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Donnerstag den 3V. November.
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ie Blum' im Garten lehrt, 2Sic lange Schönheit währt.
Sprichwort.
Nicht ewig prangen Schöne Wangen.
Sprichwort.
Auch in dicke Balken kommt der Wurm.
Sprichwort.
Nachdruck verboten.
Pygmalion.
Novelle von Anton Frhr. von Perfall.
(Fortsetzung.)
Holaus selbst korrnte für den Plan nur günstig gestimmt sein. Ja, wenn es auf ihn angekommen wäre — er war ja stets ein Mann des raschen Entschlusses — er hätte schnurstracks heute noch um das Mädchen angehalten.
Dieses selbst konnte sich den reizenden Aussichten, welche der Onkel für die nächste Zeit entwarf, nicht entziehen, ebensowenig dem verführerischen Werben, in dem sie nur die neu erwachten, freundschaftlichen Gefühle erblickte. So gab sie sich völlig unbefangen und wirkte nur um so stärker auf den leidenschaftlichen Mann.
Er ließ ihr seine Lieblingspferde im Hofe vorführen, trefflich gehaltene, rassige Tiere. Dann schwang er sich selbst auf einen schwarzen, kräftigen Hengst, der, die Brust mit Schaum bedeckt, einhertrabte, und ritt ihn ihr vor.
Marie jubelte laut ihm zu, und angefeuert von dem Beifall, that er ein übriges, sich als gewandter Reiter zeigend.
Und als er sie zuletzt selbst auf einen zierlichen Braunen setzte und sie, von seiner Hand gestützt, glücklich herumkam, da hatte ihre Freude kein Ende. Sie hätte ihn am liebsten geküßt, den guten Onkel, als er ihr wieder vom Pferde half.
Wie schade, daß der Papa keine Freude daran hatte, und es schnürte ihr die Brust zusammen, wenn sie an den dumpfen Zetchensaal dachte, in dem er sein Leben zubrachte.
„Den Braunen werde ich für Dich zureiten lassen, ohnehin hat ihn der Vater getauft „Pygmalion."
//®^/ Übkviß nach dem Gobelin im Zeichensaal," bemerkte Marie.
„Natürlich, er ist ja sein Steckenpferd," erwiderte Herrmann — „der närrische König."
„Närrisch? Der ist gar nicht närrisch."
„Na, ich danke! — Sich ein marmornes Liebchen suchen, wenn das nicht närrisch ist!"
„Ist ja nicht mehr Marmor, darum flehte er ja die Göttin an.
„Hör' mir auf! Etwas Rechtes wird doch nicht daraus. Marmor bleibt Marmor, und Liebe ist Leben, und Leben ist Liebe," erklärte Herrmann in drolligem Pathos.
„Dann lebst Du ja gar nicht, weil Du nicht liebst," erwiderte lachend Marie.
Herrmann sah sie durchdringend an: „Weißt Du das gewiß, Koufinchen?"
Da stand sie glühend rot in unsäglicher Verwirrung.
Mit der ganzen harmlosen Freude war es vorbei, der Blick, der Ausdruck seiner Frage verletzte sie, ängstigte sie. Und plötzlich fing sie an zu begreifen, warum der Vater ihr den „Onkel" verbot.
Sie hatte nur den einen Gedanken, loszukommen.
Zu ihrem Glücke weigerte sich der Pygmalion hartnäckig, von einem Reitknechte geführt, den Stall zu betreten.
Herrmann sprang dem Burschen zu Hilfe. Der Weg war frei.
So that sie das thörichste, was sie thun konnte, sie floh vor dem Onkel der Villa zu.
Als dieser sich nach ihr unwandte, sah er nur etwa» Weißes flattern zwischen den Kastanien des Parkes.
Franz schlug sich mit der Reitgerte auf die glänzenden Stulpstiefel und lachte überlegen.
Das Koufinchen! —
In diesem Augenblicke war jede edlere Regung schon wieder verflogen, es blieb nur die frivole Genugthuung des Mannes, einen neuen, leichten Sieg errungen zu haben, fast zu leicht, um auf die Länge zu reizen.
Drittes Kapitel.
Mit Holaus war in den letzten Monaten eine auffallende Veränderung vorgegangen.
Er sah um zehn Jahre jünger aus mit dem kurz geschnittenen Haar, dem wohlgepflegten Bart, anstatt des langen Jägerrockes, ohne den man ihn seither nie erblickte, einfach, modisch gekleidet.
Das große, dunkle Auge leuchtete in neuer Energie, die ganze Gestalt hatte an Festigkeit gewonnen.
Er bot jetzt sogar einen äußerst günstigen Gegensatz zu dem eleganten Herrmann, der fich eher wie ein stattlicher


