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ersten Stunde über so wichtige Dinge entscheiden. Vor allem soll doch Marie für das Hauswesen herangebildet werden." Donnerwetter, klingt das ernst,Hauswesen". Pferde gehören doch auch zu einem richtigen Hauswesen, für welches Marie herangezogen werden soll. Oder willst Du eine kleine Beamtenfran daraus machen?"

Ich will vor allem ein tüchtiges Menschenkind daraus machen, und dazu wäre das Reiten nicht so notwendig, wie Dir's vielleicht scheint, Franz. Uebrigens, wenn Marie durchaus will, werde ich sie nicht daran hindern, in bestimmten Grenzen, heißt das."

Beruhige Dich, Papa, ich will ja gar nicht, es war ja nur so eine Idee von mir, wenn es Dir selbst Freude gemacht hätte."

Wirklich, ist das Dein Ernst?«

HolauS sprach es völlig verwandelt, im Tone inniger Freude.

Nun, dann reite nur mit Onkel Herrmann, so viel Du willst. Ich bin nicht so griesgrämig, wie ich aussehe, nur den guten Willen muß ich sehen."

Mußt' es ja, daß es Dir nicht so ernst ist, alter Junge," meinte Franz.Das Wiedersehen hat Dich halt ein bischen gepackt, die Freude. Ist auch eine Freude! Was für eine Freude!"

Die glänzenden, schwarzen Augen verschlangen das schöne Mädchen.

Jetzt komm nur gleich mit, Kousinchen, ich habe Dir viel zu zeigen. Frau Opel hat die Güte und macht die Garde-dame."

Geh' doch mit, Papa!"

Aber geh' doch, Kind, geh' doch! Ich habe noch dringende Arbeit. Ich komme vielleicht nach. Geh' nur!"

Herrmann reichte Marie galant den Arm.

Sie ergriff ihn mit sichtlichem Wohlgefallen, nickte dem Vater noch einmal zu und verschwand, gefolgt von Frau Opel.

Holaus blickte auf die sich schließende Thür und wischte sich den Schweiß von der Stirn.

Das war es, was er gefürchtet Franz!

War er nicht ein Greis neben ihm, dem kraftstrotzenden, lebenslustigen Manne? Aber er war ja der Vater in ihren Augen, überhaupt kein Mann in diesem Sinne, und alles, was er für ,ste empfand, konnte nur als Kindesliebe zum Bewußtsein kommen.

Was hatte er aber für Verpflichtungen, die Rolle des Vaters weiter zu spielen? Ihr die Wahrheit sagen, daß er nicht der Vater? Und wenn er dann nicht der Geliebte ist, wenn ein anderer es ist, dieser Herrmann, was bleibt ihm dann? Nichts! die absolute Leere.

Ja, liebt er denn wirklich? Er, der gereifte Mann, ein Kind, das unter seinen Händen aufgewachsen? Liebt er denn das Weib in dem Kind? Oder liebt er nur seine That, sein Geschöpf?

Ein Helles Lachen drang durch das offene Fenster. Holaus eilte hin.

Da schritten sie beide durch die Kastanienallee den Ställen zu. Er sprach lebhaft auf sie ein, sie drohte lachend mit dem Schirme ein schönes Paar!

Dieser Franz, war er nicht im Begriff, die Liebe des Mädchens für sich zu gewinnen?

Er konnte ihm ja nicht einmal den geringsten Vorwurf machen. Was sollte der Vater gegen eine Verbindung mit dem Sohne seines Wohlthäters haben?

Entsetzlich! Uud doch nein!

Nicht gegen die Verbindung, den Freund, nicht gegen den Sohn seines Wohlthäters sträubte er sich, sondern gegen die Verbindung mit einem Manne von schlechten, moralischen Grundsätzen, der die Unschuld seines Herzens schon längst eingebüßt.

Da lachte er plötzlich grell auf, schüttelte das Haupt und ließ sich auf den Lehnstuhl fallen vor dem Schreibtische,

schlaff, ermattet, so verzweifelt, so mutlos, wie damals auf der Bank im Parke.

