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wenden Schnauze bis an die Decke- wir mußten sie fest­binden, um zu verhindern, daß die Deckbalken nicht versengt wurden. Sams Kiste wurde losgerissen, und ehe er sie packen konnte, gegen eine Pritsche geschleudert. Sie brach auf und ihr Inhalt stürzte heraus, wie eine Familie frei­gelassener Kaninchen ein wahrer Trödlerladen von Lumpen und alten Flaschen war es, der sich da entlud. Wir bemühten uns alle, ihm zu helfen, sein Eigentum aufzu­sammeln- aber während wir hiermit beschäftigt waren, ging die Lampe aus und Suds, der in einer der obersten Lager­stellen fest schlief, sauste plötzlich auf uns nieder. Teils schimpfend, teils lachend und aneinander zerrend, um wieder auf die Beine zu kommen, krabbelten wir nun im dunkeln herum, während Sam alle Seeflüche, die ihm nur einfielen, auf die Brigg herabrief.

Der Bedauernswerteste war aber Scum, der Koch. Nicht genug, daß in seiner Küche alles durcheinander krachte und polterte, war ihm auch ein Topf kalter Erbssuppe, bedeckt mit einer Schicht erstarrten Fettes auf den Kopf ge­fallen, als er bemüht war, eine ganze Ladung herunter gefallener Löffel, Messer und Gabeln vom Boden aufzusuchen. Die kalte Masse war dem Aermsten zwischen Haut und Hemd gelaufen und hatte seinen Magen, der ohnedem schon von dem ungewöhnlichen Schlingern des Schiffes in Unordnung geraten war, vollends umgekehrt. Er lag nun auf Deck, der arme Kerl, mitten unter seinen Schüsseln und Töpfen, elend zum Erbarmen, und mit einem Gesicht wie ein Kürbis. Vor Lachen war ich zuerst nicht imstande, ihm zu helfen, dann aber erlöste ich ihn und setzte ihn mit dem Rücken an die Außenwand der Küche, wo er sich in der frischen Luft allmählich wieder erholte.

Da der Befehl gegeben war, das Vorbram - Leesegel einzuziehen, stiegen der glückliche Billy und ich die Wanten hinauf, um die Spiere desselben etnzuholen.

Ich war gewöhnt, Masten zu erklimmen, die sehr viel höher waren als die derkleinen Lulu", mich auf Raaen auszulegen, welche noch einmal so dick und lang waren, als die ihrigen, und Segel zu handhaben, von denen eins groß genug war, die ganze Brigg damit zuzudecken - aber niemals, solange ich auf See war, hatte ich einen so schwierigen, un­angenehmen und gefährlichen Ausstieg unternommen, wie den, welchen ich jetzt wagte. Bei einer steifen Kühle oder starkem Winde holt ein Schiff niemals weit nach windwärts über; infolgedessen bildet das Takelwerk auf die Wetterseite immer einen mehr oder weniger stumpfen Winkel mit der See und bildet daher eine Leiter, welche sich gut zum Klettern eigpet. Aber jetzt ging die Brigg ebenso stark nach Back- wie nach Steuer-Bord über, so daß, wenn sie sich nach meiner Seite hin neigte, sie mich, wenn ich so sagen darf, auf den Rücken legte wie eine Fliege, die an der Decke kriecht- in dieser Lage glitten oft meine Füße von den Webelinen und ich hing frei mit den Händen über Wasser. Billy wäre um ein Haar aus der Fockmars gestürzt.

Als wir auf der Raa angelangt waren, fanden wir in ihr die reguläre Schaukel. In einem Augenblick wurden wir gen Himmel geschleudert, im nächsten flogen wir wieder zurück. Wir haben nur eine Hand zum Gebrauch frei, denn mit der anderen hingen wir an der Jagstag- wir brauchten daher mehr Zeit, den Baum einzuholen, als wir bet gutem Meter bedurft hätten, beide Leesegelspieren zu bergen.

Während dieser ganzen Zeit schrie uns der alte Wind­wärts fortwährend an und schalt uns faule Lümmel- er fand offenbar einen Genuß darin, mich vor Miß Franklin zu demütigen.; ich erkannte recht gut, mein Lachen bei ihrer Frage, ob er verheiratet sei, war mir nicht vergessen. Mochte er doch brüllen, soviel er Lust hatte, wir überstürzten uns deshalb doch nicht, ihm zu Gefallen wollten wir nicht den Hals brechen.

(Fortsetzung folgt.)

Der Essig.

Von Dr. A. Neuburger.

------- (Nachdruck verboten.)

