495

war die Aussicht auf eine Vereinigung mit der Geliebten, war die Hoffnung, sie den Banden der Dienstbarkeit zu ent­reißen und ihr ein bescheidenes, aber freies Dasein an seiner Seite zu bereiten. Er fragte sich, ob es unter diesen Um­ständen nicht seine Schuldigkeit sei, Felicitas ihr Wort zurück­zugeben, damit sie ohne jede Rücksicht auf ihn über ihre Hand verfügen könne; einem Mädchen wie sie konnte es ja an einer guten Partie nicht fehlen, sobald sie nur einem geeigneten Bewerber ihre Hand reichen wollte, und, wie er erfahren, sollte ein solcher sich sogar bereits gefunden haben.

(Fortsetzung folgt.)

Cakes.

Von Fred Hood.

------- (Nachdruck verboten.)

Die Cakes, welche sich heut ihres hohen Nährwertes, ihres verhältnismäßig geringen Preises und ihrer leichten Konservierung wegen in allen Volksschichten einer hohen Wert­schätzung erfreuen, haben, wie schon ihr Name verrät, auf englischem Boden das Licht der Welt erblickt. Aber in England werden diese kleinen, trockenen Backprodukte nicht als Cakes, sondern als Bisquits bezeichnet, währendCake" nichts mehr und nichts minder alsKuchen" bedeutet. Diese Bezeichnung findet dort nur auf Backwaren größeren Umfangs Anwendung. Thatsächlich ist das WortBisquit" (zweimal Gebackenes oderZwieback") weit treffender, denn es erinnert uns an die ursprünglich angewandte Technik. Wenn ich trotz­dem in meinen Ausführungen nicht von englischen Bisquits, sondern ständig von Cakes spreche, so geschieht es, weil uns dieser Ausdruck weit geläufiger ist, und man in Deutschland alsBisquit" auch die verschiedensten Backwaren von wesentlich anderer Beschaffenheit bezeichnet.

Anfangs wurden die Cakes in höchst primitiver Weise erzeugt. Ein aus Mehl und Wasser bereiteter Teig wurde zu großen Blättern ausgerollt und aus diesem durch Hitze alle Feuchtigkeit ausgetrteben. Dabei wurde das sonderbare Gebäck, das dem ungesäuerten Brot der Juden an Konsistenz ähnlich war, so trocken, daß es ein bis zwei Jahre aufbe­wahrt werden konnte, ohne zu verderben. Das ist nun gerade der Vorzug der Cakes, welche man deshalb auch zu den Konserven zu rechnen pflegt. Um sie nun so trocken als möglich zu bekommen, begnügte man sich nicht mit dem ein­maligen Backprozeß, sondern röstete sie zwei oder dreimal über dem Feuer. Dabei wurden sie häufig so hart, daß man sie mit dem Hammer oder Beil spalten mußte, um sie überhaupt genießen zu können. Selbst die im Mehl ent­haltene Feuchtigkeit wurde durch diesen radikalen Prozeß mit zum Verdunsten gebracht, so daß man die sonderbare That- sache konstatieren konnte, daß zehn Pfund Mehl kaum neun Pfund Cakes ergaben.

Im Grunde war es ein recht trauriges, nüchternes Produkt, das jedenfalls nicht zu den Leckerbissen gezählt werden konnte. Aber aus jenen bescheidenen Anfängen hat sich eine riesige Industrie entwickelt, und die moderne Fein­bäckerei bringt nun eine ungeheure Fülle schmackhaften Gebäcks in den Handel, welches gleichsam^ aus den steinharten Cakes jener entschwundenen Epoche hervorgegangen ist. Indem man kleine, handliche Formen schuf und jeder Geschmacksrichtung Rechnung trug, hat man diesen kleinen Kuchen den Welt­markt erobert.

Einige Firmen in England und Schottland, welche über weit ausgedehnte Etablissements verfügen, haben einen Welt­ruf erlangt. Es sind dies Huntleh & Palmer in Reading, Peak, Frean & Co. in London, Middlemas L Son in Edinburgh, Carr & Co. in Carlisle, Cray, Dünn & Co. in Glasgow und andere mehr. Das Verdienst, diese Industrie in Deutsch­land eingeführt und sie zu einer großen Bedeutung emporge­hoben zu haben, gebührt A. H. Langenese in Hamburg. Dieser Fabrikant fing 1861 ganz bescheiden an, aber die

»

inzwischen stattlich angewachsene Fabrik versendet jetzt jährlich Cakes und Bisquits im Werte von zirka 300,000 Maik.

