<
A j|
SIwiE"
reie Mitteilung der Wahrheit ist das schönste Vereinigungsband, A welches die Welt der Geister zusammenhält. Die Wahrheit ist gemeinsames Erbgut der Menschen, frei wie der Aether, und von Myriaden zugleich zu genießen, ohne sich je zu verzehren.
Fichte.
(Nachdruck verboten.)
Schuldig.
Erzählung von F. Arnefeldt.
(Fortsetzung.)
Reder gab durch eine Gebärde zu erkennen, daß die Vornehmheit ihm nicht allzuviel ausmache.
„Ein naher Verwandter der Frau Kommerzienrätin Helldorf und dort so zu sagen Hausfreund".
„Aber der Kommerzienrat Helldorf ist ja der nächste Freund des Bankier Sommer", sagte der Polizeirat erstaunt.
„Und Sommer hat mit dem feinen Herrn am zweiten Ostertag beim Kommerzienrat zu Mittag gegessen, während ich bet ihm die Wände einschlug. Die grobe Arbeit hat er mir überlassen, aber ausgeheckt hat er den ganzen Plan, und als es ans Teilen ging, da war er zur Stelle und nahm den Rahm ab. Zuletzt hat er sogar den Sommers noch großmütig seine Hilfe angeboten und sogar als Teilnehmer ins Geschäft treten wollen- der Affessor Sommer hat ihn aber ablaufen lassen, scheint eine ziemlich feine Nase zu haben, der junge Mann".
„So sagen Sie doch endlich, wie er heißt".
„Ach, er hat viel Namen, aber derjenige, unter dem er sich hier angemeldet hat, mag ja wohl der richtige sein, da er unter demselben auch beim Kommerzienrat aus- und eingeht. Er heißt Dr. Corbus".
Der Polizeirat fuhr auf: „Dr. Corbus, der Afrikareisende !"
„I, da mag er meinetwegen auch gewesen sein", lachte Homann.
„Der große Reichtümer vom Kap mitgebracht haben soll?"
„Na, damit wird es sich wohl halten lassen", lachte Homann hämisch. „Als ich ihn zuerst kennen lernte, da war er arm wie eine Kirchenmaus".
„Wann war das?"
„Im vorigen Oktober beim Rennen in Baden-Baden. Wir verabredeten damals schon, nach Berlin zu gehen und
etliche Bankiers aufs Korn zu nehmen, die Sache mußte aber bis gegen das Frühjahr aufgeschoben werden. Eigentlich war's auch auf den Kommerzienrat Helldorf abgesehen, Corbus, der die Gelegenheit auskundschaftete, sagte aber, dort wäre nichts zu machen, wir könnten uns nur die Finger eklig verbrennen. Da mußten wir uns denn mit der Sommer'schen Sache begnügen, obwohl sie lange nicht so viel eingebracht hat, wie wir dachten, und nun hat mich dieser Schuft auch noch so niederträchtig betrogen".
Der Polizeirat lächelte. Homann deutete das sehr . richtig und rief eifrig:
„Nein, nein, Herr Rat, wir mögen nun Geschäfte machen, was für welche wir wollen, unter uns ist es nicht Mode, daß wir uns beschuppen, das kann nur bei solchem vornehmen Herrn vorkommen*. Er sprach die letzte Bezeichnung mit tiefer Verachtung aus.
„Was hat er gethan?"
„Wir haben das bare Geld geteilt, und schon da hat er mehr genommen als ich, weil er augenblicklich so blank war, und ich hab's mir gefallen lassen. Die Aktien hat er aber ganz in Verwahrung behalten, weil sie bei ihm sichrer aufgehoben wären als bei mir, und mir endlich auf mein Drängen ein paar Stück herausgegeben, die ich verkaufen wollte."
„Und dabei sind Sie denn auch abgefaßt worden," lachte der Polizeirat. „Bei dem Herrn Dr. Corbus wird man also den Rest der gemachten Beute finden?"
„Ja, und wenn ich schon nichts mehr davon haben soll, so gönne ich sie doch jedem andern lieber, als diesem Erzgauner. Ich hab' mein Versprechen gehalten und ihn nicht verraten, wenn Sie mir hier auch arg zugesetzt haben, und der denkt, derweil ich brumme, kann er alles zu Gelde machen und gute Tage sehen. Nein, Brüderchen, da hast du die Rechnung denn doch ohne Homann gemacht."
In dieser Weise tobte er noch fort, und der Poltzeirat ließ ihn gewähren- er wußte, daß bei solchen ZornesauS- brüchen von sonst sehr vorsichtigen Verbrechern leicht Dinge zu Tage kommen, deren Kenntnis der Polizei sehr nützlich werden konnte. Endlich unterbrach er ihn aber mit der Frage:
„Wissen Sie Näheres von dem Vorleben des Dr. Corbus?"
Homann zuckte die Achseln. „Nicht viel, und wer kann sagen, was Wahres daran sein mag. Studiert wird er ja wohl haben, denn er kann reden wie ein Buch, und den vornehmen Herrn spielt er aus dem ff, ich glaube aber, er


