Ausgabe 
28.5.1899
 
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traut, und ich erwarte, daß Sie für die Folge Ihre Pflichten besser erfüllen. Was sprach meine Schwester außerdem?'"

Nun, da Sie mich fragen, Sir, sie stimmt mit mir überein, daß die Sicherheit der Brigg durch Mr. Sloe's Brutalität gefährdet ist".

Was geht das Sie oder meine Schwester an?" donnerte er.Habe ich Sie von dem Vorderdeck geholt, um meine Angelegenheiten zu diskutieren? Bei Gott, wenn es zu einer Meuterei kommt, werde ich nun wissen, wer sie angezettelt hat. Ihre Schliche, Str, gefallen mir durchaus nicht. Sie waren damals unter den Leuten, als jener meuterische kleine Hund sein Meffer gegen mich zog. Jetzt, nachdem Sie vorn genug geschürt haben, wollen Sie mit Ihren verdammten aufwieglerischen Hetzereien auch noch hier hinten Unheil stiften? Ah, ich durchschaue Sie. Kümmern Sie sich nicht um Dinge, die Sie nichts angehen, sondern nur um sich selbst, um Ihren Dienst, und das, was Ihnen befohlen wird. Das rate ich Ihnen. Sollten Sie das nicht thun, so will ich Sie kuranzen, daß Sie die Engel im Himmel pfeifen hören sollen. Ich werde Ihnen zeigen, wer von uns beiden der Stärkere ist. Verstehen Sie mich?"

Während dieses Wortergusses stand er hoch ausgertchtet und in so drohender Haltung vor mir, daß ich mich jeden Augenblick zur Verteidigung bereit hielt. Indes das ganze Geschimpfe war nur Gepolter. Es war nur ein Versuch, mich in Furcht zu versetzen. Ich gönnte ihm den Glauben, daß ihm dies gelungen sei, denn bet dem starken Beweg­grund, den ich hatte, hinten zu bleiben, zog ich es vor, kein Wort zu erwidern. Dies genügte ihm offenbar, um über­zeugt zu sein, daß er mich vollständig zerschmettert habe. Er ging auf die andere Seite des Decks, steckte sich eine Zigarre an und wandelte dort in einsamer Hoheit, ge­messenen Schrittes nnd hochgetragenen Hauptes bis halb zwölf auf und nieder.

(Fortsetzung folgt.)

Olivenöl.

Von Arnold Rohde.

------- (Nachdruck verboten.)

Das Olivenöl, das schon zur Zeit der Morgendämmerung früher Kultur einen wichtigen Gegenstand des Handels und der Industrie bildete, wird in vorzüglicher Qualität im süd­lichen Frankreich daher der Name Provenceröl in der Riviera, in Mittel- und Süditalien, Istrien, Dalmatien, Griechenland und der Levante, Kalifornien, Persien und Australien erzeugt. Ein besonders fruchtbares Produktions­gebiet ist die den Golf von Neapel im Südosten abschließende Halbinsel Sorrent. Die Ernte ist bisweilen noch einträg­licher als die der Orangen und Zitronen.

Die ganze Küstenlinie von Castellamare bis Massalu- brense ist mit herrlichen Olivenbäumen dicht bepflanzt. Sie wachsen zumeist an den Bergabhängen, denn sie gedeihen am besten auf felsigem, trockenem Boden. Ihre dicht in einander verflochtenen, knorrigen Zweige sind von phantastischer Gestalt, und die dunkelgrünen, silberweiß umrahmten Blätter ge­währen dem Auge einen Ruhepunkt in der helleuchtenden Landschaft.

Die Oliven ergeben ein oder zweimal im Jahr eine reiche Ernte. Im Monat September beginnt die Frucht eine blauschwarze Farbe anzunehmen, ist aber bis Oktober noch nicht völlig gereift. Zahlreiche Früchte werden von kleinen Maden angefressen und fallen dann von den Bäumen­aber auch diese Oliven werden vom Boden ausgelesen und zur Bereitung einer geringeren Sorte Oel verwertet. Völlig ausgereifte Früchte liefern Oel von besonders vorzüglicher Qualität. In einigen Teilen Italiens werden sie selten vor dem Monat Dezember gesammelt, aber an der Küste von

Sorrent ist es gewöhnlich erforderlich, sie schon frühek abzunehmen.

