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ich sehen, daß die Brigg Anstalten zum Beidrehen traf und Leute in der Nähe des Quarterboots auf der Leeseite be­schäftigt waren. Darauf fuhr ich wieder Herunter in die mir unermeßlich scheinende Kluft zwischen den Wellen-Bergen, das grüne Wasser, wie die Mauern eines Hauses auf jeder Seite neben mir. Was mein Herz stocken machte und meine Arme lähmte, war die Entfernung, in welcher die Brigg sich befand. Eben war ich noch an Bord gewesen und jetzt war sie so weit weg, daß die Menschen an dem Seiten-Boot nicht größer aussahen als meine Daumen.

Würde ich mich flott halten können, bis das Boot den Zwischenraum durchmessen hatte, welcher mich von der Brigg trennte? Ich war ein guter Schwimmer; aber das Bewußt­sein der ungeheuren Tiefe unter mir, das Tosen des schäumenden Wassers über meinem Kopf und um mich her, meine eigne Winzigkeit in dieser bewegten grausigen Welt von Gischt und Schaum, all dies war so entmutigend, daß meine Willenskraft versagte, meine Kraft ermattete und nur der Instinkt, mein Leben zu erhalten, mich trieb, mit den Armen zu rudern und den Kopf über Wasser zu heben. Auf den Kamm einer hohen Welle geschleudert, erblickte ich plötzlich, nicht fünfzig Meter von mir entfernt, einen gelben Gegenstand, eine Rettungsboje, welche jemand wenige Sekunden, nachdem ich über Bord gefallen war, mir nachge­worfen haben mußte. Als ich von der brausenden Höhe wieder in den entsetzlichen Schlund gerissen wurde, begann mein Geist, durch den Anblick der Boje neu belebt, sich wieder zu regen/ ich überlegte, wie ich es anfangen müßte, sie zu erreichen. Sie befand sich windwärts von mir, jede See, welche sie in die Höhe hob, mußte sie mir näher bringen. Darum schwamm ich nicht mehr der Brigg entgegen, sondern wandte mich dem Gürtel zu und strich mit aller Macht aus. Ich hatte hierbei weniger die Absicht, auf ihn zuzuschwimmen, als mich von dem gewaltigen Andrang des Wasiers nicht immer weiter abtreiben zu lassen. Manchmal brach sich der Kamm einer Woge über mir, mich mit einem Wirbel von Schaum überschüttend, in welchem ich sprudelte und planschte und halb erstickte. Keuchend, Haar und Waffer aus meinen Augen, schüttelnd, rüstete ich mich aber immer wieder aufs neue zu dem Kampf, meinen Platz zu behaupten, und endlich, nach etwa fünf Minuten tätlicher Anstrengung, gelang es mir, die Boje zu fassen, als sie auf der Spitze einer Woge herabstürzte. In einer Sekunde hatte ich sie mir über Kopf und Arme gezogen und fühlte mich nunmehr brusthoch sicher über dem Wasser getragen.

Inzwischen war das niedergelasiene Boot kräftig auf mich zugerudert. Ich sah ihm mit schrecklicher Angst ent­gegen, wie es sich abwechselnd hoch erhob und immer gleich wieder meinen Blicken entschwand.

Das heiß ersehnte Boot kam von der Windseite und erforderte die sorgsamste Führung,- aber obgleich ich halb tot war, hatte ich noch Bewußtsein genug, Entzücken zu empfirtden über die Geschicklichkeit, mit welcher Klein-Welchy, der am Steuer stand, es regierte. Er richtete die Spitze desselben der See entgegen und ließ es mit dem Stern auf mich zutreiben, manchmal es unterstützend durch ein Ein­tauchen des Ruders.

Nach einigen Augenblicken war es neben mir. Dieselbe Woge schleuderte uns zusammen in ein Wellen-Thal hinab. Als wir wieder gehoben wurden, packten mich vier Paar Hände und zogen mich triefend in das Boot hinein, in welchem ich mich sofort erbrach und dann so schwach dalag, wie eine halb ersäufte junge Katze.

Ein häßliches und schwieriges Geschäft war es jetzt, die Brigg wieder zu erreichen,- denn das Boot mußte nunmehr den furchtbaren Rollern gerade entgegen rudern.

