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Gemeinnütziges.
Carbolinenm, sonst ein gutes Konservierungsmittel für Holz, ist Pflanzen schädlich. Man streiche damit niemals Pflanzenkästen, Spaliere, Baumpfähle. Der Tod ist sonst den Pflanzen sicher.
Gesundheitspflege.
Gegen Hüftweh. Als ein recht zuverlässiges Mittel bei Hüftweh, wo die Schmerzen fast unerträglich sind und der eine oder andere Schenkel kaum bewegt werden kann, bewährt sich die äußerliche Anwendung von Schwefelblüte, welche in folgender Weise vorgenommen wird: Ein mehrfach zusammengelegtes, längliches Tuch wird dick mit Schwefelblüten, bestreut und dann so um das erkrankte Bein gewickelt, daß die schmerzhaften Stellen mit dem Schwefel in Berührung kommen.
Wie man Blutungen schnell stillt. Jedem Menschen kann es passieren, daß er sich bei der Arbeit irgend verletzt, und die Wunde stark zu bluten beginnt. Im ersten Augenblick herrscht in solchen Fällen Kopflosigkeit, und man weiß nicht schnell, wie man die Blutung stillen soll. Für solche Fälle möge man sich das folgende einfache, aber sehr wirksame Mittel merken: Nimm Watte, tauche sie in heißes Wasser und lege sie dann auf die Wunde. Der Erfolg ist überraschend, selbst bei Verletzungen der Pulsadern. Bloß Watte auflegen oder Watte in kaltes Wasser getaucht, soll nicht diese überraschende Wirkung haben. Als Blutstillungsmittel kann auch Arnikatinktur, stark mit Wasser verdünnt (10 Tropfen auf l/s Liter Wasser) versucht werden. Starke Blutungen, namentlich aus Adern, müssen durch Aerzte behandelt werden. Als innerlich kühlende Mittel sind Himbeersaft und andere Fruchtsäfte zu empfehlen.
Ei« gutes Mnndwaffer, das gegen schwammiges Zahnfleisch, Lockerh it der Zähne re. sich bewährt hat, wird auf folgende Weise bereitet: Man nehme 20 Gramm Myrrhen und löse sie in 250 Gramm starken Weingeist auf, setze 20 Gramm Löffelkrautspiritus, 20 Gramm zerschnittene Brombeerblätter, 20 Gramm Salbeiblätter, 20 Gramm Pfefferminzblätter und 100 Gramm guten Weinessig zu, lasse das Ganze einige Tage in der Wärme ziehen und presse es dann durch ein Tuch. Mit dieser Tinktur, die man beim Gebrauch mit etwas Wasser verdünnt, wäscht man bei den genannten Leiden täglich mehreremale die Zähne und Zahnfleisch. Stärker verdünnt kann man die Tinktur auch zum Ausspülen des ganzen Mundes verwenden.
Alumenpflege.
Frisch gepflanzte Rosen, welche nicht angehen wollen, bewickle man mit feuchtem Waldmoos vom Erdboden bis in die Krone und trage Sorge, daß das Moos stets feucht bleibe. Durch dieses Umwickeln wird der Stamm in regelmäßiger Feuchtigkeit erhalten, und,der Saftumlauf der Pflanze ist ein bedeutend besserer. Besonders wenn die Sonne scheint, muß noch außerdem in den Erdboden um den Stamm herum eine gute Vertiefung gemacht werden, welche allabendlich mit Wasser gefüllt wird und in welche man zum Zwecke des besseren Einziehens des Wassers mit einem Stab Löcher bis zu den Wurzeln stößt. Man kann auch mit Hilfe einer im Boden befestigten Stange über der Rose ein Gefäß anbringen, aus welchem regelmäßig etwas Wasser in das Moos sickert und dieses feucht hält. Es dürfte sich dazu vielleicht auch ein größerer Blumentopf empfehlen, welchen man vermittelst vier in die Erde gesteckter Pfähle, welche oberhalb der Krone zusammenlaufen und mit einem Drahtring verbunden sind, über die Mitte der Pflanze befestigt. In das Abzugsloch des Topfes steckt man ein Stück Holz so, daß noch etwas Raum zum Heraussickern des Wassers bleibt, und hält den Topf stets mit Wasser gefüllt.
