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ehe sie es wußte, war sie in der lebhaftesten Unterhaltung mit ihm. Die alte Dame nickte nur immer strahlend, und Lina warf hier und da einen überlegenen Brocken hinein.
Eine große Pastoralkonferenz hatte den geistlichen Herrn in die Nähe von L. geführt und einem lang versprochenen Besuch bei der Mutter zur Ausführung verhalfen.
Auf der Rückseite wollte er ebenfalls wieder vorsprechen. Renaten siel es auf, daß er sie während des Gespräches öfter scharf fixierte und dann wie sinnend vor sich hinbltckte.
Als Renata an diesem Abend spät ihr Lager aufsuchte, fühlte sie erst, wie müde sie war, und die Natur siegte über alle Herzensnot, so daß sie recht tief und fest schlief.
„Wenn ich nur wüßte, an wen mich diese junge Dame erinnert," sagte Pastor Nolte noch am selben Abend zu seiner Mutter, „mir ist immer, als müßte ich mich dabei auf eine Begebenheit aus meiner Jugend besinnen."
„Ist mir auch schon so gegangen," erwiderte die kleine Dame, „aber in meinem Alter hat man schon zu viel Menschen gesehen."
„Renata Wendelin," sprach der Pastor nachdenklich vor sich hin, „na, heute find' ich's doch nicht mehr, gute Nacht, Mütterchen." (Fortsetzung folgt.)
Gein-inirNtzigeO.
Fremdkörper im Auge. Während des Radfahrens geraten häufig kleine Körper, Staubpartikelchen, kleine Insekten u. s. w. in das Auge und verursachen zuweilen heftige Schmerzen und als weitere Folgen nicht unbedenkliche Entzündungen. Wo man dieser Gefahr ersichtlich ausgesetzt ist, besonders bei Gegenwind, ferner um die Nachmtttagstunden in der Nähe von Gewässern, wo Mücken schwärmen, empfiehlt es sich, einen Schleier zu tragen, der noch den Hals bedeckt. Gilt es einen in das Auge geürungenen Körper zu entfernen, so versuche man keinesfalls, dies durch Reiben zu erreichen/ in bett meisten Fällen genügt es, das Auge zu schließen, nach einiger Zeit wird man den Gegenstand in den Winkeln der Lider verspüren, von wo er sich leicht entfernen läßt.
Uever den Nährwert der Nüsse macht Kellog (Mod. Med. Nr 11, 1897) sehr interessante Angaben. Danach gehören die Nüsse seit undenklichen Zeiten zu den wichtigsten Nahrungsmitteln vieler Naturvölker, während sie in den Kulturländern ziemlich vernachlässigt werden. Und dennoch ist der Nährwert der Nüsse (Wallnüsse, Haselnüsse, süße Mandeln) ein sehr hoher und beruht hauptsächlich in dem Gehalte an Eiweiß-Substanzen und Fett, und zwar so, daß der Nährgehalt der Nüsse den der besten Beefsteaks dreimal übersteigt. Allerdings ist die Nuß für viele schwer verdaulich, und empfiehlt es sich darum, die Nuß zu reiben oder zu mahlen und mit Weizenmehl zu Kuchen uns Cakes zu verbacken oder mit wenig Wasser ein vorzügliches Nuß-Püree zu bereiten. Auch auf das Nußbrot, wie es eine Firma in Braunschweig abgiebt, sei hier hingewissen, da sich dasselbe vortrefflich bewährt hat.
Mr die Küche.
Die Füllung der Bratgans ist je nach dem in den einzelnen Gegenden bestehendem Gebrauche wohl eine verschiedene. Während z. B. in Norddeutschland Aepfel mit einer Beigabe von Thymian dazu gewählt werden, ist in den Rheingegenden die Füllung mit Kastanien beliebter. Bei der Gewinnung des in vielfacher Weise verwendbaren Schmalzes macht man wohl in der Behandlung des Bauch- und des Darmfettes insofern einen Unterschied, als man bet dem Ausbraten des ersteren dasselbe nicht wässert und auch Zusätze von Aepfeln und gewürzigen Küchenkräutern vermeidet, um den feinen natürlichen Geschmack des Schmalzes voll und rein zu erhalten. DaS Darmfett wird dagegen behufs Beseitigung jedes unangenehmen Nebengeschmackes während etwa drei Tagen in öfter zu erneuerndes Wasser gelegt, und, nachdem es dann zum AuSbraten eine Zeit lang gekocht hat,
werden Thymian, Zwiebeln und Aepfel, aus denen das Kerngehäuse entfernt ist, hinzugethan. Sobald letztere weich gekocht sind, nimmt man sie wieder heraus. Das Schmalz läßt man unter beständigem Umrühren nur so lange braten, bis die Grieben anfangen, sich hellbraun zu färben, die dann vermittelst eines Durchschlages entfernt werden und im Gemenge mit gebratenen Aepseln auch noch eine angenehme Speise zu Pellkartoffeln geben. Das sehr wohlschmeckende Schmalz ist nicht nur zum Bestreichen des Brotes als Ersatz für Butter, sondern auch zu vielerlei Fleischgerichten und Gebäck, insbesondere zu Pfannkuchen und Aepfelschnitten sehr verwendbar, und wenn es so bereitet und gereinigt wird, daß es dünnflüssig bleibt, in welchen Zustande es das einzige tierische Fett ist, das durch Einwirkung des Frostes erstarrt, auch zum Ersätze des Olivenöles und gtebt dann namentlich einen ausgezeichneten Kartoffelsalat.
