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13 Millionen Francs, an dem 25 Prozent aller französischen Schulkinder beteiligt sind. Vom vollendeten dritten Jahre ab steht jedem Kinde der Beitritt zu einer solchenCaisse depargne scolaire offen. Jedes Kind zahlt wöchentlich 10 Centimen (nach unfern (Selbe 8 Pfennig). Davon erhält dieSchulkinderhilsskasse" 5 Centimen. Diese Hilfskasse giebt bei Erkrankung des Kindes den Eltern Pflegegelder zur Be­schaffung von ärztlicher Hilfe, Medizin und besserer Nahrung. Die andern 5 Centimen werden dem zahlenden Kinde auf sein persönliches Konto gut geschrieben. Wenn ein Kind nun vom dritten bis zwölften Jahre regelmäßig einzahlt, so erhält es vom 55. Jahre ab eine Jahresleibrente von 66 Francs. Es kann aber auch nach Verlaffen der Schule noch Mitglied bleiben und durch weiteres Einzahlen die Rente ganz beträchtlich erhöhen. Die Hauptsache bei der ganzen Einrichtung ist natürlich nicht das dabei erzielte Geld, sondern das erziehliche Moment. Die Kinder werden frühzeitig zur Vorsorge herange­bildet und dazu angeleitet, daß sie das Geld nicht zu flüchtigen Genüssen, sondern zur Gründung einer freien und unab­hängigen Existenz verwenden sollen. Man kann nur wünschen, daß diese französische Einrichtung bei uns mehr in Aufnahme käme, als es bis jetzt geschehen ist, und vor allem staatlicher- seits gefördert würde.

Neues aus Fritz ReutersStromtid". Nach der Festungszeit kam Fritz Reuter 1842 zur Erlernung der Landwirtschaft alsStrom' oder Volontair auf das von Franz Rust gepachtete Gut Demzin.Seinen Eintritt in unser Haus", so erzählte mir die noch lebende Tochter Wilhelmine,schildert der dichter in seiner Stromtid, wo die ersten, die ihn begrüßen, Lining und Mining, die beiden Druwäppel, meine Schwester Helene und ich, erst fünf Jahre alt, in rot und schwarz karrierten Kleidern ihm entgegentraten und ihren Knix machten. Die kleinen Mädchen, dat lütte Twäscheupoor, auf' dem Oelbilde find nun dieselben, Helene und Wilhelmine (Lining und Mining) Rust- und sind mir die Stunden noch sehr wohl in Erinnerung, da wir im Saale ihm gegenüber saßen und uns so still ver­halten mußten, während wir doch lieber im Garten gespielt hätten. Ursprünglich war aus dem Gemälde links ein Vor­hang, den er übermalte und die Szenerie ländlich ummodelte. Dann zankten wir mit ihm: die häßlichen weißen Kragen sollte er auswischen, und die Aermel in Helenens Kleide wären ja verkehrt. O, wie lachte er da und sagte:Das muß so sein, die Kragen sind das Aehnlichste am ganzen Bilde, ohne die weiß ja kein Mensch, was es sein soll!" Damit wir recht still säßen, versprach er zur Belohnung mit uns nach Stavenhagen zu fahren und uns eine Menagerie zu zeigen. Das brachte er denn auch mehrmals zur Aus­führung. Einst schenkte er uns von dort einen Raben, der sprechen konnte:Wat seggst du nu, du Schapskopp?" Das Tier war oft im Streite mit einem großen, schwarzen Kuhn­hahn und neckte und zerrte ihn, doch vermochte er ihm nichts anzuhaben- so ging es lange fort, der Kuhnhahn behielt immer die Oberhand. Da spazierten wir einmal mit Reuter auf dem Hofe umher und sahen, daß der Rabe sich auf den Rücken des Rivalen geschwungen hatte und, eifrig dessen roten Kamm verarbeitend, schrie:Wat seggst du nu, wat seggst du nu, du Schapskopp?!" Es war zu drollig. Reuter lachte, wie er es nur eben verstand, und rief alle Hausge­nossen zusammen, sich an dem Schauspiel zu ergötzen. Noch heute meine ich sein herzliches Lachen zu hören". .

(»Aus Fritz Reuters jungen und alten Tagen" von Karl Theodor Gaedertz. Band 2, darin u, a. das BildLining und Mining" von Fritz Reuter.)

