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„Dat heft du mi schon einmal fragt. Wo tum Kuckuck hädd iE sülln Goldbarrn seihn? Denkst du, ik bün in 'n Bargwark uP de Welt kamen?"
„As toi sei von de Schipp toegdrogen, Packt' ik sei Tommy up de Arm', acht uP einmal. Keiner von uns künnt' mihr dragen, un as ik em einmal ein' mihr uppackt', let hei allens sollen, wil ’t tau sw er wat, un dorbi was Tommy en hellschen starken Kierl."
„Ik toullt', ik künnt' mi so vel dorvon behöllen, as ik in stann toter, tau steppen," sagte mürrisch eine andere Stimme, welche ich sogleich als die von Sam erkannte.
„Wenn ik en poor von de Goldbarrn hädd, weilst du, wat ik dormit maken däd? Ik würd' mi en Gastwirtschaft köpen. Dit hew ik all für en gauden Brod ansahn, as ik irst drei Fant hoch war," bemerkte wieder ein anderer. „Mi liggt nicks an Blaumen up den Disch un an upgetakelten Dierns mit Locken up de Stirn, weck, statt de Kunnschaft tau bedein', sik mit Zierbengeln in de Eck fetten un de Tied mit scharmautzteren verbring'n. Ne, ik bün für de Gemäud- lichkeit; de Seemann fall bi mi sten Toback toten, sien Grog supen, un ungestürt sing'n känen. Seiht Ji, dat toter wat für mi."
„Dorbi sünd mi tauvel Füerdag bi so 'ne Ort von Lewen," brummte der alte Sam. „Wien Vörstellung von ein gauen Lewen iS en lütt Hus un en Fedderbedd, en Armstaul un en Wirtshus in de Nachbarschaft mit en Goren dorachter, wo ik Sündags in de Schummerstunn mit en Por achtbor'n Seelüd en richtig Garn spinn'n künnt."
„Je ja, dat künnt mi ok all sihr gefallen, äwer leiwer köpt ik mi en Tiater, en Tiater blot mi Fiedeln und Fläuten, nich mit so 'ne verdunnerten Trumpeten dormang. Ne, de richt'ge naut'sche Musik möt ’t sien, ein Musik, de einem de Fäut zappeln makt vör Bergnäugen. Langwil'ge Stücks würd ik nich upführn laten, ne, blot danzt füllt Warden, blot danzt von Seelüd un smucke DiernS, ik ümmer vörweg. Allens füllt sik dreihn. Ne, wat denn? Wat meint Ji? Dat toier nich sticht."
„Un dit allens künnt Ji hebben, Ji brukt blot tau» griepen, Maats," sagte Deacon.
Hiermit hatte ich genug gehört,- ich verließ die Küche schnell, da schließlich doch einer hätte hereinkommen und mich bet meinem nicht schönen Geschäft deS Horchens überraschen können. WaS sollte ich nun aber von Deacon denken, der nach dem Aufhebens, was er mir gegenüber von feinem Geheimnis gemacht hatte, jetzt auf einmal die ganze Mannschaft in sein Vertrauen zog?
Vielleicht war seine ganze Geschichte doch nur eine reine Erfindung; indessen Lügen ohne Beweggrund sind undenkbar, und daß er sich sein ganzes Gewebe nur zum Scherz auS- gespouueu haben sollte, erschien mir nicht glaubhaft.
Dies erwägend, sagte ich zu mir: „ES läßt sich kein rechter Grund erkennen, weshalb die Geschichte erlogen sein sollte,- welchen Zweck könnte er dabei verfolgen? Wenn sie wahr ist, kann er nichts besseres thun, als seine Zurück' Haltung endlich aufzugeben und seine SchiffSmaatS ins Vertrauen zu ziehen,- ohne Hilfe kann er das Gold nicht holen und die ersten Leute, die er dazu findet, find die besten."
Aber dies war mir alles nichts, meine Gedanken gingen weiter. Er hatte mich aufgefordert, mich der Brigg zu bemächtigen. Angenommen, er machte denselben Vorschlag der Mannschaft? Schlechte Behandlung hatte ste in Zunder verwandelt, und hier war der glühende Funke, welcher zünden, d. h. eine Erhebung Hervorrufen konnte. Diese konnte Reichtum bringen und gleichzeitig Rache üben taffen.