Ragout von Krammetsvögel«. 10 Personen. Bereitungszeit 3/4 Stunden. Zuthaten: 12 Krammetsvögel, 100 Gramm würflich geschnittener Speck, 30 Gramm Butter, 300 Gramm geputzte, scheibig geschnittene Champignons, 30 Gramm Mehl, y2 Liter siedend gemachter Weißwein, 15 Gramm Liebtg's Fleisch-Extrakt, ein Prise Pfeffer, Salz nach Geschmack, Petersilie. Der Speck wird in der zerlassenen Butter gelblich gebräunt, dann thut man die gerupften, gesengten, sauber abgeriebenen, aber nicht ausgenommenen Krammetsvögel hinzu, bestreut sie mit Salz, dünstet sie gut zugedeckt 10 Minuten, bestäubt sie mit dem Mehl, gibt die Champignons, das aufgelöste Liebig's Fleisch-Extrakt nebst dem Wein dazu, schwenkt das Ragout mehrmals um, kocht es noch einige Minuten und giebt es mit einem Theelöffel gehackter Petersilie verrührt, mit dem Pfeffer abgeschmeckt, auf die Tafel.
Cardi au gratin, 10 Personen. Bereitungszeit 4 Stunden. Zuthaten: 5—6 Carden, i/2 Liter Bouillon aus Liebig's Fleisch Extrakt, 50 Gramm Butter 40 Gramm Mehl, 125 Gramm geriebener Parmesan-Käse, Saft von 1—2 Citronen, Pfeffer und Salz nach Geschmack, geriebene Semmel. Man schneidet die gebleichten, weißen Blattrippen in fingerlange Stücke, entfernt die Stacheln, setzt sie mit kaltem Wasser auf's Feuer, kocht sie eine halbe Stunde, kühlt sie in kaltem Wasser und reibt mit einem Tuch die äußere, faserige Haut ab. Hierauf mit der Brühe aus Liebig's Fleisch-Extrakt auf's Feuer gebracht, müssen die Carden in dieser weich dünsten und werden mit Citronensaft, Salz und wenig Pfeffer abgeschmeckt. Ist dies geschehen, nimmt man sie aus dem Fond, der mit Butter und Mehl, beides zu- sammcngeknetet, zu einer semigen Sauce verkocht wird. Das Gemüse legt man in eine etwas tiefe, mit Butter ausge- strtchene Schüssel, die Ofenhttze verträgt, es schichtweise mit dem Käse bestreuend, übergießt es mit der Sauce, streut geriebene Semmel über, setzt kleine Butterstückchen auf und läßt das gratin eine Viertelstunde im Ofen backen und sich bräunen.
Vermischtes.
Den Frauen unserer Zeit legt ein französisches Blatt die folgenden Frauenrechte ans Herz und bittet sie, dieselben sorgfältig zu hüten: Die Frau hat das Recht zu arbeiten, zu lieben und zu beten. Sie hat das Recht zu wachen, während die andern schlafen. Sie hat das Recht, fließende Thränen zu trocknen, Traurige zu trösten, ängstliche Gemüter zu beruhigen. Sie hat bas Recht, bunkle Stirnen aufzuheitern uttb Sorgenwolken von bett Angesichtern zu vertreiben. Sie hat das Recht, bet dem Sterbenden zu wachen, ihn zu lehren, seine Schmerzen mit Geduld zu ertragen, und, wenn alle irdischen Hoffnungen vernichtet sind, ihm eine ewige, himmlische Hoffnung zu erwecken. Sie hat das Recht, diejenigen auf den Pfad der Tugend zurückzusühren, die sich davon verirrt haben. Sie hat das Recht, den Witwen und