Marie unterhielt sich vortrefflich mit Onkel Herrmann. Er bot mit seinem starken Temperament, seiner heiteren Lebensauffassung einen lebhaften Kontrast mit dem Vater- welcher ihrem Eintritt in das Haus einen so ernsten Charakter gab.

Und dabei war er ja selbst ein Mann der Arbeit, rastlos thätig im Geschäfte.

Wie schade, daß der gute Papa das nicht zu vereinigen wußte.

Der Stall war Herrmanns Stolz, und diese Ablenkung vom nüchternen, aufreibenden Geschäfte durch den Sport, welcher bei ihm nie in nutzlose Zeitverschwendung ausartete, verlieh ihm diese frische Männlichkeit, diese Elastizität des Körpers, die ihn äußerlich so vorteilhaft vor dem Freunde auszeichnete.

Allerdings machte sich dieselbe auch in weniger günstiger Weise geltend. Er stand in dem Rufe einesSchwere­nöters". Ein Beiname, mit welchem nur zu oft zügel­lose Begierde und eine leichtfertige Lebensauffassung in Bezug auf das andere Geschlecht mit falscher Milde belegt wird. Bis zu einem gewissen Grade war das auch bet Herrmann der Fall, welcher alle feinen Empfindungen auf diesem Gebiete, in dieser Stall- und Sportatmosphäre seiner freien Stunden längst eingebüßt.

Er war selbst überrascht von dem starken Eindrücke, welchen dieses jugendliche, reine, seinen gewohnten Neigungen so ferne stehende Wesen auf ihn machte.

Unter den obwaltenden Umständen, bei seiner engen Verbindung mit Freund Holaus mußten unwillkürlich weitere, ernstere Gedanken in ihm aufsteigen.

Was lag denn näher, als daß er, den mit Holaus tausend Fäden verknüpften, sein Schwiegersohn wurde. Der Vater selbst sprach noch kurz vor seinem Tode davon.

Er war ein Mann von 32 Jahren, in den besten Verhältnissen, völlig unabhängig, des Junggesellenlebens längst satt.

Was die auch für ihn etwas dunkle Geburt Mariens betraf, Holaus äußerte sich darüber nie bestimmt ihm gegenüber, so war er frei von allen Vorurteilen, für ihn war sie die Tochter seines Freundes, ein wohlerzogenes, engelreines Geschöpf, über alles andere, grübelte er nicht.

(Fortsetzung folgt.)

Zm Geschichte der Briefmarke.

Von Dr. I. Wiese

------- (Nachdruck verboten.)

Ueber die geplante Einführung der neuen Reichspost­marken, die in letzter Zeit in der Oeffentlichkeit besprochen wurde, herrscht in allen Kreisen eitel Jubel und Freude. Die Geschäftswelt empfindet es als ein Entgegenkommen der Reichspostbehörde, daß sie ihr gleichsam als Neujahrsgeschenk zum Jahrhundertwechsel Marken in neuer Höhe zu 30, 40 und 80 Pfg., sowie zu 1, 2, 3 und 5 Mk. bescheren will- des Künstlers Auge ruht mit Wohlgefallen auf dem künstlerisch wirkungsvollen Markenbilde, der Politiker verspricht sich von der Einführung das Aufgeben des Reservatrechtes der beiden süddeutschen Staaten und möchte hierin einen weiteren Schritt auch zur äußeren Beurkundung der deutschen Reichseinheit sehen, und der Philatelist, der Briefmarkensammler nun, er freut sich schon über die Thatsache, daß er nun seiner Sammelwut noch mehr zu fröhnen vermag als vordem. Nur wenigen aber dürfte es bekannt sein, daß das kleine Wunder- ding, das wir täglich vor Augen haben, verhältnismäßig jung an Jahren ist, und die A-ltesten unter uns wissen sich noch der Zeit zu erinnern, da dieses uns jetzt so unentbehrlich erscheinende, völkerverbindende Mittel zur Erleichterung des Verkehrs nicht bestand.