Aber das war ja wieder nur so eine Grillenfängerei von mir. Ich war nicht der Mann, mich mit bloßen Möglichkeiten zu quälen. Ich klopfte die Asche auS meiner Pfeife und begab mich nach der Kajüte, im ganzen mehr amüsiert als erschreckt durch das Gespräch, welches ich erlauscht hatte.
SiebenundzwanzigsteS Kapitel.
Die Meuterei.
Am zwanzigsten August befanden wir uns auf dem vierundzwanzigsten Grad westlicher Länge und neunund- ztoanzigsten Grad südlicher Breite.
Der Südost-Passatwind hatte nnS verlassen. Zur Um« schiffung des Kaps der guten Hoffnung waren wir jetzt nur auf flaue Brisen angewiesen. Stärkere Winde mußten wir erhoffen für die acht bis neun Tausend Meilen, die wir noch zurückzulegen hatten, ehe wir die graue, trostlose Küste von Sydney in Sicht bekommen konnten.
Am Mittag dieses Tages wurde der Kurs nach O.-S.-O. geändert.
Während die Mannschaft die Raaen Vierkant braßte, gab Deacon, der am Rade stand, den Leuten, welche die großen Brassen anholen sollten, ein Zeichen, indem er einen Finger in die Höhe hob. Die Bewegung war nur eine ganz kurze, machte mir aber jedenfalls einen verdächtigen Eindruck. Ich begab mich deshalb in seine Nähe, that, als ob ich aufmerksam die Windrose betrachtete, und fragte ihn ganz leise:
„Was bedeutete soeben das Zeichen?"
„Welches Zeichen?"
„Du erhobst einen Finger in einer mir auffälligen Art gegen die Leute hin."
„That ich das?"
„Ich frage, was das bedeutete?"
„Möchtest du eS gerne wissen?"
Ich blickte fragend in sein Gesicht und entdeckte auf demselben ein lauerndes Grinsen.
„Dies ist nicht der Kurs nach Teapy," sagte ich.
„Jawohl ist er eS, wenn wir ihn lange genug beibehalten," antwortete er; „doch was hat das mit meinem Finger zu thun?"
„Die Bewegung erregte meine Neugierde," erwiderte ich sorglos.
„Ich fühlte nach dem Winde," sagte er; „hast du nicht gesehen, daß ich erst den Finger in den Mund steckte?"
„Nein."
„Ein andermal achte also auf alles, ehe du urteilst, damit du keinen Mißgriff begehst."
ES lag in der Art, tote er öieS sagte, keine direkte Grobheit, ein anderer Ton würde seine Sprache aber entschieden unverschämt gemacht haben.
„Ich hoffe," flüsterte ich sehr eindringlich, „daß du zweimal überlegst, ehe du handelst; es gtebt Reichtum in der Welt, der mehr kostet, als er wert ist."
„Du hast keine Ursache, einen Mangel an Ueberlegung von meiner Sette zu fürchten," entgegnete er, als ich weg- ging; mir siel aber auf, daß er das „du" stark betonte.
Während des Nachmittags wurde der Wind schwächer Die Leesegelspteren wurden ausgeschoben, die Segel gesetzt, und unter einer Wolke von Leinwand schwebte die Brigg über die großen Wogen, welche von Süden herrollten.
Gegen vier Uhr kam ein Schiff auf unserem Steuerbordbug in Sicht. Ich betrachtete es durch das Glas und rekognoszierte es als einen großen Schraubendampfer, offenbar ein Kriegsschiff. Seine Bramstengen waren binnen- bords geholt und festgemacht, kein Segel war zu sehen. Rote Gestalten auf seinem Vorderdeck deuteten an, daß es ein Truppenschiff war.
Für ein Seemannsauge liegt immer etwas Entzückendes in der imposanten Takelung eines Kriegsschiffes. Die bedeutende Ausbreitung der schwarzen Wanten, die massiven Raaen, die starken TopS, die weißen Reihen der Hängematten, die großen Backen, welche sich tote mit Verachtung Über die anprallenden Wogen zu heben schienen, und das Buttern des Schaumes unter der Gillung, alles dies bietet einen großartigen Anblick.
Wir hißten die Flagge, bereit, sie beim Vorbeifahren