Einen Anapästenhymnns auf das Zweirad,das ermüdet nie ist und nicht säuft und nicht frißt und nicht ein- und nicht durch- und nicht krummgeht, das den Reiter nicht schlägt und es lammfromm erträgt, wenn er noch so brutal mit ihm umgeht", stimmt der sangesfroheBiedermeier

mit ei" in der Sportsnummer derJugend" an. Offenbar ein Nebenbuhler von ihm, der phlegmatische Biedermaier mitai" denkt weniger begeistert über den Radsport und die armen Radler:Außer Atem und rot und mit heiserem All Heil" und Gebimmel fahren sie schnaufend dahin, förmlich gesotten in Schweiß." Er hätte sich sicher gefreut, wenn er Zeuge des folgenden Gesprächs geworden wäre: Fragt da halb mitleidig, halb höhnisch ein Herr einen daher­fahrenden Radler, dessen schmerzverzogenes Gesicht auf einen Sturz aus heiteren Höhen schließen läßt:Sie scheinen sich an der Wirbelsäule verletzt zu haben?" worauf ihm die prompte Antwort wird:Nee, an der Siegessäule!" So was kann allerdings nur im Hochsommer Vorkommen.

Der Hundstags-Haifisch.

Alljährlich, sobald sich high life-ifd) Die Menschheit in Bädern vergnügt, Da zeigt sich in Fiume ein Haifisch, Fünf Meter lang das genügt.

Er zeigt sich auch wohl in Triest, je Nachdem es sich fügt mit dem Jahr, Und Fischer die fangen die Bestie Mit Mühe und Todesgefahr.

Es hat einen ganzen Matrosen

Im Magen mitunter auch zwei Mit Stiebeln und Jacke und Hosen Im Magen der schreckliche Hai.

Dazu auch noch Scherben und Bretter Und Steine, gar groß und recht schwer, Und sorglich ermahnen die Blätter Zur Vorsicht beim Baden im Meer.

Gesehen hat ihn noch Keiner Den Haifisch am Adriastrand, Dieweil ihn der Pennhaliner Aus Hunger und Stoffnot erfand.

(Münch. Jugend.")

Literarisches.

Die Zeit der sauren Gurke ist die schwerste für ein Mode­blatt. Altes will und darf man nicht bringen, und die neue Mode ist noch nicht recht ausgesprochen. Es ist ein glücklicher Gedanke der Wiener Msde", diese Pause durch ein Heft auszufüllen, das vor allem der Wäsche gewidmet ist und zeigt, welch' reiche Abwechslung auch auf diesem Gebiete der Kleidung bethätigt werden kann: es ist dies das eben erschienene Heft 21. DieWiener Kindermode" bringt gleichfalls vorwiegend Kinderwäsche, was vielen Hausfrauen willkommen sein wird. Preis des Heftes 45 Pfennig, Abonnement 2 Mark 50 Pfg. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und vom Verlage derWiener Mode", Wien, Wienstraße.

Nr. 30 derJugend", Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben (G. Hirth's Verlag in München, Preis 3 Mark pro Quartal, 1 Mk. pro Monat excl. Porto) ist soeben alsRadler- Nummer" erschienen und enthält unter anderem: Titelblatt von Paul Rieth.Hoch das Zweirad!" von Biedermeier mit ei.Flieh, auf, hinaus in's weite Land!" von Otto Ernst.Unnützer Streit" von I. R Witzel.Die Spazierfahrt" von Rud. Wilke mit Versen vvn Biedermaier mit ai.Klassische Zeugnisse zum Radfahr-Sport". Der Anfang" von Kory Towska.An der Siegessäule" von Max Hagen.Bei Banquier Löwy von W. Caspari. Sport- Scherze. Humor des Auslandes. Aktuelles:Der preußische Tourenfahrer".Sonnwendfeuer".Das Denkmal Rudolf's von Habsburg".Der Hundstags-Haifisch".Vom Wetterwinkel auf dem Balkan".Gegenbesuch auf derHohenzollern".Bismarck und Harden".Der rauchbraune Rigo".Zu den bayrischen Land­tagswahlen".Lueger und die Opposition in Wien". Lustige Nachrichten.

fkMtion: «. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schm UniverfitStS-Bnch. und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gieße«,