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wird die Jugend für unsere heilige Sache gewonnen, und in ihre Herzen Barmherzigkeit und Mitleid für die gequälte Tierwelt eingepflanzt. Die Lessing'schen Worte:Wer die Welt bessern will, muß bei der Jugend anfangen", sind dabei in Berücksichtigung gezogen worden. Die Kalender wurden in gewohnter Weise verteilt: die Mitglieder unseres Vereins erhielten je ein Exemplar, deni Gymnasium wurden 100 Stück, dem Realgymnasium 350, der höheren Mädchen­schule 500 Stück zugewiesen, und den Rest erhielten zu gleichen Teilen die Herren Oberlehrer Fuhr und Hahn zur Verteilung an ihre Schulkinder. Nicht nur die Kinder, sondern auch die Erwachsenen sind stets hocherfreut über dieses kleine Geschenk, und der Ausschuß kann sich getrost der angenehmen Hoffnung hingeben, daß die hierfür ver­wandten Mittel sehr gut angewandt sind, und der durch dieses Büchlein ausgestreute Samen sicherlich gute Früchte tragen wird. Dies wird aber nm so mehr der Fall sein, wenn die Herren Lehrer sich ernstlich bemühen, die Kinder mit dem schönen und lehrreichen Inhalte der Kalender ver­traut zu machen.

Da alle Tierschutzvereine zur Erreichung ihrer Ziele vor allen Dingen der Unterstützung der Behörden und ins­besondere der öffentlichen Aufsichtsorgane bedürfen, so hielt es der Ausschuß in der Sitzung vom 29. November für geboten, auch in diesem Jahre wieder Präniien an Gens- darmen und Schutzmänner, die sich um den Tierschutz ver­dient gemacht haben, in etwas verändeter Weise wie früher, verteilen. zu lassen. Der Ausschuß hielt es nämlich für beffer, die Verteilung der Prämien nicht selbst ausführen zu lassen, sondern dieselbe in die Hände der Vorstände der Gendarmen und Schutzmänner zu legen. Die Herren Oberstleutnant Cullmann und Polizeiamtmann Muhl waren damit einverstanden und haben die ihnen überschickten Summen zur Prämiierung ihrer Untergebenen verwendet. Unter die Herren Gendarmen, die elf Anzeigen, die bestraft wurden, gemacht haben, wurden 39 Mark, und unter die Herren Schutzmänner, die 39 bestrafte Anzeigen erhoben, wurden 81 Mark verteilt, und daraus geht doch wohl klar und deutlich hervor, daß das Aufsichtsperfonal auch im vergangenen Jahre, was Tierschutz anbelangt, seine volle Schuldigkeit gethan hat, was wir hiermit gerne öffentlich anerkennen.

In Bezug auf Vogelschutz haben wir auch im ver­gangenen, gelinden Winter in der früheren erprobten Weise weitergearbeitet. Die Fütterung der Vögel begann am 6. Dezember und endigte mit Unterbrechung nach Weih­nachten, und sie dauerte demnach nur wenige Tage. An den schlimmem Tagen wurden jedoch unsere 19 au ver­schiedenen Stellen angebrachten Futterbretter und unsere zwei Futterhäuschen durch unseren Vereinsdiener, Herrn Schneider, reichlich mit Futter versorgt, und es stellten sich wieder viele hungrige Vögel auf denselben ein. Die Kosten dafür belaufen sich auf 20 Mark. Mit großer Freude kann ich nun hier wieder aussprechen, daß auch in diesem gelinden Winter recht viele hiesige Einwohner in ihren Höfen Futterplätze angebracht haben, auf die täglich von ihren braven, mitleidigen Kindern oder von Erwachsenen gutes Futter für die darbeuden Vögel gestreut wurden. Durch unsere Veranlassung wurden auch wieder viele Nist­kästchen, die alle,, genau nach unserer Angabe gefertigt sind, für die Höhlenbrüter, namentlich für Staare, Meisen und Rotschwänzchen an verschiedenen Stellen aufgehängt. Wurden doch schon allein von dem Herrn Schreinermeister Kutz er von hiesigen Bewohnern 110 verschiedene Nistkästchen bezogen. Zehn Stück davon sind auf Kosten des Tierschutzvereins angefertigt,' und auf Veranlassung unseres Vereins sind bis jetzt in Gießen.1400 bis 1500 Stück Kästchen aufgehängt wordey, gewiß eine recht stattliche Anzahl. Für die An­bringung Yon. Nistkästchen wird demnach in unserer Stadt

sehr viel gethan, und ich glaube getrost behaupte!: zu dürfen, daß Gießen, was Aufhängen von Nistkästchen betrifft, selbst hinter den größten Städten Deutschlands nicht zurücksteht, und bei einem Vergleich mit denselben wohl keine Ursache hätte, Beschämung zu fühlen.

