184
Kunden hat. Dann sieht man genau, wie sie alle verkehrt fitzen und dem Pfarrer den Rücken zugedreht haben. Die Weiber haben Strohzöpfe, die Männer Strohdegen. Wer sie aber auf diese Weise erkannt hat und sich nicht eilig davon macht, bevor der Pfarrer Amen sagt, der wird von ihnen unter Beihilfe von Katzen zerkratzt, ja sogar umgebrachr, wie dies einem Manne aus Belsen widerfahren sein soll. Norddeutscher Aberglaube vom Karfreitag ist nach Busch folgender: »Regen, der an ihm fällt, soll man Tropfen für Tropfen von der Erde wegkratzen,- denn er ist sehr giftig. Wenn's dem Herrn Christus in's Grab regnet, giebt es einen trockenen Sommer. Ein Ei am Karfreitag gelegt, hat die Eigenschaft, jedes Feuer zu löschen, in das man es wirft. Wer an diesem Tage nicht trinkt, der kann das ganze Jahr trinken, ohne einen Rausch zu bekommen. Wer an ihm gräbt, der stört die Ruhe des Heilands. Wer an ihm die Stube mit einem Besen kehrt und dann im Sommer mit demselben über den Kohl fährt, der schützt diesen vor Raupen Mttb anderem Gewürm. Wer am Karsreitag vor Sonnen- aufgang drei Messerspitzen voll Hafer ißt, dem schadet das ganze Jahr über kein Trunk, er mag trinken was er will".
Genreinniitzrges.
OesundHeitspffege.
Vorzügliches Pflaster. Ein in unzähligen Fällen ausgeprobtes Heilmittel gegen böse Finger-Geschwüre aller Art re. wird auf folgende Weise bereitet: Ein halb Pfund Baumöl und ein viertel Pfund gelbes Wachs werden zusammen eine Weile gekocht, dann werden zwei Lot hartgesottener Terpentin und ein viertel Pfund minium ruberum dazugeschüttet und unter beständigem Rühren so lange gekocht, bis das Minium anfängt, die Farbe zu verlieren. Hierauf vom Feuer genommen, lasse man es einige Augenblicke verkühlen, und schütte dann drei Eßlöffel Roggenmehl, drei Quentchen Kampher und drei Theelöffel Zucker hinein, rühre es noch ein Weilchen um, und gieße die Masse dann in Papterkäftchen, in denen sie erkalten. Die Masse muß in einem neuen irdenen Gefäß mit neuem Kochlöffel bereitet werden. Man thut gut, von dem halben Pfund Baumöl einige Löffel voll zurückzubehalten, um das Mehl damit klar zu rühren, da es sonst sehr knötlich wird. Ferner ist es ratsam, das in Oel gerührte Mehl sehr vorsichtig in die Masse zu schütten, da dieselbe sonst überkocht.
Aür die Küche.
Selleriesalat. Junge, große, recht weiße Selleriewurzeln werden sauber abgewaschen und in Salzwasser weich gekocht, bis man mit einer Spicknadel leicht hinetnfahren kann. Dann schält man die Wurzeln, schneidet gleichmäßig runde, dünne Scheiben davon, untermengt sie mit Oel, Essig, Salz und etwas Zucker, legt sie wohlgeordnet in eine Salat- schüssel und verziert den Salat mit einem Kranz von Rotkohl oder Rapunzeln oder auch von Kartoffelsalat.
Ochsengaumen Mit Carry. Zehn Personen. Bereitungszeit 2 bis 2% Stunden. Man wässert und kocht vier Ochsengaumen, häutet sie, preßt sie zwischen zwei Brettern und schneidet sie erkaltet in gleichmäßige Scheiben. — Weiter dämpft man drei scheibig geschnittene Zwiebeln, mit einem säuerlichen, gleichfalls zerschnittenen Apfel und 60 Gramm Butter in einer Kasserolle weich, fügt einen halben Eßlöffel 6arr^-Pulver, einen Theelöffel Essig, ein Stückchen Zucker, etwas Salz, Pfeffer und 1/i Liter sehr kräftige Bouillon zu, läßt das ganze eine halbe Stunde bei gelindem Feuer kochen, seiht die Brühe durch, macht sie mit einem Theelöffel Kraftmehl sämig, giebt die Ochsengaumen-Stücke hinzu und
kocht das Gericht eine weitere halbe Stunde. — Inmitten eines Reis-Randes angerichtet, wird das sehr kräftige Essen möglichst heiß serviert.
