Ausgabe 
31.1.1899
 
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Vegetabilien leben, wird neben dem Reis stets noch Kari genoffen, ein Gericht aus Fleisch, Fisch und Gemüsen, mit Reis vermischt, und mit sehr wenig Wasser gekocht.

Die Berdaulichkeit -er Eier längt davon ab, ob man sie frisch, weich- oder bartgekocht genießt. Im Magen gerinnen nämlich die Eiweißstoffe der (Ster, ädnlich wte der Käsestoff der Milch, und müssen dann durch den Magensast wieder aufgelöst werden. Je fester die Eier durch die Be-

reitung geworden sind, desto schwieriger geht die Auslösung bezw. der Verdauungsprozeß vor sich. Ungekochtes Ei ist am leichtesten zu verdauen und schon nach 1 bis P/g Stunde aus dem Magen entfernt. Schon etwas schwerer (in 2 dir p/j Stunden) ist weich gekochtes Ei zu verdauen und sehr scbwer (in 37g Stunden) hartgekochtes, zumal wenn es nicht tüchtig zerkaut wird. Das hartgekochte Weiße ist noch viel se, baulicher, als der harte Dotter.

Echt oder Anecht. (Modeplauderei.)

Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmanufaktur, Dresden-^. Reichhaltiges Modenalbum und Schnittmusterbnch zum Preise von 50 Pfg. daselbst erhältlich.

Manche unserer werten Leserinnen wird nach dieser Ueberschrist glauben, wir würden eine Abhandlung über das Tragen unechten Schmuckes bringen! Unsere Aufmerlsamkeit gilt indessen nur den .Kleiderformen"; denn gerade im Zuschnitt und in der Bearbeituna des Kleides, je nachdem, ob echt oder unecht, liegt fast aus­nahmslos das Geheimnis einer chiken Toilette.

Wenn nun zwar die Mode, so­bald es wirkliche Eleganz gilt, auch ausnahmslos nur für das Echte in­kliniert, so kommen doch sihr oft, und fast immer zum Schaden des betreffenden Kleidungsstückes Imi­tationen vor und zwar auch dort, wo es manchmal nicht nötig u äre

Greisen wir die erste beste Mode­form heraus, z. B. die Jäckchen- mode. Wie kleidsam waren doch die kürzeren oder längeren Bolerojäckchen und wie wurde diese Form oft durch die Nachahmung entstellt. Anstalt ein wirkliches Jäckchen mit darunter zu tragender Blouse zu machen, wurde eine einfache Taille, womöglich im Rücken mitSchneppe ge'chnitten, und auf die Vorderteile wurden ein paar Jäckchenteile und ein Einsatz gesetzt. Oft wurden die Jäckchenteile auch nur durch Spitze oder eine andere Art von Besatz markiert. Daß diese Art der Garn tur keines- fallsschön war, sand man ja schließlich nach und nach selbst heraus, denn

als sich diese Jäckchenmode mehr und mehr vervollkommnete, verwandte man auch die größte Sorgfalt auf den Schnitt unv erzielte auch in der That den schönsten Erfolg damit, sodaß noch jetzt die Jäckchen sehr viel für die Straße getragen werden, aller­dings eben nur echt.

Eine andere Form, welche sehr viel verstümmelt und imitiert wird, sind die Revers Was ist im Grunde genommen ein Revers anderes als ein Umschlag, welcher das abstechende Futter des Klei­dungsstückes zeigen soll und wie selten läßt sich diese Grunvidee erkennen. Anstatt das Revers dem betrlffenden Taillenteil in geschmackvoller Form direkt anzuschneiden, wird es meist in ganz unmöglichen Formen zugeschnitten und beliebig aufgesetzt, ohne im geringsten zu bedenken, ob ein Umschlag an eben dieser Stelle möglich ist oder nicht. Es ist dies ja nur eine Kleinigkeit, doch er­kennt man daran unbedingt den unge­bildeten Geschmack.

Um mehr aus aktuelle Modeformen zu sprechen zu kommen, so erwähnen wir zunächst den Dolantrock. Diese Mode­form ist ja unstreitig eine etwas extra­vagante Form, aber wem sie nicht ein­fach genug ist, nun, der trage sie eben nicht. Doch nein. Der Stoff soll nicht zerschnitten werden, und doch null man die neueste Mode mitmachen, folglich imitieren wir den Volantrock. Es wnd

dazu ein beliebiger Besatz dem Rock so aufgesetzt, als wenn er die An­satznaht des Volants decken sollte, und dabei bedenkt man garnicht, daß diese Täuschung durchaus nicht ihren Zweck erfüllt, denn die Haupt-

sckönheit des Volantrockes ist ja nur der durch den Rundschnitt des- Volants erzeugte eigenartig elegante Fall, und der wird durch den Besatz gewiß nicht hervorgebracht.

