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hat viel, viel mehr auf dem Kerbholz als unsereiner. Ist dem Apotheker durch die Küche gelaufen und weiß mit Giften Bescheid."

Homann schüttelte sich, und der Polizeirat machte sich etliche Notizen.

Er hat hier in der Luisenstraße eine Privatwohnung," sagte er.

Ja, aber ob Sie ihn dort finden, das ist die große Frage. Leicht zu fangen wird der schlaue Fuchs nicht sein."

Danke für den guten Rat, Homann," entgegnete der Polizeirat trocken und ließ dem Verbrecher das Protokoll vorlesen und von ihm unterschreiben.

Ich hoffe, Herr Polizeirat, mein offenes Geständnis wird günstig für mich wirken," sagte Homann noch, als er abgeführt ward, und verabschiedete sich mit einer Verbeugung, als habe er soeben einen freundschaftlichen Besuch beendet.

Polizeirat Reder ließ sofort einen seiner gewandtesten Beamten zu sich rufen und beauftragte ihn mit der Beob­achtung und Verhaftung des Dr. Corbus, schärfte ihm aber dabei ein, mit der größten Behutsamkeit zu Werke zu gehen, da er aus Rücksicht auf die Familie Helldorf jedes Aufsehen zu vermeideü wünschte.

Das Verhör hatte in einer späteren Nachmittagsstunde stattgefunden, da die Nachricht vom Vorkommen der Aktien erst nach Schluß der Börse bei der Polizei eingegangen war. Um dieselbe Zeit suchte Corbus die Kommerzienrätin Helldorf auf.

Auch er hatte sich an diesem Vormittag auf der Börse befunden, zu deren eifrigen Besuchern er gehörte, da dort häufig Dinge vorkamen, die für ihn von Interesse waren. Kommerzienrat Helldorf, den er flüchtig gesprochen, hatte soeben die Mitteilung von dem Auftauchen der Aktien er­halten und ihm die Neuigkeit arglos erzählt.

Jetzt wußte er, daß seines Bleibens in Berlin nicht mehr sein konnte.

Homann hatte ganz richtige Schlüsse gezogen.

Auf die Verschwiegenheit des seltsamen Spießgesellen un­bedingt bauend, hatte er sich sicher gefühlt, ihm aber seiner­seits dadurch gelohnt, daß er seine Gefangenschaft benutzt, um einen Teil der Aktien zu Gelde zu machen. Das war ihm auch in Wien und Budapest, wohin er zu diesem Zwecke eine Kunstreise unternommen, ganz vorzüglich gelungen, nur hatte er kein Geld mit zurückgebracht. Es war wieder alles am Totalisator und in einer verborgenen Spielhölle der ungarischen Hauptstadt geblieben.

Jetzt hatte sich für ihn das Blatt in bedenklicher Weise gewendet. Er wußte genau, daß, wenn nicht heute, so doch spätestens morgen Homann mit dem Auftauchen der Aktien bekannt gemacht werden und so die von ihm geübte Untreue erfahren würde. Er durfte kaum zweifeln, daß er diese durch den Verrat seines Mitschuldigen vergelten würde nur schleunige Flucht konnte ihn retten. Er war aber wiederum ganz von Mitteln entblößt.

Eugenie, ich muß Geld haben!" mit diesen Worten trat er bei der Kommerzierätin ein, die soeben von einer Ausfahrt mit Hermine zurückgekommen war und mit Hilfe ihrer Jungfer die Straßentoilette mit der Hauskleidung vertauscht hatte.

Schon als ihr der Doktor gemeldet worden, war sie, nichts Gutes ahnend, erschrocken znsammengefahren, hatte aber nicht gewagt, ihn abweisen zu lassen, bei seiner brüsken Anrede stieß sie einen Schrei aus und bedeckte das Gesicht mit den Händen.

Ich habe nichts!" murmelte sie.

So schaffe etwas, ich muß ich sage Dir, ich muß Geld haben und zwar auf der Stelle."

Nimm meinen Schmuck, das ist das einzige, was ich noch besitze."

