— 688 ■*==
Staatsfinanzen gegen Schädigung durch Fälschung gesichert, allen Zwecken entsprochen und jedes Widerstreben der Papier- fabrikanten und Papierhändler beseitigt werden würde."
Das Verdienst die aufklebbare Briefmarke erfunden zu haben, eine Erfindung, die sich den größten aller Zeiten würdig zur Seite stellen kann, gebührt dem im August 1853 verstorbenen Buchhändler James Chalmers aus Dundee in Schottland. Lange Jahre hat der Streit über die Frage getobt, wer der Erfinder der aufklebbaren Briefmarke gewesen sei. Während sie bis vor einiger Zeit noch Hill zugeschrieben wurde, ist heute kein Zweifel mehr, daß Chalmers zuerst den wohldurchdachten Entwurf der aufklebbaren Poftmarke eingereicht und deren Verwendung für alle Fälle vorgeschlagen hat.
Der 6. Mai 1840 ist der Geburtstag der Briefmarke, die eine völlige Revolution im Postverkehr hervorgerufen hat. Seit diesem für alle Zeiten denkwürdigen Tage haben sich die Briefmarken tut Fluge die Welt erobert, und heute existiert in Europa kein Staatengebilde, das sich derselben nicht bediente, und auch in den fremden Weltteilen haben sie in allen zivilisierten Ländern festen Fuß gefaßt. Es ist nicht uninteressant, die Verbreitung der Briefmarke zu verfolgen, denn diese war keine schritt-, sondern sprungweise. Da ihre Wiege in England, also in der alten Welt, stand, sollte man naturgemäß annehmen, daß sie sich zunächst in den übrigen Ländern Europas verbreitet und erst von da ihren Einzug in die fremden Weltteile gehalten hätte. Dem ist jedoch nicht so. Die ältesten Marken nach den englischen find die Lokalmarken von Newhork, die schon im Jahre 1842 ansgegeben wurden. Nicht Europa, sondern Amerika war es also, das sich die englische Erfindung zuerst zunutze machte. Im Jahre 1843 folgten Brasilien, Genf und Zürich, 1845 Basel, Brakleborough und New-Haven, 1846 Baltimore, 1847 Mauritius, Providence, Alexandrien und die Vereinigten Staaten von Nordamerika mit der ersten Generalausgabe, 1849 Baiern, Belgien, Frankreich und Neu-Südwales, 1850 Hannover, Oesterreich, Preußen, Sachsen, Schleswig-Holstein, die Schweiz, Spanien, Britisch- Guhana, Viktoria, 1863 folgte die Türkei und endlich 1864 Mecklenburg-Strelitz.
Welchen Einfluß die englische Postreform von 1840 in Verbindung mit der Einführung der Briefmarke und der späteren Einführung der Postkarte sowie den Segnungen des Weltpostvereins ausgeübt hat, wird am besten durch den Verbrauch an Postwertzeichen illustriert.
In Deutschland wurden:
Briefmarken gestemp. Briefumschläge Briefmarken gestemp. Briefumschläge Briefmarken
gestemp. Briefumschläge endlich im Fiskaljahre 1892 1326 660 000 Briefmarken verbraucht.
. c,,s, , 1K,_ J 1535 000 int Fiskaljahre 1555 | 3 757 000
, , 1CQ, f 61248 000
im Fiskaljahre 1885 [ 11348 !00
in, 187» ! 646 750000
im Fiskaljahre 1878 s 5 251000
Die Briefumschläge wurden in diesem Jahre außer Gebrauch gesetzt. Noch besser zeigt den steigenden Verbrauch an Briefmarken in dm verschiedenen Jahren eine mit künstlerischer Vollendung hergestellte graphische Statistik im Postmuseum in Berlin.