Der neu auftauchenden Tunika wird es gewiß nicht besser ergehen, denn schon jetzt sieht man vielfach Imitationen, deren Zweck eigentlich wenig einlrucbtend ist. Warum soll man die Tunika nicht tragen, wenn sie einem gefällt? Der einzige Grund liegt entweder darin, daß man nicht versteht, sie herzustellen, oder daß man den Stoss dafür sparen will. Beides sind aber deshalb noch lange keine stichhaltigen Gründe, denn in beiden Fällen würde eine einfache Form, gut ausgesührt, un­gleich nobler und eleganter wirken, denn das eben ist das Geheimnis der großen Modehäuser, daß sie jede Modeform, sei sie noch so schwierig, oder noch so einfach, wirklich und konsequent durchführen bis ins kleinste Detail.

Diese Konsequenz wird wohl ganz besonders bei der neuesten Mode der Urberkleider zur Geltung kommen. Wir meinen damit die Kleidersorm, welche gewissermaßen aus zwei Kleidern besteht. Das Unterkleid wird durch kollerartigen Einsatz, Aermel und unteren Rock gebildet, während das Oberkleid durch Taille mit Tunika dargestellt wird. Je natürlicher und echter diese Form durchgeführt wird, desto eleganter wird sie ohne Zweifel wirken. Selbstredend wäre es ein Unding, wenn man in diesem Falle auf absolute Echtheit bringen würde in d.r Form, daß ein Unterkleid aus Spitzen, Sammet oder kostbaren Brokat wirklich angefertigt würde, denn nicht allein die Kostbarkeit des Materials, sondern auch die Schwere und Dicke desselben würden dies unausführbar machen. Aber zumindest das Oberkleid sollte echt fein und nicht nur durch einen beliebigen Besatz angedeutet werden, sondern wirklich lose über das Unterkleid fallen.

Und so ließen sieb noch viele Beispiele anführen, doch glauben wir,, daß die werte Leserin, durch diese kleine Plauderei angeregt, selbst noch mancherlei ausfinden wird, was ihr früher vielleicht nicht aufgefallen wäre. Jedenfalls erfordert echte Ele­ganz unbedingre Echtheit, auch in den K> eiderformen. und wem dies nicht möglich ist, der begnüge sich lieber mit einfachen Fori! en. Er wird damit entschieden feiner und eleganter erscheinen, als in mühsam nachgeahmten komplizierten Modeformen.

Wie chik und elegant ist z. B. das einfache Schneiderkleid nebenan (Nr 142). Aus schwarzem Cveviot bestehend ist die platte Schoßtaille in geschmackvoller Weise mit Souiache benäht, während der Rock ganz glatt bleibt.

Die beiden anderen Modelle repräsen­tieren die neuesten Modeformen und zwar kommt an Modell 145 sowohl die Tunika, als auch Weste mit ange­schnittenem Revers in wirkungsvoller Weise zur Geltung. Aus lila Tuch bestehend, setzt sich die Garnitur aus hell, rem, dunkelsoutachiertem Tuch und schwarzen Atlasstreifchen für die Um­randungen zusammen.

Das Tunikakleid Nr. 146 stellt wieder eine ganz und gar andere Form dar, denn hier ist Tunika und Taille zu­sammenhängend in Prinzeßform ge­schnitten. Oben wird ein Einsatz von Hellem Spitzenstoff sichtbar, der sich auch an den Aermelkugeln wiederholt. Tuch oder andere Stoffe mit schönem Fall sind Material.

Besonders wertvoll werden diese Abbildungen dadurch, daß die vollständigen Schnitte dafür zu haben sind, durch welche man in den Stand gesetzt wird, seine Garderobe nach der neuesten Mode selbst herzustellen, denn jedem Schnitt ist eine ausführliche Anleitung zur Herstellung des betreffenden Kleidungsstückes beigegeben.

142.

146.

hierfür das geeignetste

Redaktion: E. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gieße».