Es ist fast unglaublich, welch ungeheure Mengen Cakes aus den großen englischen Fabriken hervorgehen, und von welch großer Mannigfaltigkeit diese Erzeugnisse sind. Eins dieser weltberühmten Etablissements fertigt heut nicht weniger als vierhundert verschiedene Arten. Ein solches Etabliffement beschäftigt aber auch Tausende von Arbeitern und setzt hunderte mit Dampf oder Elektrizität betriebene Maschinen in Be­wegung. Die Maschinen wägen und mischen das Material, kneten und rollen den Teig, schneiden und stanzen aus den großen, glänzend weißen Blättern die Formen, besorgen den Backprozeß und schließlich auch das Verpacken des fertigen Produktes und das alles fast ohne jede Mitwirkung der Menschenhand. Und dennoch ist eine so große Zahl von Arbeitern erforderlich, um das nötige Material herbeizu­schaffen, die Maschinen zu speisen oder auch das Produkt en großen, auf Schienen rollenden Karren von einem Fabrik­raum nach dem andern zu befördern. Dazu kommt eine große Zahl von Leuten, welche mit der Wartung, Regelung und Reparatur der Maschinen betraut find. Es leuchtet ein, daß bei der großen Ausdehnung des Betriebes solch eiw Etablissement auch seine eigenen Telephon- und Telegraphen­anlagen, seine eigene Industriebahn, Sägemühlen, Kisten- und Emballagefabriken, endlich auch seine besondere Druckerei und graphische Anstalt zur Herstellung der Preislisten, Plakate usw. besitzt, in welchen wir wieder Hunderte von Arbeitern be­schäftigt finden.

Die Fabrikanten haben längst herausgefunden, daß sie zu besonders schmackhaften Produkten gelangen, wenn sie das Mehl verschiedener Sorten mischen/ das geschieht in riesigen, mit Rührarmen versehenen Zylindern, die durch Dampskrast in Rotation versetzt werden. Das Mehl für feinere Erzeug­nisse wird natürlich auchgebeutelt". Lie Beutelwerke dieser englischen Etabliffements bestehen in der Regel aus mehreren schräg gestellten Zylindern von etwa sechs Meter Länge und 80 Zentimeter Durchmeffer. Die Zylindermäntel sind aus einem leichten Holz- und Eisengerippe gebildet, über welches ein feines Drahtgewebe oder Seidengaze gespannt ist. Das Mahlgut passiert die schräg gestellten Zylinder, während diese in Rotation gesetzt und gleichzeitig durch mechanische Klopfer erschüttert werden. Das feine Mehl fällt hierbei durch die Maschen des Zylindermantels, während die groben Bestand­teile das Beutelwerk am unteren Ende verlassen. Je nach der Maschenweite dieser Stebwände kann man natürlich ein gröberes oder feineres Produkt erzielen und jedes gesondert in entsprechenden Behältern aufsaugen.

Es wäre interessant, zu ermitteln, wie viele Erfindet ihre ganze Gelehrsamkeit und ihren Mutterwitz darauf ver­wandt haben, diesen kleinen Kuchen eine gefällige Form und einen angenehmen Geschmack zu verleihen/ denn man arbeitet in dieser Industrie mit Maschinen, die man nahezu als voll­kommen bezeichnen möchte. Da giebt es sinnreiche Maschinen, welche das Einschlagen der Eier besorgen, Maschinen, die die Eier mit Milch und Butter mischen, mit Syrup, Korinthen, Rosinen, Zucker und allen möglichen Gewürzen zusammen­rühren, wie es gerade die zu bereitenden Cakes verlangen- Dann muß das erzeugte Produkt auch tüchtig durchgeknetet werden. > Das geschieht in einer Maschine, in welcher der Teig zwischen zahlreichen Walzen und Rollen hindurchgeführt und dann wieder zur Abwechselung von eigenartigen Vor­richtungen bearbeitet wird, die wie kräftige MenschenfäustL auf die zähe Materie wirken. So wird der Teig geknetet, gequetscht, gerollt, geschlagen, auseinandergerissen und wieder zusammengepreßt, bis er zu einer völlig gleichmäßigen ge­fügigen Masse geworden. Ein Wagen rollt heran, um sie nach einer neuen rasselnden Maschine zu befördern, die einer Rotationsmaschine ähnlich ist.

Der Teig wird an einem Ende htneingethan, läuft zwischen großen, glatten Holzrollen hindurch, die ihn zu breiten, glänzenden Blättern auswalzen, welche gerade die