691

An dem bleichen Antlitze von unverkennbar feinem Schnitte kämpfte spitzbübische Verschlagenheit mit der Schlaff­heit des Trinkers um den Ausdruck.

Als Opel hangreiflich wurde und den Burschen mit rauhem, altgewohntem Griffe beim Kragen faßte, da riß Holaus rasch das Fenster auf.

Führen Sie den Mann zu mir, Opel."

Der Vagabund sah erstaunt herauf, zog dann tief seine Mütze und wandte sich höhnisch lachend zum Hausmeister.

Sehen Sie, was habe ich gesagt? Er ruft mich schon." Dann eilte er, gefolgt von Opel, welcher vergebens eine Warnung brummte, der Villa zu.

(Fortsetzung folgt.)

Die Diamantfelder in Südafrika.

Bon Fred Hood.

------- (Nachdruck verboten.)

Der Mittelpunkt des südafrikanischen Diamant-Gebietes ist Kimberley, eine Stadt von etwa 40 000 Einwohnern in Westgriqualand, welche 1872 gegründet wurde und ihren Aufschwung allein der Entdeckung der Diamantfelder ver­dankt. Sie liegt unweit der Westgrenze des Oranje-Frei­staates, und hat Bahnverbindung mit Kapstadt und nach Norden hin mit Vryburg in Britisch-Betschuanaland. In unmittelbarer Nähe dieser schnell emporgewachsenen Handels­stadt befinden sich die vier hervorragendsten Diamantgruben, welche unter dem Namen de Beers-, Bultfontein-, DuToit- span- und Kimberley-Gruben bekannt sind. Da sie zusammen etwa 90 Prozent aller aus Südafrika bisher exportierten Diamanten liefern, so fallen die übrigen Gruben für den Welthandel nicht sehr ins Gewicht/ doch vielleicht ruhen noch unermeßliche Schätze tief in dem reichen Boden dieses Landes.

Die Ausbeutung wurde im Jahre 1869 begonnen,- sie war sehr reich und man fand große, aber gewöhnlich etwas gelblich gefärbte und durch mannigfache Entschlüsse verun­reinigte Diamanten. Sie werden in einer bleigrauen, festen, vulkanischen und tuffartigen Gefteinsmasse gefunden, einem Konglomerat, welches die Füllung erloschener Krater von 200 bis 300 Meter Durchmesser bildet und dessen Tiefe noch nicht ergründet ist.Blaue Erde" nennen die Diamant­sucher diese kostbare Gesteinsmasse, aus welcher sie ungeheure Schätze hervorgeholt haben, während die obersten Schichten, welche durch die Witterungs-Einflüsse mannigfache Aenderungen erlitten, alsgelbe Erde" bezeichnet werden. Diese war es, welche zuerst als diamanthaltig erkannt wurde und zur Be­arbeitung des fruchtbaren Bodens Veranlassung gab. Unge­achtet der einfachen Werkzeuge der ersten Diamantgräber erreichte die durchschnittliche jährliche Ausfuhr einen Wert von 25 000 000 Mark, und jeder nach England bestimmte Postdampfer hatte regelmäßig 15 bis 20 Pfund Diamanten in versiegelten Säcken und Paketen an Bord. Nach 1875 wurde der jährliche Ertrag der Claims von Kimberley auf 20000000 Mark bewertet.

Aber die Produktion begann bald abzunehmen. Als die Diamantgräber weiter in die Tiefe drangen, und der Abbau immer schwieriger und kostspieliger wurde, verließen sehr viele ihre Gruben, zumal der Preis der Diamanten infolge des heftigen Wettbewerbes auf dem Markte tief gesunken war. Für die einzelnenDigger", die die Erde aus einer Tiefe von 30 bis 60 Meter emporschaffen sollten, wurde die Arbeit zu beschwerlich und zu kostspielig,- es war somit der rechte Zeitpunkt zur Bildung einer großen kapitalkräftigen Gesellschaft gekommen, um eine ergiebige Ausbeutung der Gruben zu bewirken. Im Jahre 1887 erfolgte dann die Vereinigung aller an einzelne Digger verliehenen 3238 Claims der Kimberley-Mine durch vier Kompagnien, welche haupt­sächlich unter dem Einfluß Rothschilds in London zu einer einzigen, der De Beers-Gesellschaft, verbunden wurden. Dieser Gesellschaft, an deren Spitze Cecil Rhodes trat, gelang es durch geschickte Ausnutzung der ganzen Geschäftslage, die vier

