Dienstag dm 8t Oktober
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fas Leben ist eine freie Kunst.
Wer sie nach Regeln will betreiben, Wird meist ein trauriger Stümper bleiben Und nie gewinnen Meistergnnst. Heyse.
Wer nicht vorwärts strebt, dem ist es nicht Ernst mit sich selber.
Nachdruck verboten.
Der Gylsenhos.
Eine Erzählung von P. Ditsurth.
(Fortsetzung.)
Renata wurde von Frau Falkner und Anna Burghoff in Fridas Zimmer mit trockenen Kleidern versehen.
In grenzenloser Ermattung saß sie alsdann in einem großen Lehnstuhl und hatte nur den einen Wunsch, jetzt einschlafen zu dürfen.
Frau Falkner stand am Fenster und lauschte in die Nacht hinaus, ob man den Vater brächte.
Die Gäste nahmen still und schnell Abschied von Frida, die ihre Mutter vertreten mußte, und bald standen die Gemächer, darin noch vor kurzem so viel Fröhlichkeit geherrscht, öde und leer.
Frida kam in ihr Zimmer zu den anderen Frauen. Ihr hübsches Gesicht war blaß und abgespannt, und ihre blauen Augen hatten einen sonderbaren, starren, müden Blick.
Es sprach niemand ein Wort, selbst die lebhafte Anna saß in sich gekehrt da.
Endlich hörte man ein Geräusch an der Gartenpforte und sah das unruhig zuckende Licht einiger Laternen.
Charlotte legte einen Moment die gefalteten Hände vor die Augen und atmete tief, dann ging sie hinaus.
Schwere Schritte wurden auf dem Gange laut, und dazwischen hörte man murmelnde Stimmen. Die treuen Helfer trugen den alten Mann in sein Zimmer und entfernten sich dann mit dem heißen Danke der Hausfrau.
Anna Burghoff ging mit ihnen, und nun waren die beiden Mädchen allein.
Renatens Augen ruhten auf Frida, wie sie mit geschloffenen Lidern unbeweglich dasaß.
Draußen rauschte unaufhörlich der Regen nieder, nur dann und wann drang ein Geräusch aus des Konsuls Zimmer.
Warum sah und fragte Frida nicht ein einzig Mal nach dem Großvater?
Es kam jemand eilig den Korridor entlang, es war wohl der Arzt, sein Schritt verhallte mit dem Schließen der Thüre drüben.
Renata hätte so gern gewußt, wie es mit dem alten Manne stand, und sie erhob sich jetzt, um vielleicht jemand draußen zu erspähen, da öffnete sich die Thüre und der Professor trat herein.
»Ich muß Sie sehen, Renata", sagte er mit bewegter Stimme, »ich habe mich so sehr um Sie geängstigt." Er faßte ihre beiden Hände und sah ihr mit warmer Herzlichkeit in das bleiche Gesicht. „Sie müssen diesen Abend Ruhe haben, es war zu viel," setzte er mit leiser Stimme hinzu.
„Es wird mir nicht schaden, ich bin nur sehr müde," erwiderte sie und ließ den Kopf sinken.
Ein Zug tiefen Mitgefühls flog über sein Gesicht, aber sie sah es nicht. Sie ließ sich wieder auf den Sessel nieder und fragte nach dem Konsul.
Wolfram warf einen Blick auf seine Nichte, die jetzt doch etwas Aufmerksamkeit zeigte.
„Es war ein hartes Stück, meinen armen, wild aufgeregten Vater zu halten, und ich dankte Gott, als ich ihn aus der Nähe des Wassers fortgebracht hatte. Er schlug jedoch so um sich, daß ich mit ihm stürzte, und wie der Arzt fürchtet, hat er eine Gehirnerschütterung davongetragen. Sie müssen trotz Ihrer Ermüdung schnell gegangen sein, obgleich mir die Minuten zu Ewigkeiten würden."
„Sie haben sich doch nicht geschadet bei dem Falle, Herr Professor?" fragte das junge Mädchen.
„Daran denken Sie auch?" sagte er, und ein lichter Schein flog über sein Gesicht.
„Gewiß," entgegnete sie mit milder Freundlichkeit.
„Aber nun gehen Sie zur Ruhe," sagte der Professor, „Sie bleiben selbstverständlich hier."
„Es war von vornherein so bestimmt," bemerkte Renata.
„Um so besser,- Frida, sorge für Renata," wandte er sich an das stumme Mädchen, das noch immer in seinem ballmäßigen Putze regungslos da saß.
Sie fuhr bei der etwas strengen Anrede empor und sah ihren Onkel mit scheuem Trotze an. „Ich kann nicht," murmelte sie und legte den blonden Kopf in die Hände.
Ein kurzer, aber schwerer Kampf ging in Renatens Seele vor, die fest zusammengepreßten Lippen gaben davon Zeugnis. „Lassen Sie Frida, Herr Profeffor," sagte sie milde, aber ihre Stimme klang wie angestrengt. „Sie ist wohl sehr erschreckt über das traurige Ende dieses so schön begonnenen Tages."


