Ausgabe 
30.3.1899
 
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Nachdruck verboten.

Die Armenhausprinzessin.

Roman von O. Elster.

(Forti etzung.)

Hier ist meine Arbeitsstätte," sprach Elfte mit ernstem Lächeln.Hier ist aber auch die Stätte der Erholung, der Erhebung, des Trostes und der Hoffnung. Sie glaubten, ich lebe in günstigen Vermögensverhältnissen alles, was Sie hier sehen, ist die Frucht meiner Arbeit, und um es zu erhalten, muß ich weiter arbeiten, weiter streben. Und ich fühle mich zufrieden dabei soweit im Menschenleben von Zufriedenheit die Rede sein kann. Im Winter beginnen meine Künstlerfahrten. Man sagt, ich sei eine berühmte Sängerin geworden ich muß es wohl glauben, denn man feiert mich allerorten, meine Kaffen füllen sich," setzte sie mit bitterem Lächeln hinzu.Im Frühling, im Sommer kehre ich hierher, in mein stilles Asyl zurück. Aber auch hier bin ich nicht unthätig. Meine Kunst hat mir manche Freunde beschert. Man bat mich, ich möchte Unterricht er­teilen. Ich sträubte mich zuerst, aber sie kamen immer wieder,- ich versuchte es mit einigen Schülerinnen, die mit rührender Liebe an mir hingen. Ich lernte ein neues Feld der Arbeit, des Genuffes, der inneren Befriedigung kennen und ich wurde ruhiger, zufriedener in dieser meiner Sommer- thätigkeit. Sie beglückt mich mehr, als die ruhmreiche Lauf­bahn der Künstlerin, als das glänzende Leben in der Welt. Wer weiß, ob ich nicht diese Laufbahn dereinst ganz verlasse und hier eine Musikschule gründe eine arme Musiklehrerin statt einer berühmten Künstlerin werde."

Ich bewundere Sie, Elfte!"

Wie ganz anders dies Wort aus Ihrem Munde klingt," entgegnete sie lächelnd,als in dem Munde meiner begeisterten

Donnerstag den 30. März

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ein Erdenglück ist schön, Schön nur des Glückes Traum,

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starre Felsenhöh'n Morgens ros'ger Saum, ist und schmerzhaft rauh, deine Hand schon hält:

Der Sehnsucht Thränentau

Verkläret dir die Welt. Stephan Milow.

Verehrer in der Welt da draußen. Doch Sie dürfen dieses Wort nicht gebrauchen, Paul. Zur Bewunderung ist kein Grund vorhanden. Ich thue meine Pflicht, wie jeder Mensch es sollte."

Sie fühlen sich glücklich in dieser aufreibenden Be­schäftigung ?"

, Glücklich?" Elfte blickte eine kleine Weile traum­verloren in den Garten hinaus.Was giebt uns die Anwart­schaft, das Recht auf das Glück, von dem wir in unserer Jugend träumen?" fuhr sie dann aufatmend fort.Sagten Sie nicht selbst vorhin, daß wir nur das Recht auf Arbeit besäßen, und daß es nicht auf den Platz ankommt, sondern darauf, wie wir den uns zugewiesenen Platz ausfüllen? Ich fühle mich ruhig und zufrieden in meiner Thätigkeit. Mehr zu verlangen sind wir nicht herechtigt."

Sie mögen recht haben, gifte. Wenn nur nicht die tief in unserem Herzen ruhende Sehnsucht nach dem Glück wäre! Das ist der Zwiespalt, der unser ganzes Leben durch­zieht und an dem so manches schöne, hoffnungsreiche Leben zu Grunde geht. Doch Sie werden nicht daran zu Grunde gehen, Elfte! Ich sehe, Sie sind stark und stolz geworden, Sie brauchen das Glück nicht, Sie haben den Zwiespalt unseres Menschenlebens überwunden."

gifte senkte schweigend das Haupt, gin Traum flog gleich dem Schatten einer Wolke, der über die sommerliche Heide huscht, durch ihre Seele, gin Traum von Glück und Seligkeit, ein goldener Märchentraum, der ein weiches Lächeln auf ihrem ernsten, stillen Antlitz hervorzauberte.

Paul erhob sich.Ich danke Ihnen, gifte, für diese Stunde, die mich gleich bei meinem Eintritt in die Heimat wunderbar erquickt und erhoben hat. Wenn ich eine andere Vorstellung von Ihrem Leben besaß, dann bitte ich Sie jetzt um Verzeihung. Und noch eine Bitte habe ich, gifte. Ge­statten Sie mir, daß ich von Zeit zu Zeit an Ihrem Tisch niedersitzen darf, daß ich mich erquicken, erfrischen darf in dieser Stille, in diesem Frieden, daß ich mich an Ihrem Wesen erheben darf, daß ich von Ihnen lernen darf, wie man über dem Leben steht, ohne das Leben zu verachten."

Sie legte mit ruhigem Lächeln ihre Hand in die seinige und sah ihn freundlich an.Kommen Sie so oft, wie es Sie hertreibt, Paul," sagte sie einfach und schlicht. Dann schieden sie mit einem stummen Händedruck.

Der junge Arzt lebte unter dem ginfluß Elftes auf, von der er sich einst in störrischem Jugendtrotz abgewandt, die er für immer verloren zu haben glaubte. Die Liebe zu dem blonden, blondlockigen Kinde hatte in seinem Jünglings-