Convallarla mnltiflora (vielblumiges Maiglöckchen). Dasselbe, obgleich auch zum Maiblumenzwiebelgeschlecht gehörig, ist von der gewöhnlichen Maiblume ganz verschieden, hat eine langgestreckte, knollige Wurzel und macht einen gegen 50 Ctm. hohen Blütenschaft, an welchem die zierlichen, walzenförmigen weißen und grüngeränderten Blümchen oder Glöckchen in Menge erscheinen. Der Blütenschaft trägt sich gebogen, ist bis zur Spitze mit Blättern versehen und die Glöckchen sitzen nicht, wie bei den gewöhnlichen Maiblumen, einzeln, sondern truppweise an diesem und duften auch recht lieblich. Will man diese Sorte im Garten pflanzen, so erhält sie einen etwas schattigen Standort, ebenso auch, wenn sie auf künstliche Steinpartien gebracht werden soll. Sie läßt sich aber auch in Töpfen ziehen und für den Winterflor treiben.
Vermischtes.
Einen vielversprechenden Weg -er Wirtshaus-Reform beschreitet man in England, und man hat Ein großes dabei schon erreicht: daß niemand mehr nötig hat, ein Alkohol- Wirtshaus aufzusuchen, um Hunger oder Durst zu stillen, um sich zu unterhalten oder auszuruhen. Vereinzelte Wirtschaften ohne Bier und Schnaps, wie wir sie auch bei uns haben, finden wir in England schon seit der Mitte dieses Jahrhunderts, aber in rechten Gang kam die Bewegung erst in den siebziger Jahren durch einen ehemaligen Säufer, Simon Short. Er richtete erst kleinere Kakaoschenken ein und hatte damit Erfolg; dann gründete er Aktien-Gesellschaften zur Bewirtschaftung von Kaffeeschenken, lernte die Männer und Frauen an, die sie leiten sollten, und wußte überall für das Werk Stimmung zu machen. Und heute giebt es nicht blos in den englischen Städten, sondern auch in vielen Dörfern solche alkoholfreie Wirtschaften in Menge, teils in Privathänden, teils im Besitze von Aktien-Gesellschaften. Es sind Wirtschaften für alle Klassen und Kassen da; in allen ist der Thee das wichtigste Getränk, daneben finden wir Kaffee, Kakao, Milch, Sodawasser und im Sommer namentlich Zitronenlimonade, aus den Zitronen selbst durch Auskochen bereitet, sehr billig und angenehm durstlöschend. Jngwerbier und andere Getränke sind weniger wichtig. Ein Teil der Wirtschaften bietet Mittagessen: der größere Teil hat sich jedoch nur auf leichtere Mahlzeiten eingerichtet: Butterbrote, kaltes Fleisch, Eier, Pasteten, Süßigkeiten; daran wird mehr verdient, und der größere Teil der Gäste nimmt die Hauptmahlzeit auch lieber zu Hause ein. Wenn unsere Konditoreien die Hälfte von ihren Süßigkeiten aufgeben und dafür Brot, Schinken, Wurst, kalten Braten, Käse rc. einführen wollten, so wären sie ungefähr dasselbe wie jene englischen Wirtschaften und wären viel gemeinnütziger, als sie heute sind. Das Obst gehört freilich auch noch dazu, das wir frisch oder zubereitet statt des Getränkes bekommen müßten. Von den Londoner Gesellschaften besitzt allein die Aörated Bread Companie 90 Restaurants, und ihre Aktien (auf 20 Mk. lautend) kosten jetzt 240 Mk.! — Ein großes Verdienst am Gedeihen der alkoholfreien Wirtschaften haben drüben die Konzessionsbehörden. Bei uns werden Schnaps- schenken und Milchschenken fast mit gleichem Maße gemessen, beides sind vor dem Gesetz „Schankwirtschaften", zu denen die Konzession erforderlich, von denen Betriebssteuer zu zahlen ist. In England wird der alkoholfreien Schenke teilt einziges Hindernis bereitet. Dagegen wird die Zahl der Alkoholwirtschaften so niedrig gehalten und immer mehr erniedrigt, so daß sie längst nicht mehr ausreichen würden, um das Bedürfnis der Bevölkerung nach Speise uud Trank zu befriedigen.
Redaktion: I, V.: Hermann Elle. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


