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sein Vater sei Künstler gewesen und schon langst gestorben. Er führte sich gut auf, und die Zeit, die er in dem Institute, streng und doch liebevoll behandelt, verlebte, war die schönste seines Lebens. Anfangs hatte er etwas Mühe, sich den anderen Knaben anzupassen. Es gab da allerhand, über das diese sich lustig machten- die sonderbaren fantastischen Sammetkostüme, die seine Mutter ihm schickte, die verwunderlichen Bilder der Künstlerin oder auch diese selbst, wenn sie einmal in ihren reichbesetzten Setdenroben mit den süß duftenden Fächern und glänzenden Armbändern zu Besuch erschien und nach Laons Meinung so viel vornehmer aussah, als die spießbürgerlichen Mamas der andern. Anderseits fanden es die Knaben sehr hübsch, daß Frau Rossa dem kleinen Leon ein so hohes Taschengeld und so viel Naschwerk schickte. Da wurde der Knabe plötzlich aus der Pension genommen. Clarissa hatte keine Anstellung mehr gefunden und in einer kleinen Stadt ein Blumengeschäft eröffnet. Andree hatte ihr die erforderlichen Mittel dazu gegeben, unter der ausdrücklichen Erklärung jedoch, daß er sich durch Zahlung einer so bedeutenden Summe endgültig mit ihr abgefunden erachte, und daß sie fortan für sich und Lson allein zu sorgen habe. Es galt also sich einzuschränken. Zunächst mußte die teure Pension erspart werden, und Clarissa nahm den Knaben zu sich. Dieser lernte nun die bewunderte Mutter näher kennen, und die Bewunderung und Verehrung nahmen schnell ab. Der Nimbus der Künstlerschaft war dahin, Schönheit und Eleganz waren verschwunden, und da blieb denn nicht viel übrig. Clarissens Herzensgüte vermochte der Knabe nicht zu würdigen. Er empfand aufs schmerzlichste die Unzulänglichkeit der Verhältnisse, in die er herabgestiegen war: schlechte Schulen, ein ungeregeltes häusliches Leben, eine schlampige Wirtschaft. Er bat und flehte, die Mutter möge ihn in das Heilmann'sche Institut zurückkehren lassen. Das war unmöglich. Er rächte sich für die Verweigerung, indem er auch das, was ihm hier zu lernen geboten war, nicht lernte. Umgang hatte er fast keinen. Er schloß sich schwer an, und sein einziger Freund, der Sohn eines untergeordneten Beamten, erklärte ihm eines Tages, seine Eltern erlaubten nicht mehr, daß er mit Läon umgehe.
(Fortsetzung folgt.)
VermEchtes.
Köln. Wegen Fälschung von Maggi wurde in der Schöffengerichtsverhandlung vom vorletzten Montag der Händler M. zu einer Geldbuße und Tragung der Kosten verurteilt. M. hatte die bekannte Maggi-Würze mit Waffer verdünnt und sich so einer Schädigung der Konsumenten im Sinne des Gesetzes schuldig gemacht. Besonders erwähnt zu werden verdient, daß der sachverständige Chemiker, Herr Dr. Kyll, welcher die Vermischung nachwies, die seit Jahren gleichmäßige Qualität des Maggi hervorhob, indem er betonte, daß die Maggi-Fabrik zu ihrem eigenen Schutze ihre Fabrikation unter die Kontrolle der als streng bekannten Nahrungsmittelpolizei Konstanz gestellt hat. Da die Maggi- Würze nun unter die regelmäßig zu kontrollierenden Nahrungsund Genußmittel ausgenommen ist, steht zu hoffen, daß sich gewissenlose Händler dies zur Warnung dienen lassen.