Haminelvrale« auf englische Art mit Salat unv Kompot. Eine große, so lange als möglich abgehängte Hammelkeule wird, nach dem Abziehen der oberen Haut, leicht mit Salz eingerieben, an den Spieß gesteckt und sofort über ein helles, scharfes Feuer gebracht: zu Anfang begießt man sie fleißig mit Butter, bis sie selbst Fett genug zum Begießen hergiebt. Gegen Ende der Bratzeit bestäubt man sie mit Mehl und bestreicht sie mit Butter und Fett, damit sie eine schöne Kruste erlangt/ im ganzen bedarf sie anderthalb bis zwei Stunden zum Durchbraten. Man schöpft das Fett von dem abgetropften Fleischsaft, kocht denselben mit kräftiger Fleischbrühe, Pstffer und Salz auf und giebt diese Sauce zu dem Braten.
Lammfrikassee. Mit Butter, Fleischbrühe und Zitronenscheiben dämpft man das zu Stücken geschnittene, gesalzene Lammfleisch weich, stäubt es dann mit etwas Mehl, gießt soviel Fleischbrühe daran, als man East braucht, und läßt es stark kochen. Dann nimmt man das Fleisch aus dem Saft, rührt in einem Töpfchen drei bis vier Eidotter mit dem Saft einer Zitrone gut ab und mischt dies unter beständigem Rühren in den kochenden Beiguß,- ist dieser dick, dann giebt man ihn über das Fleisch.
Kalvsgekröse. Das Gekröse wird mehrmals in warmem Wasser gewaschen und mit Salz abgerieben, sodann eine halbe Stunde in kaltes Wasser gelegt, dann abermals gewaschen und nun in kochendes, schwach gesalzenes Wasser gelegt und weich gekocht. Alsdann röstet man Mehl in Schmalz hellgelb, füllt Fleischbrühe auf, giebt Essig daran, ebenso eine Zwiebel, ein Lorbeerblatt, mehrere Pfefferkörner, ein wenig Salz, ein Stück Zitronenschale, schneidet das Gekröse halb- sipger lang, legt es in die Sauce, kocht es eine halbe Stunde darin und richtet es mit derselben an.
Kalte Poularde. Die vorgerichtete Poularde wird in Salzwasser gar gekocht, zu dem man hinzugefügt: ein Glas Weißwein, Suppengrün, gehackte Petersilie und 10 Gramm Fleischextrakt. Nun wird die Poularde zerlegt, die Stückchen werden bergartig angerichtet. Die Brühe wird mit gebräuntem Mehl semig gemacht, mit einigen Eidottern abgerührt und mit fünf Eßlöffeln Aspik aus Fleisch-Extrakt versehen. Bevor man die Poulardenstücke aorichtet, legt man sie einzeln in diese Sauce, die man zuletzt über die bergartig geordneten Poulardenstückchen gießt. Den Rand der Schüssel umgiebt man mit Aspikwürfeln.
^umorifiifd?es*
Aus der Philippika eines Antifeministen:
Den besten Beweis dafür, daß das weibliche Geschlecht von der Teilnahme am öffentlichen Leben ausgeschlossen bleiben muß, können Sie darin erblicken, daß man von einem Parteisührer getrost sagen kann: »das ist mein Mann!" während es lächerlich wäre, in einem solchen Falle zu sagen: »das ist meine Frau!" (»Münch. Jugend.")
* *
*
Höchste Anerkennung. Aeltere Dame (zu einer jüngeren, welche eben in einer Liebhaber-Vorstellung das Dienstmädchen gespielt hat): »Nein, wie reizend! Sie haben so natürlich gespielt, gerade so benahm sich mein letztes Mädchen, das ich seiner Frechheit wegen fortgejagt habe!"
In der Schule. Lehrer: »Fritz nenne mir 'mal ein Bindewort". — „Die Ehe".
Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


