Ausgabe 
30.12.1899
 
Einzelbild herunterladen

747

n

mit Purpur male ich deine schneeigen

das sie schlürfend über die Lippen

so mancherlei!" Ellenbogen be-

vpfere ich mich willig! ins Goldhaar und Wangen. Trink!"

Und sie trank. Jedes Tröpflcin,

Loch so viel von ihm!"

WaS denn?" fragte sie ausgelassen.

Na die Epauletts und dann noch Sie rücken noch ein wenig näher, die

Wunder, wenn's Und ich erwarte

nicht quälen. Aber schad' ists, Else, wir irgend was anstoßen I"

Selterwaffer thuts auch!"

Das wäre geradezu sündhaft! Kein einem danach schlecht geht im neuen Jahr!

rühren sich, und flammende Blutwellen fliegen über des Mädchens Wangen.

Ja richtig, anstoßen müssen wir denn doch! Und wenn's mit Selter nicht feierlich genug ist gieb mir ein wenig leichten Wein, den kann ich noch am besten vertragen." Er springt auf, winkt der Bedienung, läßt die Flasche Moselblümchen bringen und entkorken.

Jetzt", dachte das Moselblümchen, und das Eisen in seinem Korke fühlend, zuckt es zusammen.

Der Fähnrich gießt ein Schlückchen ins Glas und probiert.

Ein ganz guter Tropfen, Else, grab wie für dich ge­schaffen, leicht, ein feines Aroma, davon kannst du ordentlich trinken!"

Und er füllt den Pokal.

Eine tragikomische Liebesgeschichte.

-- (Nachdruck verboten.)

Seine Kleider hingen locker um seine eckigen Glieder,- seine sonst tadellose Kravatte saß schlecht und schlaff. Sein Auge war trübe, sein Schnurrbart hing wehmütig herab und aus seinem Munde kam etwas wie ein Seufzer als er vor mir eine Portion Beefsteak mit Zwiebeln niedersetzte.

Hierauf beehrte er mich mit seinem Vertrauen in den kurzen Pausen, die ihm die Aufträge der anderen Gäste ge­statteten. Seine Geschichte war tragisch, aber die Art und Weise, wie sie mir vorgetragen wurde, raubten ihr viel von ihrer erschütternden Wirkung. Ich hörte nur Fragmente dieser seltsamen Geschichte, gemischt mit den Rufen der übrigen Kellner und der ungeduldigen Gäste.

Es ist alles aus, Herr," flüsterte er.

Was ist aus, Karl?" fragte ich. Ich genoß sein

neckisches Spiel.

Siehst du, Else, das macht fidel!" sagte der Fähnrich.

Und schmeckt himmlisch! So kühl gar nicht stark! Und so lustig ist mir zu Mut wie Ostern, als ich den letzten Tag aus der Schule kam und Bücher, Mappe und Tintenfaß zum Fenster hinauswarf."

Der Fähnrich lachte.

Famos, Else, du sollst leben!"

Und du auch, Eberhard!"

Die Gläser berührten fich, in einem Zuge waren sie leer.

Noch eins, Else!"

Ja, bitte! Ich merke wirklich noch gar nichts. So -furchtbar glücklich bin ich und so schön ist alles! Selbst -drüben der dicke Onkel Gustav kommt mir so hübsch vor und gut und die gräßliche Tante Marie, die mir immer sagt, ich sollte mich nicht unterstehen, dich zu lieben die Wnnt' ich umarmen!"

So was sagt die Tante Marie?"

Sie nickte.

Und viel mehr noch! Heiraten würdest du mich doch micht"

.Trink, schönes Mädchen," dachte Moselblümchen,dir Meinen Hollunderzweig drücke ich dir

gleiten ließ, jagte mit koboldartiger Schnelligkeit durch die Adern, und als der Tropsen viele wurden, trieben Mosel- blümchens losgelaffene Geister im Kopf der Kleinen ein

Augen leuchten übermütig, und der kirschrote Mund plaudert allerhand krauses Zeug.