Hauptgruben in ihren Besitz zu bringen, wodurch sie sich zur Beherrscherin des Diamant-Welthandels aufschwang. Die Aus­beute wuchs sehr schnell und stieg in den Jahren 1893 bis 1896 von 914121 auf 3 035481 Karat, d. h. von 18036 360 Mk. auf 78 630840 Mk. Die Toitspan- und Bultfontein Gruben wurden zeitweilig geschloffen, um durch Einschränkung des Betriebes die Preise in die Höhe zu bringen oder auf der Höhe zu erhalten. Die Kimberley- und die De Beers-Gruben wurden dagegen sehr energisch ausgebeutet und mit allen er­forderlichen Förder- und Wasserhaltungs-Einrichtungen der neuesten Konstruktion ausgerüstet. Zum Abbau werden sehr vollkommene Preßluft-Bohrmaschinen angewendet, und die blaue Erde wird in Karren, welche auf Schienen rollen, zu dem Schachte gefahren, durch welchen sie emporsteigen soll. 400 Ladungen von je 725 Kilogramm können in jeder Stunde zum Förderschacht gebracht werden. Die Karren entleeren sich automatisch und schütten ihren Inhalt in Kästen, welche durch die Hebevorrichtung zu Tage gefördert werden. Hier wird die Erde von den Taschen eines Baggerwerks ausgenommen, und diese schütten ihren Inhalt wieder in stählerne Wagen, welche vermittelst eines Kettenantriebes ohne Ende nach den Lagerplätzen befördert werden.

Aber das sehr harte Material, wie es aus dem Schachte emporkommt, kann natürlich nicht ausgewaschen werden. Man breitet es in einer Schichtstärke von 20 bis 25 Zentimeter auf den geebneten, viele Quadratmeter umfassenden Lager­plätzen aus, um es sodann mit Wasser zu besprengen, mit dem Pfluge durchzuarbeiten und der energischen Verwitterung auszusetzen. Nach einem Jahr ist der größte Teil der blauen Erve so beschaffen, daß er ausgewaschen werden kann, aber ein Teil der Masse ist immer noch so hart, daß er durch Steinbrecher zerkleinert werden muß.

In der Diamantwäsche wird die Erde zunächst durch Aufzüge emporgehoben und dann durch einen großen sieb­artigen Zylinder mit etwa einzölligen Löchern geschüttet, so daß alle größeren Stücke in diesem zurückgeyalten werden. Letztere werden nochmals quf den Lagerplätzen der Verwitterung ausgesetzt, während das Feingut in große Pfannen von etwa 4 Meter Durchmesser gelangt, in welchen Rührarme rotieren, und die das Material unter ständigem Zufluß von Wasser dem Schlämmprozeß unter­werfen. Dabei werden die spezifisch schwereren Teile Diamanten, Granaten und andere Mineralien von hohem Gewicht, nach dem Rande der Pfanne geschleudert, während die leichteren Teile durch Oeffnungen in der Mitte abge­leitet werden.

Die schweren Mineralien, welche man den Schlämm­pfannen entnommen, gelangen jetzt nach den sogenannten Satzmaschinen,- diese enthalten eine Reihe von Sieben mit verschiedener Maschenweite, sowie eine aus Bleikugeln ge­bildete Bettung, welche den zu raschen Durchgang des Gutes verhindern. Durch die Maschen der Siebe gelangen die Mineralien, bereits nach der Größe sortiert, in verschiedene Behälter und sodann in den Scheideraum. Es ist dies ein langgestreckter Saal mit einer großen Reihe von Sortier­tischen. Alle Räume und Werkstätten find, wie es die pein­liche Behandlung der Steine verlangt, sehr hell mit elektrischen Lampen beleuchtet. Das Sortieren der Edelsteine erfolgt durch Neger, während die Aufsicht führenden Beamten fast ausschließlich Europäer sind.

Die Diamanten verschiedener Fundorte sind auch sehr ver­schieden an Gestalt und Färbung. Selten sind sie vollkommen farblos und die aus der Toitspan-Grube fast weingelb, aber in der Regel groß und schön krystallisiert. Dagegen werden in den Diamanten-Wäschereien bei Kltpdrist am Vaalfluffe fast ausnahmslos wafferklare Steine gewonnen, aber die Aus­beute dieser Wäschereien ist nicht sehr groß, und eS werden nur kleine Diamanten gewonnen.

Bisweilen werden in den südafrikanischen Diamant- selber» Edelsteine von ungewöhnlicher Größe gefunden. Ein Franzose, der für daS Haus Robert Spalding arbeitete.