Zum Schluß mögen die Worte, mit denen Suppantschitsch in seinem schon genannten Werke „Briefmarkenkunde" die Briefmarke in historischer und kulturhistorischer Beziehung feiert, hier Platz finden: „Die Briefmarke ist ein historisches Denkmal, wenn auch in zartester Form. Sie belehrt uns häufig darüber, welcher Sprache, welcher Schriftlichen sich ein Volk in einem gegebenen Zeiträume bediente, welchen Münzfuß, welche Regierungsform es hatte, wer es beherrschte usw. Eine geordnete Sammlung von Briefmarken eines Landes oder Volkes wird uns nicht selten ein getreues Bild seiner Geschichte zeigen. Ich brauche diesfalls nur' auf die Briefmarken von Spanien, Frankreich Mexiko usw. !zu
verweisen, welche uns über alle Wandlungen unterrichten, die diese Länder und Reiche in den letzten 40 bis 50 Jahren erlebt haben. Ob ein künftiger Geschichtsforscher jemals auf diese Quellen angewiesen sein wird, ist nicht entscheidend. Wett wichtiger als die historische ist die kulturhistorische Bedeutung der Briefmarke. Durch sie wurde das Postwesen auf eine neue Grundlage gestellt, sie hat den Postverkehr vereinfacht und verbilligt und die Völker mit einem Schlage aneinandergerückt. Dadurch, daß die Kulturnationen miteinander und mit kulturell minder entwickelten Völkern in leichteren und regeren Verkehr traten, verbreitete sich die Kultur, und dieser Erfolg ist demnach unmittelbar der Briefmarke zuzuschreiben. Die Postwertzeichen, welche mit den Posteinrichtungen der Völker in inniger Verbindung stehen, gewähren uns daher einen Einblick in dieselben. Aber auch noch in anderer Beziehung belehren sie uns. Betrachtet man nämlich die Postwertzeichen der verschiedenen Völker oder vergleicht man die kursierenden Marken mit den außer Kurs getretenen, so wird man wahrnehmen, welcher Unterschied sich in Bezug auf ihr Aussehen, auf ihre Vollkommenheit usw. ergiebt. Man wird finden, daß sich die Briefmarken ein und desselben Landes mehr oder minder gleichen und in ihrem Typus gleichsam ihr Land repräsentieren. Man wird weiter wahrnehmen, daß die Marken der großen Kulturnationen auch durch ihre technische Vollendung jene der minder entwickelten Völker überragen und daß die späteren Emissionen häufig schon einen bedeutenden Fortschritt in der Technik ihrer Erzeugung gegen die ersten Ausgaben bekunden. Wir werden also durch die Briefmarke ein Bild gewinnen, auf welcher Stufe der Entwickelung sich bei einem Volke die Graveurkunst, die Buchdruckerei und die Papierindustrie befinden, und welche Fortschritte eö in den letzten 40 bis 50 Jahren darin gemacht hat."
Literarisches.
Deutsche Poetik von Prof. Dr. Johannes Minkwitz. Dritte Auflage. In Originalleinenband 2 Mark 50 Pfg. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Die Kenntnis der Poetik ist nicht allein für den schaffenden Dichter nützlich, sie ist auch wichtig für die weiten Kreise, die in der Beschäftigung mit der schönen Litteratur wahren Genuß finden wollen. Denn die Poetik bezweckt nicht allein, Dichter zu erziehen und ihnen die Wege zu ebnen, sie ist vielmehr auch dadurch von großer Bedeutung, daß sie für jedermann die Einsicht in die Schätze der Dichtkunst eröffnet und steigert. Nicht zu übersehen bleibt, daß das Verständnis der poetischen Kunst auch dem Urteil über Poesie und poetische Leistungen der Gegenwart zu Hilfe kommt. Was Praxis und Theorie, verbunden mit akademischer Lehrthätigkeit, in einer Reihe von Jahren auf dem Gebiet poetischer Kunst zu erkennen und zu lehren den Verfasser in den Stand gesetzt haben, das bietet er in klarer, lichtvoller Ausarbeitung in dem handlichen Büchlein dar, das heute schon in dritter Auflage vorliegt.
Katechismus des guten Tons und der feinen Sitte von Eufemia v. Adlersfeld, geb. Gräfin Ballestrem. Dritte Auflage. In Originalleinenband 2 Mark. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Fast alle Werke über den „guten Ton" leiden an dem Fehler, durch zu viel Beiwerk den Lernenden zu verwirren, ihn dadurch unsicher zu machen und namentlich der Natürlichkeit bei der versuchten Anwendung des Gelernten zu berauben. Diesem empfindlichen Uebelstand will das vorliegende Büchlein der geistvollen und lebensklugen Verfasserin abhelfen. Daß die der Geburtsaristokratie angehörende Schriftstellerin das richtige getroffen hat, beweist die bereits nach wenigen Jahren notwendig gewordene dritte Auflage. Alle Ratschläge sind in anregendem Konversationston erteilt und geistreich erörtert. Das nicht nur unaufdringlich belehrende, sondern selbst unterhaltende Merkchen sei namentlich allen denen auf das wärmste empfohlen, die sich durch Talent und Fleiß in höhere Gesellschaftskreise hinaufringen und diesen nun auch in Bezug auf die feine Sitte ebenbürtig sein wollen.
Magisches Dreieck.
____—__________ In die Felder nebenstehender Figur find die Buchstaben a bb, e e, 1 1 1 1, n, r r ——--u u derart einzutragen, daß die einander
entsprechenden wagerechten und senkrechten
’ Reihen gleichlautend folgendes ergeben:
__1. Fremdländische Münze.
2. Ein Gebirge.
—____ 3. Ungarischen Titel.
4. Teil von Elsaß-Lothringen.
-- 5. Einen Buchstaben.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Rt6gltien: <6. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen UmversitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Meßen.