Frau Kunst und die Kleinen. Es ist eine allbekannte Thatsache, daß die Kinderstube nicht nur einen großen Einfluß auf das ganze Leben des Menschen ausübt, sondern daß sie sogar ausschlaggebend für die Geistesrtchtung des einzelnen ist. Die Art und Weise, wie das Kind in der Kinderstube beschäftigt wird, drückt seinem ganzen ferneren Leben den Stempel auf, denn hier wird dem empfänglichen Kindergemüt die erste Nahrung zugeführt, die künstlerischen Anlagen, die in jedem Kinde schlummern, werden gestärkt oder unterdrückt, die Phantasie wird angeregt oder getötet. Der bekannte Kunst-Aesthetiker Ferdinand Avenarius spricht sich über dieses Thema in einem in der „Illustrierten Frauen-Zeitung" (Ver
lag von Ftanz Lipperheide in Berlin) veröffentlichen Äufsatz sehr ausführlich aus. „Nehmen wir an", sagt der Verfasser z. B. über die modische Kinderstube, „in eine solche gerate durch irgend welche Lebensführung ein ärmlich erzogenes Kind. Die „Puppe", mit der es bisher gespielt hat, war ein Holzscheit, ihre Bekleidung war ein bunter Lappen übrig gebliebenen Kleiderstoffs, ihr Bett war (ich schöpfe aus eigener Anschauung solch eines Puppen-Haushalts, den ich als solchen zuerst nicht einmal erkannte) ein zerbrochenes Blechgeschirr. Nicht wahr, es gehörte viel dazu, das alles im Spiel zu beleben? Und doch, dem Kinde war's eben nur Kinderspiel. Die Großen aber, unter deren Aufsicht die arme Kleine jetzt tritt, haben Mitleid mit ihr, und so wird sie bald mit einer schönen, teuren Puppe bedacht, die echtes Haar, bewegliche Augen und feine, kleine Kleiderchen hat. Man fand sie niedlich, fand sie gerade süß, als man sie kaufte, und das Kind ist selbstverständlich von ihr auf das Höchste entzückt. Selbstverständlich? Ja, denn es bringt natürlich ein großes Lustgefühl, mit einem Schlage körperhaft als sein eigen vor sich zu sehen, was man sich bisher nur in der Phantasie vorgestellt hat, und das ungefähr bedeutet doch der plötzliche Besitz der schönen Puppe für ein Kind, dem sie etwps Neues ist. Schade nur, daß solch eine Freude, um deren großen Eindrucks willen immer wieder von Vätern, Müttern, Onkeln und Tanten Geschenke falsch ausgewählt werden, nicht lange vorhält! Ein Gefühl, das keine neue Nahrung erhält, ermüdet eben und vergeht, und so kann es kommen, daß das Kind rasch gleichgültig gegen die schöne neue Puppe und vergnügt wird, wenn es wieder sein altes Holzscheit findet. „Wie unklug ihr wäret", möchte unsereiner rufen, wußtet ihr denn nicht, daß das Kind mit der neuen Puppe viel schlechter spielen kann, als mit der alten? Die schöne Puppe ist ja ein fertiges Ding- es braucht ganz schrecklich wenig Einbildungskraft dazu, aus ihr' ein Menschenbild zu machen, und sie zwingt das Kind, dieses Menschenbild sozusagen nicht nach eigenem Geschmack, sondern ganz genau nach Vorschrift zu sehen. Nicht frei spielen kann seine Phantasie oamit, nicht sich tummeln nach rechts und links, sondern sie wird gleichsam am Arm auf abgestecktem Wege ganz schnurgrade auf das deutliche Ziel hingeführt. So ist die schöne Puppe dem Kind bald gar keine Puppe zum Phantasie-Spielen mehr, sondern gleichsam ein anderes, wirkliches Kind. Aber ein sehr langweiliges, das höchstens „Papa" und „Mama" sagt. Wie anders das alte Holzscheit? Da sind ein paar Flecken darin, das sind Augen, die jetzt lustig und jetzt traurig drein sehen, ganz nach Wunsch, das Stück Borke drauf ist heute Haar und morgen Hut, der Lappen heute Bauernhemd, morgen Prinzenmantel, — all das beschäftigt mühelos aber angenehm die Phantasie: das Kind wirkt mit beim Spiele, und das soll und will es". In ähnlicher Weise spricht Avenarius über die verschiedenen Beschäftigungs-Arbeiten der Kinder, das Märchenerzählen sowie das Kindertheater, und giebt sehr beherzigenswerte Fingerzeige. Der Raum gestattet uns leider! nicht, eingehender über den Aufsatz zu berichten, wir möchten nur wünschen, daß er von recht vielen Eltern und Erziehern gelesen werde, und sind überzeugt, daß die Früchte nicht ausbleiben. Denn das dürfen wir uns nicht verhehlen, die moderne Kinderstube ist Schuld daran, daß die Künstler und Poeten gegenwärtig in Deutschland so dünn gesäet sind.
Sparende Kinder in Frankreich. Es ist nicht richtig, immer nur vom „leichtsinnigen Franzosen" zu sprechen- man möchte beinahe sagen: der Franzose fördert nur den Leichtsinn der andern, weil er ihm ein gut Stück Geld einbringt, er selbst aber, wenigstens der echte französische Bürger, ist das häuslichste, sparsamste Wesen, das man sich denken kann, er kennt kein größeres Vergnügen, als Franc nach Franc auf die hohe Kante zu legen. In der neueren Zeit hat man sehr interessante Versuche gemacht, den Spartrieb schon bei den Kindern zu wecken, und sich zu diesem Zwecke mit Erfolg der Schule bedient. Die französischen Schulsparkassen verfügen heute über ein Gesamtvermögen von