Nach Beschluß des Ausschusses in der Sitzung vom 18. April übergab Herr Oberlehrer Fuhr, Rechner des Vereins, die Rechnung den Herren Rentner Groß und Kaufmann Wolf zu einer genauen Prüfung, und da beide Herren die Rechnung in jeder Beziehung für richtig befunden haben, so erteilt die Generalversammlung vom 16. Mai dem Herrn Oberlehrer Fuhr Entlastung. Zwölf Jahre liegt das Rechneramt in den Händen des Herrn Ober­lehrer Fuhr, und ich fühle mich gedrungen, demselben im Nanicn des Ausschusses für die mühsame und pünktliche Führung der Rechnung hier den innigsten Dank auszu­sprechen.

Von den zwei Vorträgen über denKieferkreuzschnabel" und über dieGrasmücken", die ich in diesem Vereinsjahre in den Sitzungen gehalten habe, etwas zu bemerken, ver­bietet mir die Bescheidenheit. Beide haben Abdruck in dem geschätzten Blatte (Gießener Anzeiger) gefunden, und es sind mir, was ich wohl ohne Ueberhebung sagen darf, von vielen Seiten Anerkennung zu Teil geworden.

Zum Schluffe meines Berichtes erlauben Sie mir, daß ich inich noch der angenehmen Pflicht entledige, allen denen meinen herzlichsten Dank auszusprechen, die unser Werk durch Wort und That, sowie durch finanzielle Beihilfe unterstützten und förderten. Insbesondere gilt mein Dank der hiesigen, verehrlichen Sparkasse, die uns auch in diesem Jahre wieder eine überaus reichliche Unterstützung (100 Mark) zu Teil werden ließ. Auch danke ich den Brudervereinen, die uns ihre Zeitschriften zuschickten.

Möge nun unser Verein auch im kommenden Jahre nicht müde werden, für eine humane und barmherzige Behandlung der Tierwelt, wo sich irgend welche Gelegen­heit dazu bietet, nach allen Kräften einzutretcn.

Gießen, im Mai 1899.

Gsineinnirtziges.

Gegen Stuhlbeschwerden nehme man sowohl morgens als abends in kurzen Zwischenräumen (/a stündlich) je einen Eßlöffel etwas erwärmten Honig ein. Wer täglich zum Frühstück Honig genießt, wird damit seine Verdauung wesentlich unterstützen.

Das Putzen silberner Leuchter« Um silberne Leuchter zu putzen, darf man kein Messer zum Abschaben des Stearins oder Wachses anwenden, noch sie an das Feuer halten, um die Reste von solchem herauszuschmelzen. Man gießt kochen­des Wasser darüber und reibt sie mit einem alten Tuche sogleich nachher gut ab, dann putzt man sie mit einem der bekannten Putzmittel.

Wie wäscht mau seidene Stosse? Geschälte, in feine Scheiben geschnittene, rohe Kartoffeln werden mit kochendem Wasser übergossen; auf vier Stück kommt etwa ein Liter. Ist der Ueberguß erkaltet, so wird derselbe filtriert und mit gleicher Menge Weingeist versetzt. Das Seidenzeug wird alsdann auf einer weichen Unterlage mit der Brühe mittels eines Schwammes strichweise abgerieben, worauf man es halb trocken auf der Rückseite bügelt.

Um Schnecken aus Kellern zu vertreibe«, werde der Boden des Kellers und da, wo Schnecken sich zeigen- durchweg mit ordinärem Salze bestreut; Viehsalz erfüllt hin, reichend den Zweck. Zugleich besprenge man die Wände einigemal mit starkem Salzwasser, und es wird jede Spur dieser ekelhaften Tiere verschwinden.

Redaktion: I. V.: Hermann Elle. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steiudruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.