne in aufgehängte Nistkästchen baut, besteht aus Wurzelfasern, Moos, Federn und Pserdehaaren. Die Zahl der rostigbefleckten Eier beträgt 5—6 Stück, die vom Weibchen und Männchen sorgfältig abwechselnd bebrütet werden. Da die Fliegenfänger am liebsten Obstgärten, lichte Vorhölzer und Waldungen zu ihren Wohnplätzen wählen, so ist wohl mit Recht daraus zu schließen, daß an diesen Plätzen ihre nutzbringende Thätigkeit hauptsächlich zur Geltung kommt. Die Menschen haben darum gewiß Ursache, diese Vögel durch Aufhängen von Nistkästen zu hegen und herbeizulocken. Schließlich bitte ich nun noch meine verehrten Herren Kollegen, den Fliegenschnäpper ihren Schulkindern klar vor die Augen zu stellen, und ihnen die große Nützlichkeit desselben zum Bewußtsein zu bringen.
Gießen, im April 1900.
H. Curschmann.
Der verblüffte Zeuge.
Nachdruck verbotet
Der Herr Rechtsanwalt stellte ein scharfes Kreuzverhör mit den Zeugen an. In dem Bestreben, alles mögliche zu thun, um sie zu verwirren, verlangte er plötzlich, sie sollten „lauter sprechen".
Der Letztaufgerufene beschloß, den Rechtsanwalt beim Wort zu nehmen; er antwortete auf die erste ihm gestellte Frage, wie er heiße, mit lautschallender Stimme: „John Brown, Herr-r-r-r!"
„Ich vermute, Sie haben heute morgen getrunken?" fragte der Rechtsanwalt streng.
„Ja, Herr-r-r-r", antwortete der Zeuge noch lauter.
„Das dachte ich mir", sagte der Rechtsanwalt triumphierend. „Was haben Sie getrunken?"
„Kaffee, Herr-r-r-r", schrie der Zeuge.
Ein Gelächter aus dem Zuhörerraum brachte den Anwalt eine zeitlang außer Fassung; als sich die Heiterkeit gelegt hatte, fragte er:
„Ich vermute, Sie hatten noch ein bischen was anderes in Ihrem Kaffee, nicht wahr?"
„Ja, Herr-r-r-r", war die Antwort.
„Ah, nun kommen wir zur Sache!" sagte der Anwalt triumphierend zu den Geschworenen. „Nun, mein Guter, fürchten Sie sich nicht, sondern erzählen Sie den Geschworenen offen, was Sie in Ihrem Kaffee hatten."
Der Zeuge füllte seine Lungen für eine füMtertMe Anstrengung und donnerte:
„Einen Löffel, Herrrrr."
Die Richter, die Geschworenen und die Zuhörer bogen sich vor Lachen, und der quälerische Anchalt verlor fein« Fall. _____________
Alles ist eitel!
NaKwuck verboten.
Sonne und Mond gerieten in heftigen Streit, wer von ihnen die größeren Vorzüge besäße; denn die Verehrung der Menschen hatte sie eitel gemacht. Die Sonne aber blieb nicht bei der Sache und rief: „Die Dichter sind Narren; denn nur Narren können dein Grinsen ein freundliches Lachen nennen." Da schrie der Mond: „Wie, du nichtswürdiges Weib, du willst dich über mein Gesicht lustig machen! Stierst du nicht die Menschen an, daß sie deinen Blick nicht ertragen können?"
Jetzt fühlte sich die Sonne aufs tiefste verletzt; sie zog sich zurück und wollte nicht mehr leuchten. Der Mond aber, den es bitter kränkte, daß sein faules Weib gar nichts mehr thun wollte, befahl den Sternen, alle Fackeln auszulöschen, und legte sich schlafen.
Finster war es aus dem ganzen Erdenrund. Da begannen die Menschen fürchterlich zu jammern; denn sie rannten sich gegenseitig die Köpfe ein und konnten nicht Speise noch Trank finden, noch auch: die notwendigsten Arbeiten verrichten.
Der Mond erwachte, und als er das Elend der Menschen sah, rührte es ihn tief; denn er hatte im Grunde kein schlechtes Herz. Er ging zu seiner Frau und» bat höflich: „Liebe Sonne, leuchte doch wieder, damit der Jammer da unten ein Ende nimmt." Die Sonne aber blieb gefühllos und lachte den demütig Bittenden aus.
„Sn allen liebeln ist die. Eitelkeit der Weiber schuld", sagte der Mond, feinen Aerger hinunterschluckend. „Doch es ist gut! Du sollst Ruhe haben. Ich aber will kein Auge zuthun und den Menschen Tag und Nacht erhellen."
„Nein, nein!" rief jetzt schnell die eitle Sonne; denn sie fürchtete, der Mond werde sich durch seine Liebenswürdigkeit allein die Verehrung der ganzen Welt erwerben, „du möchtest wohl gern allein regieren. Mach' nur, daß du wieder an deine Arbeit kommst, und laß mich die meinige verrich'ten."
GenreßMiMtziges»
Ein Vorteil bei Flickarbe it. Für die Hau<- frau, die genötigt ist, Herrenlleider selbst auszubessern, ist es oft schwer, die Nähte der eingesetzten Stückchen glatt zu bringen. Selbst der Bügelstahl thut oft die erwartete Schuldigkeit nicht. x Man schiebe daher unter die Naht ein kleines Brett, lege ein sehr nasses Tuch auf die Naht und bügle mit einem recht heißen Bügeleisen darauf. Rach dieser Behandlung wird die Naht unsichtbar sein.
Gedrückten grau gewordenen Sammet wieder au fzu frisch en. Man legt ein nasses Tuch um ein heißes Bügeleisen, um Dampf zu entwickeln, lieber diesen Dampf zieht man den Sammet langsam hin und her, bis die Fasern an der Druckstelle sich wieder aufrichten. Alsdann läßt man den Sammet beinahe trocken werden und hält jhn, lwenn dies geschehen,, entweder zu Zweien recht stramm, oder spannt ihn auf einen Holzrahmen; hieraus wird ein weiches Läppchen in Petroleum getaucht, und der gespannte Sammet aus der rechten Seite mit demselben leicht bestrichen. Ist das Petroleum verdunstet, und sein übler Geruch in der frischen Luft verschwunden, so ist der Sammet wie neu.
FürdieReinigung von Teppichen empfiehlt man folgendes Verfahren: Nachdem die Teppiche gut ausgeklopft und gebürstet sind, tränkt man Sägespäne mit Benzin und reibt damit den Teppich so lange ab, bis die Sägespäne rein bleiben. Große Teppiche bestreut man 1 Zentimeter hoch mit Sägespänen, die mit Benzin getränkt, und genügend feucht sind, um sich streuen zu lassen. Mit Walzen, ähnlich wie Gartenwalzen, walze man den Teppich Strick für Strich ab. Dann kehre man die


