Ausgabe 
30.3.1899
 
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als Sie vor Jahren mich trotzig verließen. Ich bewahre dieser Liebe eine treue Erinnerung, aber, Paul, Sie kennen meinen Lebensweg, Sie dürfen nicht jene Liebe von mir fordern, welche Mann und Weib für alle Ewigkeit verbindet diese Liebe vermag ich nicht mehr zu verschenken."

Elfte," entgegnete der junge Arzt fast erschreckt,sind Sie noch immer nicht von dem unseligen Wahn geheilt, der Ihrem Leben so verhängnisvoll geworden ist? Der Sie in der Blütezeit des Lebens zu einem stillen, einsamen Weibe gemacht hat? Der so viel Schmerzen, so viel Enttäuschung auf Sie gehäuft? Der Sie unglücklich gemacht hat?"

Hören Sie auf, Paul," unterbrach Elfte ihn lächelnd. Wohl mag meine Liebe ein Wahn gewesen sein, aber dieser Wahn hat das, was Sie alles aufführen, in Wirklichkeit nicht verschuldet. Mich hat jener Wahn, wie Sie es nennen, nicht unglücklich gemacht, mich hat er beglückt, mich hat er gebessert, mich hat er geläutert."

Aber Sie werden diese Liebe vergessen Sie werden sie vergessen müssen! Sie dürfen nicht einsam, still durch das Leben gehen Sie vor allen anderen nicht, denn Sie verdienen, daß der volle Sonnenschein des Glückes Sie um­wogt."

Der volle Sonnenschein des Glückes? Ach, ich bin zufrieden, daß mich ein einziger Strahl dieses Glückes ge­troffen hat! Er hat mich durchleuchtet, durchwärmt, geläutert für alle Zetten. Ich vermag mir kein anderes Glück mehr zu denken!"

Sie sind stolz, Elfte!"

Sie richtete sich empor, so daß er ehrerbietig, wie zu einer Fürstin emporsehen mußte.

Ja, das ist das rechte Wort," entgegnete sie tief auf­atmend.Ich bin stolz auf meine Liebe, stolz auf die Liebe des Mannes, der so weit, so unerreichbar weit über mir fleht. Ich würde Ihnen keine liebende Gattin sein können, Paul, wie Sie es wünschen, wie Sie es verdienen. Glauben Sie mir, wer erlebte, was ich erlebte, wer gefühlt, was ich gefühlt, der paßt nicht mehr in das enge Leben der muß entweder auf der Höhe des Lebens stehen, oder einsam und allein durch das Leben gehen, will er sich nicht selbst untreu werden, will er diejenigen, die ihn lieben, nicht betrügen. Lassen Sie uns Freunde bleiben, Paul, wie bisher. Ihnen blüht ein anderes, schöneres Glück, wie an meiner Seite, über deren Leben die Erinnerung ihre Schatten wirft, deren Herz in dem einzigen heißen Sonnenstrahl des Glückes, das es getroffen, verglühte und erlosch. Sehen Sie dorthin," setzte sie mit eigenem, weichem Lächeln hinzu,dort kommt Ihr Glück!"

In der Thür stand die in duftigem Weiß gekleidete Gestalt Klaras, die schelmisch lächelnd herübersah.

Paul atmete auf. Wohl schmerzten die Worte Elftes noch, aber es war ihm bei dem Anblick der jugendfrischen Gestalt Klaras, als träte er aus dumpfer Schwüle in das Sonnenlicht eines erfrischenden Maitages.

Tritt näher, Klara!" rief Elfte freundlich.

Darf ich?" entgegnete Klara mit scheu-verlegenem Blick auf Paul.Ich wollte den Herrn Doktor bitten, mich bet einem Liede zu begleiten."

Geht nur," erwiderte Elfte lächelnd.Nicht wahr, Paul, wir haben uns nichts mehr sagen?"

Nichts mehr . . ." flüsterte Paul mit leichtem Seufzer. Dann sah er in das bittend, halb schelmisch auf ihn ge­richtete Auge Klaras. Rasch bot er ihr den Arm/ glücklich lächelnd blickte Klara zu ihm auf und eilte mit ihm fort.

Elfte stand lächelnd da. Ein träumerischer, hoheitsvoller Zug überstrahlte ihr Antlitz. Einsam und allein, frei und stolz, wie der Aar über den sonnigen Thälern, über den eisbedeckten Spitzen des Gebirges schwebt, stand sie über dem Leben, über der Welt!--

(Fortsetzung folgt.)

Gründonnerstags- und Karfreitags-Gebräuche.

Bon H. Hahn.