Die vier Leute strengten sich aufs äußerste an und brauchten doch eine halbe Stunde, um das Boot längsseits zu bringen. Hierbei hing es wieder an einem Haar, daß rS um uns alle geschehen war,- denn als das Boot etwa

bis zur Hälfte gehißt war, traf es eine Woge und riß ein paar Bohlen aus dem Boden.

Zu schwach, um zu gehen, wurde ich von einigen Leuten in meine Kajüte getragen, die Kleider wurden mir ausge­zogen und mein Körper trocken gerieben, auch gab man mir ein Glas heißen Branntwein zu trinken. Warm und ge­borgen in meiner Pritsche, dankte ich Gott für meine Er­rettung und schlief ein. Als ich zwei Stunden darauf er­wachte, war ich kräftig genug, um aufzustehen und auf Deck zu gehen.

(Fortsetzung folgt.)

Jahresbericht des Gießener Tierschutz-Vereins.

Erstattet von H. Curschmann, Lehrer i. P-, Vorsitzender des Vereins.

Hochgeehrte Versammlung!

Abermals ist ein Jahr vergangen und abermals soll ich zum elften Male an die ehrenvolle Aufgabe herantreten, Ihnen mit kurzen Worten zu berichten, was unser Verein tut verflossenen Jahre erstrebt, was er gethan, und was er erreicht hat. Ohne mich überheben zu wollen, darf ich meinen kurzen Bericht mit der Versicherung beginnen, daß der Ausschuß auch im vergangenen Jahre, nach Kräften bemüht war, die stumme und wehrlose Kreatur vor Miß­handlung zu bewahren, und das Barmherzigkeitsgefühl für dieselbe 'in weiteren Kreisen zu wecken und zu pflegen.

Der Ausschuß hat in diesem Jahre sechs Sitzungen, die gut besucht waren, imHotel Schütz" abgehalten und in diesen Sitzungen wurden hervorragende Fragen, die den Tierschutz betrafen, ausführlich behandelt und Abhülse herbei- zusühren gesucht. Wollte ich über sämmtliche da gepflogene Berathungen referieren, fo würde dies zu weit führen, und Sie erlauben mir nur einige Punkte, die von allgemeinem Interesse sind, herauszugreifen.

Der Verein zählte beim Beginn des Jahres 426 Mit­glieder, da aber im Laufe des Jahres 16 Mitglieder durch Wegzug oder durch Tod ausgeschieden sind, so hat sich unsere Mitglied erzähl, die auch der Einwohnerzahl unserer Stadt (23000) durchaus nicht mehr entspricht, wesentlich vermindert, und der Vorsitzende fühlte sich daher veranlaßt, weil der Verein gerne noch mehr thun möchte, für unsere gute, heilige Sache, mit der Bitte um Beitritt zu unserem Vereine an unsere Mitbürger heranzutreten. Der Erfolg war aber leider ein geringer, denn unsere Mitgliederzahl hat sich nur um vier vermehrt, worüber ich mein Bedauern aussprechen muß, denn mitwirken an unserem edlen und großen Werke kann jeder, wes Standes und Geschlechts er fei, denn der jährliche Mindestbeitrag beträgt nur 1 Mark, gewiß eine geringe Summe, die jeder übrig haben muß, der sich von dem Leiden der Tiere in seinem guten Herzen gerührt fühlt.

In der Sitzung vom 2. August referierte Herr Lehrer Lehr über zwei Schriftchen von Häflein:Wie können wir unsere nützlichen Vögel schützen" undAn die Frauen". Da der Herr Referent ausführlich über beide Schriftchen Bericht erstattete, so beschloß der Ausschuß, da beide Merkchen bei größerer Verbreitung Segen stiften werden, 500 Stück zur Verteilung an die Mitglieder anzuschaffen. In derselben Sitzung wurden 5 Mark zur Oelfarbenstreichung des bewährten Futterhäuschens in der Südanlage bewilligt, in dem Tausende von Standvögel im Winter ihren Hunger stillten.

In der Sitzung vom 4. Oktober v. Js. erstattete Herr Lehrer Lehr in eingehender Weise Bericht über die neuen Tierschutzkalender, und es wurde beschlossen, 1000 Stück Berliner Kalender und 2000 Stück vom Verbände der Tierschutzvereine des deutschen Reiches (Würzburger)^an- zuschaffen. Diesen Beschluß haben alle Freunde der Tier­welt gewiß Ursache mit Freuden zu begrüßen, denn dadurch