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orientalische Goldschmiedearbeit mit bunten Edelsteinen ausgelegt.
Diamanten vom reinsten Wasser, einfach in Silber gefaßt, um die Größe, das Feuer der Steine nicht zu beeinträchtigen, liegen da auf malachitgrünen Samt gebettet. Diamanten, hell und prächtig, — Thränen gleichend.
Und ungezählte Thränen haben ein Paar junge, blaue Augen geweint über diesen Steinen.
Mit einem harten, grausamen Klang schnappt der goldene Kasten zu.
Finster, die Brauen zusammengeschoben, zieht die alte Schauspielerin andere Köfferchen hervor, — filberbeschlagene, perlmutterverzierte.
Und in jedem von ihnen ruhen Juwelen, welche Erinnerungen erzählen, einfache, rührende, übermütige, hohnvolle —
Jene prächtige Nadel, sie trägt einen Solitair, der einem Kronschatz entstammt, der auf den Namen eines Helden getauft ist, auf den Namen Nelsons. Ein Prinz von Geblüt hat diesen Stein der großen Tragödin verehrt.
Die alte Frau schüttelt die Erinnerung ab. Sie greift nach einem langen schmalen Etui, das ihre Ringe enthält, wahllos nebeneinander gereiht. Welche Fülle wertvoller und absonderlicher Andenken! Ringe darunter, die niemals Ada Rubinis weiße, schlanke Finger geschmückt haben, — Vitrinengeschmeide. Ein alter jüdischer Ehering zum Beispiel. Neben hebräischen Schriftzeichen trägt er den Tempel Salomonis statt des Schildes, in wunderfeiner Arbeit.
Auch der mittelalterliche, angeblich gegen Behexung und Pestilenz schützende Amuletring ist seinem Behälter kaum je entstiegen.
Dagegen versäumte es die berühmte Künstlerin in der Blütezeit ihrer Schönheit niemals, den aus der Familie Borgia stammenden Giftring anzulegen, einen Ring, imstande, aus feiner, scharfer Spritze ein tödliches Gift zu entsenden. Lächelnd tändelte die gefeierte Frau damals wohl mit dem gefährlichen Spielzeug im Kreise ihrer Verehrer. Und ein Mal — ein Gerücht flüsterte davon, — soll sie einen lebensgefährdenden Händedruck ausgeteilr haben vermittels des Giftrings.
Die Gleichgültigkeit, mit welcher Ada Rubini den Reif einen Augenblick lang betrachtet, straft die unheimliche Legende Lügen.
Sinnend greift die alte Frau sodann nach dem großen Türkis, den einst die russische Katharina ihrem Günstling Potemkin schenkte. Der kaukasische Stein ist grün geworden. Einem Aberglauben zufolge soll der Türkis seine himmelblaue Farbe nur im Besitz einer Persönlichkeit bewahren, deren Charakter-Eigentümlichkeit die — Treue ist. Ob der Ring schon an der Hand Potemkins die blaue Färbung einbüßte? Ob er den grünlichen Schimmer erst gewann als Ada Rubinis Eigentum?
Flüchtig gleitet der Blick der Schauspielerin hin über all diese Seltenheiten, einen Ring der Maria Stuart, den originellen Siegelring Lord Byrons, der acht geschnittene Steine mit seltsamen Emblemen zeigt, über ägyptische und Fakir-Ringe.
Gelangweilt klappt sie endlich das Etui zu. Nur ein einziger großer Kasten steht noch im Schrank. An die Form eines Sarges erinnert seine Gestalt.
Er enthält in buntem Gemisch eine Fülle von Gegenständen ohne hervorragenden Wert, — Ringe, Armspangen, Ohrgehänge, Ketten, die keiner besonderen Verwahrung bedürfen.
Ada Rubini taucht die Hände hinein, zieht sie beladen heraus. Dieses ganze Charivari wird sie verschenken, damit man es nicht in ihrem Nachlaß finde, — wertloses Gerümpel, das es darstellt!
Plötzlich zuckt die alte Frau zusammen. Sie stößt einen Seufzer aus, einen langen wimmernden Seufzer, der einem
Klagelaut gleicht.--In ihre verlöschenden Augen kehrt
der wunderbare blaue Märchenglanz der Jugend zurück.