Gleich kommt Bowle, Else, die trinkst du doch!" sagt der Fähnrich und blickt ihr in das lustige Gesicht.

Die erst recht nicht," erwidert sie,ich kann wirklich gar nichts vertragen!"

Ein Glas, Else!"

Nein, nein nicht einen Schluck! Ich kriege immer gleich 'nen Schwipps und Mama hätte mich gar nicht hergelassen, wenn ich ihr nicht die Hand darauf gegeben hätte, Zeinen Tropfen Bowle zu trinken!"

Aber irgend was muß doch der Mensch trinken! Alle guten Vorsätze gelten von morgen ab heut kannst du doch noch eine Ausnahme machen eine Koustne mit 'nem kleinen

Schwipps ist überhaupt sehr was nettes!

Nein, nein, Eberhard," rief das Mädchen,hilf mir lieber, daß ich fest bleibe!"

Kommst du in der Tonart, dann darf ich dich freilich

müssen doch mit

Warum nicht?" unterbrach sie der Fähnrich heftig.

Weil ich kaum das Kommiß habe!"

So'n Unsinn!"

Ach, Eberhard, du bist der beste Koustn auf der ganzen Welt! Und ich könnt' mich kringeln über Tante Marie, wie die immer zu uns 'rüber sieht! Gieb mir noch ein ganz klein bißchen Mosel!"

Er zögerte. Ihre Ausgelassenheit und ihr blankes Augenpaar flößten ihm doch einige Besorgnis ein.

®er Rest soll bleiben, bis es zwölf ist, damit du was zum Anstoßen mit den andern hast, Else."

Langsam und feierlich verhallte der letzte Glockenschlag des alten Jahres. Still wurde es im Saal der Haus­herr erhob sich, füllte das Glas, und alles Denken, Wünschen, Hoffen zusammenfassend, sagte er:Dem Künftigen!"

Stühle rückten, Gläser klangen, Stimmen schwirrten durch­einander.

Mir ist, als hätte ich gar keine Füße," sagte Else, sich wieder setzend.

Wie meinst du das?"

So leicht, so zum Fliegen ist mir nur den Kopf fühl' ich, und der kommt mir riesengroß vor.

Und schwer?"

Sie nickte.

Dann trink' keinen Tropfen mehr!"

Barbar! Nun hab' ich erst Lust darauf bekommen", lachte sie mit flackerndern Augen.

Ananasbowle wurde aufgetragen. Der Hausherr prüfte, rührte und prüfte wieder. Dann neigte er sich zum Wein­kübel, nahm vom kühlen Eisbett die Cliquot, und ihr festes Halsband lösend, goß er das perlende Naß in die Krystall- schale. Klanglos versank die Stolze in die Allgemeinheit.

Moselblümchen war seinem Ende nahe. Als es den Champagnerpropfen knallen hörte, reckte es sich noch einmal und sah, was vorging.

O, Madame, das also ist Ihr Los?" flüsterte es. Mein Ende dünkt mich beneidenswert gegen das Ihre! Was Temperament ist, davon könnte ich doch jetzt auch ein Wort mitsprechen!"

Dies Glas der Jugend," sagte der Hausherr, seinem Aeltesten zutrinkend,und auf den baldigen Leutnant!"

Schön Elschen trank Moselblümchens letzten Tropfen. Hastig, wie er geschlürft, jagten die munteren Weingeister- chen durch des Mägdleins Hirn. Munter schnellte es empor, hob den leeren Pokal, nickte übermütig dem Vetter zu und I deklamierte:

Der Fähnrich der wird Leutenant Das Kalb wird später Ochs genannt!"

Else, Else!" rief entsetzt Tante Marie.Aber Else I Mädchen!" Die ganze Gesellschaft geriet in lebhafteste I Bewegung.

Um Gottes willen, Eberhard, was hat denn das I Mädel getrunken?"Moselblümchen!"