Du hast mir den schon öfter angeboten, und ich habe Dir immer gesagt, daß ich ihn nicht gebrauchen könne,"

entgegnete er nachdenklich.Aber gieb ihn her, es ist für alle Fälle."

Sie atmete auf, in der Hoffnung, sich damit loszukaufen, eilte an ihren Schmuckschrank und händigte ihm mehrere Etuis ein. Mit beifälligem Nicken leerte er einen nach dem andern, schob den Inhalt in seine Tasche und sagte dann:

Das ist für später, wenn die Grenzen des deutschen Reiches erst hinter mir liegen, denn daß Du es nur weißt, Eugenik, ich muß fort, so schleunig wie möglich, und wahr­scheinlich auf Nimmerwiedersehen."

Sie fuhr zusammen. Ein Freudenschein flog über ihr blasses Gesicht.

Freust Dich, mich los zu werden," spottete er.Hast freilich auch alle Ursache dazu, denn wenn man mich hier fest macht und zum Sprechen bringt, so erzähle ich allerlei Geschichten aus alter und neuer Zeit."

In den Mienen malte sich der Ausdruck des Entsetzens.

Du stehst in Gefahr, verhaftet zu werden? Weshalb?" Hat Dein lieber Herr Gemahl heute bei Tische nicht davon erzählt, daß Aktien aus dem Sommerschen Diebstahl an der Börse zum Vorschein gekommen find? Er war ja ganz voll davon."

Ja das hat er. Aber was geht das Dich an?"

Er beugte sich ganz nahe an ihr Ohr und flüsterte ihr etwas zu. Sie fuhr zurück als habe eine Schlange sie ge­stochen.

O, Balthasar, wie konntest Du!"

O, Eugenie, wie konntest Du!" parodierte er. Man hilft sich, so gut man kann. Mir ist es nicht beschieden ge­wesen, auf einen Wurf das große Los zu gewinnen- ich habe immer von neuem wieder anfangen müssen, das verwünschte Geld erhält, sobald ich es mit den Händen berühre, die Eigenschaft, sich zu verflüchtigen. Ich bin ganz blank und brauche zu meiner Reise notwendig einige tausend Mark, so viel es eben sein können".

,)Der Schmuck ist so viel wert".

Gewiß, nur kann ich meine Hauswirtin nicht mit einer Brosche bezahlen und keinen Fahrschein für eine Spange lösen. Hier nur ein Stück davon zu verkaufen, hieße der Polizei geradezu in den Rachen rennen. Werde ohnehin schon alle möglichen Künste aufwenden müssen, um ihr zu entgehen".

Ich wiederhole Dir) ich habe kein Geld!"

Eugenie, bringe mich nicht zum äußersten!" raunte er, sie beim Arme packend, ihr ins Ohr:Ich schwöre Dir zu, ergreift man mich, schickt man mich aufs Zuchthaus, dann dann gehe ich nicht allein. Dann erzähle ich der Welt eine Geschichte, wie man Frau Kommerzienrätin wird".

(Fortsetzung folgt.)

Tief im Walde.

Rovellette von H. Waldemar.

--- lNachdruck verboten^)

Kurt von Bewern brach, nachdem ihn der Arzt ver­lassen hatte, in ein schallendes Gelächter aus.

Nervös? Als ob ich ein zimperliches Frauenzimmer wäre und nicht ein Mann, der an Länge und Breite manchen andern schlägt! Waldluft, Einsamkeit, äußere und innere Ruhe den Teufel auch, was sich Doktor Martienssen wohl einbildet? Ich und Ruhe! Sehe ich denn wirklich aus wie ein Todeskandidat?"

Er erhob sich langsam, nicht so elastisch und frisch tote, ein junger Mann von dreißig Jahren, und trat vor den Spiegel.Blaß" fuhr er, sich kritisierend fort,das ist nicht zu verwundern, wenn man ein Nervenfieber hinter sich hat, auch die Magerkeit kommt daher na, alter Junge, zum Verlieben siehst Du gerade nicht aus mit den tiefliegenden Augen, dem scharfen Zug um Mund und Nase Gesamteindruck: Martienssen hat Recht, so kann ich mich nirgends sehen lassen. Also Kurt, wohlbestallter

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