Wie kommt der Ring zwischen die Andenken an ihre Laufbahn als berühmte Schauspielerin, als gefeierte Frau?
Der Ring?
Armselig ist er, verbogen, -* mit einem Vergißmeinnicht aus Email geschmückt.
Langsam streift ihn die Greisin an die Hand, an diese weiße, gepflegte Hand, die jung geblieben ist unter dem allgemeinen Verfall des Körpers. Lächerlich nimmt er sich daran aus, der arme, schmale Reif. Und doch tropft eine Thräne auf ihn herab, eine einzige, heiße Thräne, mit der Ada Rubini ihre Jugend beweint, ihre Träume, ihre Ideale.
Wer ihr den Ring geschenkt hat?
Ein junger Mensch, der sie heiß geliebt, — der einzige, dessen Herz ihr wahrhaft gehörte von allen, die ihr gehuldigt Ihr ganzes, wildes, buntes Leben hindurch. Der sie geliebt, damals als sie noch eine kleine fleißige Putzmacherin bei der großen Madame Lisette war.
Und sie selber hat ihn ebenso heiß geliebt, den jungen Menschen. Alle abend hat sie seinen Namen gesprochen vor dem Einschlafen, mit ihrem Nachtgebet zusammen.
Und unter den zärtlichen Ausbrüchen ihrer Liebe, ihrer Leidenschaft, da hat es die kleine Putzmacherin eines Tages erkannt, daß ein großes Talent in ihr wohne, — und sie hat Vater und Mutter verlassen, und den Liebsten dazu, — und ist in die weite Welt gegangen, ein schmales Päckchen im Arm, den Vergißmeinnicht-Ring am Finger.
Der arme Reif war bald ersetzt durch einen von Diamanten funkelnden. Und derMebste? Hat ihn die große Tragödin vergesfen?
Um sie her stehen in goldverzierten Kassetten fürstliche Geschenke. Und sie fitzt dazwischen, einen schmalen Reif an die Lippen pressend, und murmelt einen Namen, — denselben Namen, den sie einst gemurmelt, voll heiliger Zärtlichkeit zwischen den Bitten ihres Nachtgebets. —
Eine bittere, bittere Erkenntnis steigt der alten Frau auf: Liebe und Treue, die echten, die wahren, die glanzvollsten Juwelen, sie hat sie dahingegeben, für kalte, öde Pracht, — für Truggold, für totes, funkelndes Gestein.
Die Stirn gefurcht, die Lippen zusammengepreßt, schließt Ada Rubini ihre Schätze in den Schrank ein. Nie wird sie sie wieder betrachten, niemals.
Einen einzigen kleinen Ring nimmt sie heraus. Seltsam armselig steht er ihrer Hand. Den kleinen Ring will sie mit ins Grab nehmen.
Gemeinnütziges.
Aetd und Karten.
Ein Feind der Salatpflanzen treibt jetzt sein Unwesen. Bemerkt man eine welke Pflanze, so ist anzunehmen, daß ein Drehwurm an ihr sein verderbliches Handwerk treibt, welcher die Hauptwurzel durchfrißt. Man kann weiter nichts thun, als die Pflänzchen herausnehmen, die Würmer absuchen und sie töten, sonst wandern sie von einer Pflanze zur andern. — Die Hühner räumen sehr unter ihnen auf, und wenn es angängig ist, kann man diese auf das Salatbeet lassen.
Was thut man gegen die ekelhafte schwarze Laus an Puffdohne«? Sobald sich die ersten Läuse zeigen, breche man die Spitzen sämtlicher Pflanzen ab. Dem Ertrag wird dadurch kein Abbruch gethan.
Das Moos auf Rasenplätzen wird am besten durch Ausharken mit einer eisernen Harke bei nasser oder feuchter Witterung oder durch Ueberstreuen der betreffenden Stellen mit Ruß vertilgt.
Redaktion: I. V.: Hermann Elle. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steiudruckcrei (Pietsch Erben) in Gießen.