------- !(Nachdruck verboten.)

Die BezeichnungGründonnerstag" entstammt den alten noch jetzt sehr verbreiteten Gebräuchen, an diesem Tage grüne Kräuter zu genießen, aber auch davon wird der Name abge­leitet, daß nach beendeter Kirchenbuße die Sünder als sünd- loseGrüne" wieder in die Kirchengemeinschaft ausgenommen werden. Trotzdem Gründonnerstag und Karfreitag zu den Festtagen der Kirche zählen, sind diese doch voll von Nach­klängen heidnischer Vorstellungen und Gebräuche. Nach Busch gilt der Gründonnerstag als einer der glücklichsten Tage des ganzen Jahres, und zwar sind die Altgläubigen in allen Teilen Deutschlands derselben Meinung. Cer Landmann säet an ihm so viel als nur möglich, denn die am Gründonners­tag gesäeten Aecker tragen reichliche Saat, und wenn oft Schneegestöber und Unwetter die Aussaat unmöglich macht, ist dies ein ungünstiges Vorzeichen für die Ernte. In Nord­deutschland wird am Gründonnerstag besonders gern Lein geiäet. Neffeln an diesem Morgen gesammelt, halten den Blitz fern. Fasten an ihm, schützt vor Zahnweh. Kräuter an ihm gepflückt, haben besondere Heilkräfte. Eier, die am Gründonnerstag gelegt werden, sind angeblich zu vielen Dingen gut; sie bewahren in Hessen vor Feuersnot; in Schwaben, wenn sie genossen werden, vor körperlichem Schaden; ja sie verleihen dem, der sie bei sich trägt die Gabe, Ver­borgenes zu erkennen. In Schlesien und Sachsen, auch an manchen Orten in Schwaben und Baiern, muß am Grün­donnerstag etwas Grünes, sowie Honig gegessen werden, dann hat man das Jahr über viel Geld. Die Nacht vom Gründonnerstage auf den Karfreitag hat Heilkräfte. In Schwaben reichen die Burschen ihren Mädchen dann mit Stöcken Bretzeln, die auf bunte Bänder gereiht sind, zum Fenster hinaus, welche, nüchtern gegessen, vor dem Fieber sichern. In Thüringen werden die Leute, die sich mit Sym­pathiekuren abgeben, in dieser Nacht von zahlreichen Kranken besucht. Busch erzählt uns auch von verschiedenen Zauber­bräuchen, welche am Karfreitag gut zu verwenden sind. Wenn man an demselben die Schuhe putzt, so können einem Schlangen und sonstiges giftiges Gewürm nichts anhaben. In Schwaben schneidet das Landvolk am Karfreitag Wünschel­ruten. Auch müssen an ihm des Nachts die Schlüssel ge­schmiedet werden, mit denen man das Reich der Hölle auf­schließen und den Teufel bannen kann. Drei Meister haben das stillschweigend zu thun; reden sie aber, so find sie dem Tode verfallen. Das Eisen dazu muß von einem Schwerte oder Beile herstammen, mit welchen Hinrichtungen vollzogen worden find oder auch aus den Nägeln eines verwitterten Sarges bestehen so behauptet schwäbischer Aberglaube. Am Karfreitag regen sich auch in Schwaben verborgene Schätze und find dann leicht zu heben. Geht man nachts auf einen Kreuzweg, so kann man vom Teufel Geld be­kommen. Wer in dieser Nacht um elf Uhr ein Ei in ein Glas Wasser schüttet und zerrührt, sieht am anderen Morgen an den Figuren, die sich daraus gebildet haben, welche Früchte im Herbst besonders geraten werden. Andere Volks­meinungen Schwabens betrachten den Karfreitag als Uu- glückstag. Man darf an demselben nichts von der Straße aufheben; denn die Hexen ziehen in der voraufgehenden Nacht umher und lassen da allerlei Böses fallen. Auch darf man an ihm nur von den allernächsten Verwandten Geschenke an­nehmen. Wer an ihm Wasser trinkt, leidet während des ganzen Jahres Durst, bei Stendal heißt es, am Karfreitag darf man nicht in den Garten gehen, weil es sonst Raupen giebt. In mehreren süddeutschen Gegenden herrscht der Aber­glaube, daß man am Karfreitag die Hexen in der Kirche sehen könne, denn sie müssen bei der Kreuzigung zugegen sein. Man gewahrt aber nur dann, daß sie Hexen sind, wenn man sich eine Saalwetde, die in derMarlerstunde" d. h. früh drei Uhr geschnitten ist, um den bloßen Leib ge-