Die Bauern haben die üble Gewohnheit, die Oliven durch heftiges Schütteln der Bäume herunterzuholen, um sich die Mühe des Hinaufkletterns zu ersparen. Natürlich ist das Aufschlagen der Früchte auf den Boden diesen nicht gerade zuträglich, und die Bauern schädigen sich selbst. Sind die Körbe gefüllt, so befördern sie die Frauen auf den Köpfen nach der Mühle.

Die Frucht muß sofort umgeschüttet und möglichst bald verarbeitet werden, sonst beginnt sie zu gähren, und das aus ihr bereitete Oel erhält einen herben, unangenehmen Geschmack. Reichere Fabrikanten gewinnen das Oel unter Anwendung von Maschinen- aber in Sorrent und Umgebung bedient man sich meist noch der älteren Methoden.

Die Oliven werden in ein ungeheures Stein-Bassin oder Reservoir geschüttet, in dessen Mitte ein Schleifstein rotiert. Die drehbar am Dachgespärre befestigte Welle ist mit einem Querbalken versehen, vor welchen ein Maulesel gespannt wird. Diesem sind die Augen verbunden, damit er nicht schwindelig werde. Der Mühlstein wird in Rotation versetzt und die Oliven zerquetscht. Mitunter werden Menschen anstatt der Maulesel verwendet, doch ist das eine thörichte Verschwendung der Arbeitskraft, da zum mindesten vier Leute, zwei an jedem Ende des Querbalkens, erforderlich sind, um die Arbeit des einen Maultiers auszu­führen. Ein Mann muß mit einem hölzernen Spaten die Oliven beständig unter den Schleifstein schaufeln, da sie stets gegen die Seitenwände des Bassins geschleudert werden. Wenn die zerquetschte Masse aus dem Bassin entfernt wird, um das Extrakt daraus zu gewinnen, ist sie dunkelbraun und dem Torf ähnlich. Sie wird nun unter die gleichfalls mit der Hand betriebene Presse gethan, welche sowohl durch Frauen wie durch Männer in Bewegung gesetzt wird.

Das Extrakt strömt in einen großen Behälter, und in diesem scheidet sich eine wässerige schwarze Flüssigkeit von dem Oel. Erstere sinkt zu Boden, während das leichtere Oel an der Oberfläche schwimmt. Ist dir Behälter gefüllt, so wird das Oel in große irdene oder gläserne Krüge gefüllt, das Wasser aber abgeleitet. Nach wenigen Tagen muß das Oel in andere Krüge geschüttet werden, da sich ein Bodensatz gebildet hat. Dies geschieht nun in gewissen Zwischenräumen stets aufs Neue, bis das Produkt vollkommen klar und rein ist.

Der Durchschnittspreis für feines Salat- und Speiseöl beträgt pro Liter 0,80 bis 1,20 Mark. Das während der Saison bereitete Oel ist stets wohlfeiler, als das der vorher­gehenden Jahre, denn so sorgfältig das Oel gereinigt wird, bildet sich immer doch noch ein leichter Bodensatz- das ist bei älterem Oel nicht der Fall. Das Produkt wird in großen Mengen nach Neapel auf den Markt gesandt, aber nur in geringen Mengen exportiert.

Feines Olivenöl sieht hellgelb aus, ist geruchlos und schmeckt mild und süßlich. Minder gutes Oel ist tiefgelb oder grünlich, riecht ranzig und hat einen unangenehmen Geschmack.

Das Oel wird in der Medizin, sowohl innerlich als äußerlich, angewandt und dient namentlich zur Bereitung von Pflastern und Salben. Sehr beträchtlich ist auch die Verwendung des Oels zur Seifenfabrikation, zum Schmieren von Maschinenteilen und zum Einfctten der Wolle. Deutsch­land importierte 1893: 29 566 Doppelzentner in Fässern zum Gesamtwerte von 2 673 000 Mark, davon kamen 19 476 Doppelzentner aus Italien. Außerdem wurden zu technischen Zwecken 75 226 Doppelzentner denaturiertes, also zollfreies Olivenöl eingeführt, im Werte von 4 213 000 Mark, hiervon 41732 Doppelzentner aus Italien und 21 609 Doppel­zentner aus Spanien.