Obwohl der Essig schon seit den ältesten Zeiten bekannt ist, datiert die heut meist gebräuchliche und für den chemischen Großbetrieb allein rationelle Methode seiner Darstellung erst aus dem Jahre 1823. Ueber die Vorgänge aber, die sich bei seiner Entstehung abspielen, sind wir erst seit den 60er Jahren dieses Jahrhunderts unterrichtet, d. h. seitdem Pasteur seine klassischen Untersuchungen über die Essigbildung veröffentlicht hat.

Das Produkt, welches wir im gewöhnlichen Leben mit dem NamenEssig" bezeichnen, ist seiner chemischen Zusammen­setzung nach weiter nichts, als ein Gemenge von wenig Essig­säure mit ziemlich viel Wasser. Die Essigsäure selbst, welche in der Chemie eine große Rolle spielt, und im Laboratorium, sowie in der Industrie wo sie zur Herstellung von Blei­weiß, ferner für Beizen zu Färberei- und Druckereizwecken dient vielfach zur Verwendung gelangt, wird gewöhnlich durch trockene Destillation des Holzes gewonnen. In allen Fällen aber, wo man sie in Form von Essig, also in starker Verdünnung erhalten will, benutzt man zu ihrer Darstellung den Alkohol. Der letztere hat die Eigenschaft, sich bei genauer Einhaltung gewiffer Bedingungen mit dem Sauerstoff der Luft zu verbinden; das entstandene Produkt ist dann der Essig. Pasteur hat die Bedingungen, unter denen die Verbindung vor sich geht, genau studiert und gefunden, daß, wie bei so vielen anderen Vorgänge», so auch hier, die Gegenwart eines Bakteriums, Mycoderma aceti benannt, stets und immer unerläßlich ist. Ohne dieses kleine Lebewesen bilder sich nie und nimmer aus Alkohol der Essig. Es dient gewiffermaßen, wie der technische Ausdruck lautet, als Sauerstoffüberträger. Da dieser Pilz sehr empfindlich ist und insbesondere von starkem Alkohol leicht abgetötet wird, so ist die weitere Be­dingung, welche bei der Eisigdarstellung stets eingehalten werden muß, eine gewiffe Verdünnung der alkoholischen Lösung, die nicht mehr als höchstens 12 Prozent Alkohol enthalten darf. Aus diesem Grundesäuern" schwache, alkoholarme Weine auch rascher, als starke. Da alle Bakterien nur innerhalb gewisser Temperaturgrenzen zu leben und sich fortzupflanzen vermögen, so ist ein ferneres Erfordernis die Einhaltung einer bestimmten Temperatur, die zwischen 20° und 35° C. liegt; auch für reichlichen Luftzutritt ist stets zu sorgen, weil die Essigbildung ja nur dadurch erfolgt, daß der Alkohol aus der Luft Sauerstoff aufntmmt. Als letzte Be­dingungen für ein gutes Gelingen wäre noch die Gegenwart geeigneter Nährstoffe für den Pilz zu erwähnen.

Die Materialien für die Essigbereitung sind schwach alkoholische Flüssigkeiten, also Wein und Weinabfälle, sowie Obstweine, welche alle die feinsten Esstgmarken, die soge­nanntenWeinessige" liefern. Geringere Essigsorten werden aus verdorbenem, saurem Bier, aus verdünntem Alkohol, zuweilen auch aus Rübensaft dargestellt. Da in England der Alkohol (Spiritus) mit einer hohen Steuer belegt ist, so verwendet man dort Getreide, und zwar Malz, das man mit Wasser auszieht. Dieser Auszug, die Würze, gährt beim Stehen, wobei sich Alkohol bildet, der danngesäuert" wird. Es entsteht so derGetreide"- oberMalzessig". Bis zum Jahre 1823, in welchem Schützenbach das sogleich zu besprechende Verfahren derSchnellessigfabrikation" erfand, stellte man allen Essig nach einer Methode dar, die besonders in der Gegend von Orleans und auch sonst in Frankreich üblich ist, und welche heute noch deshalb zur Anwendung gelangt, da sie Produkte von feinstem Aroma liefert. Diese Methode, Orleansverfahren" genannt, besteht darin, daß man Fäffer von 200 bis 400 Liter Inhalt, welche unter freiem Himmel stehen, zunächst mit starkem, siedendem Essig füllt; dadurch werden dieselben mit dem Eisigpilzgeimpft". Es wird dann vorerst eine kleine Menge Wem, etwa 10 Liter, nach­gegossen, der innerhalb acht Tagen sich in Essig verwandelt. Dann gießt man von neuem Wein nach! wenn dieser ge-