Samstag den 29. April
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ein Freund, mißachte nicht den ärmsten Mann, Wer weiß, er hat vielleicht ein Töchterlein, Das deines Lebens Sonne werden kann.
Auch keiner Winkelgassen Labyrinth
Sei dir zu finster; wohnt vielleicht doch dort Die Fee, die deines Glückes Fäden spinnt.
Und heuchelt einer, dem der Wahnsinn schon Im Auge flackert, kühle Weltmanier, Verachte nicht den Helden, lieber Sohn.
Und wird vor Tag und Tau schmucklos ein Sarg Verscharrt am Friedhofszaun, wer kennt die Qual, Die das zerschoss'ne Herz der Welt verbarg?
Ich bitte Christ, Jurist und Moralist:
'nen milden Spruch! Wer weiß, wie bald uns selbst All solche Rücksicht bitter nötig ist!
Arthur Fitger.
(Nachdruck verboten.)
Die kleine Lulu.
Seeroman von Clark Russell.
(Fortsetzung.)
Zuweilen sprach er so gut, daß mir der Gedanke kam, er habe das Ungrammatikalische, das Platt und Tee - Rotwelsch, mit welchem er manchmal seine Reden mischte, nur angenommen zum Zwecke irgendwelcher Täuschung. Dazu kam, daß er neben seiner, weit über das Maß eines Matrosen hinausgehenden nautischen Bildung auch, was zu damaliger Zeit sehr viel bedeuten wollte, gut lesen und schreiben konnte und auch französisch sprach.
Er harte in seiner Kiste einige Bücher und lag oft und las, während die anderen schliefen oder sich etwas erzählten. Zuweilen saß er mit einem offenen Buche in der Hand da, sah aber stier über dasselbe hinweg auf einen bestimmten Punkt und bewegte seine Lippen dabei, als ob er etwas auswendig lernte. Einst bat ich ihn, mir ein Buch zu leihen, und er warf mir den Band zu, welchen er in der Hand hielt. Es war ein altes Buch, schon vor hundert Jahren gedruckt und enthielt Hexen-Geschichten. Das ungeheuerliche Titelkupfer stellte eine alte Frau dar, die einer Katze die
Haut abzog. Einer der Leute, der mir über die Schulter blickte, brüllte:
„Hallo! Hier is des alten Windwärts Wiw, de smort en Düwels-Braden wedder dat Heimkommen von de Brigg!"
Darauf schrie Deacon:
„Gebt das Buch wieder her!"
Er sagte das so ernst und verdrossen, daß ich ihm sofort das Buch zurückwarf, um einen Zank zu verhüten.
Eine sonderbare Grille von ihm war seine Gewohneit, mit Bleistift oder Kreide Figuren auf Papier oder auf das Deck zu malen. Sowie sie fertig waren, vernichtete er sie aber wieder. In solchen Momenten war sein Gesicht eine wahre Studie. Seine gerunzelte Stirn, sein verächtlich verzogener Mund, seine funkelnden, aufgeregten Augen und flüsternden Lippen deuteten einen Grad von Vertieftsein an, welcher geradezu unverständlich war.
Eines Morgens, als ich ihn wieder mit einem Bleistift auf einem Blatt Papier arbeiten sah — er besaß ein leeres Log-Buch und riß sich aus diesem immer die Blätter heraus — ging ich zu ihm und bat ihn, mich sehen zu lasten, was er zeichnete.
Er bedeckte das Papier mit seiner Hand, blickte mich zuerst zornig an und dann umher, um zu sehen, ob meine Bitte Aufmerksamkeit erregt hätte. Nach wenigen Augenblicken indes verlor sein Gesicht den ärgerlichen Ausdruck und er sagte:
„Du hast mir das Leben gerettet, Jack, und ich gehöre dir mit Leib und Seele."
„Unsinn! Sei still davon. Ich will weder deinen Leib noch deine Seele," antwortete ich. „Ich wünsche bloß zu wissen, wer es ist, den du immer verstohlenerweise porträtierst?"
Er schien einen innerlichen Kampf zu bestehen, während er mich aufmerksam ansah. Meine Neugier war aufs höchste erregt und ich ging nicht vom Fleck, um abzuwarten, was er thun würde.
„Da," rief er, „du magst es ansehen," und dabei reichte er mir das Papier.
Da springt der alte Sam auf, welcher rauchend mit / geschlossenen Augen auf einer Kiste gesessen hatte, und schreit:
„Lat't uns seihn, Maat, lat't uns seihn!"
„Nein, nein," antwortete ich, „ehrlich Spiel) dies ist für mich."
Ich nahm das Papier ans Licht,- aber alles, was ich sehen konnte, war dies:


