Ausgabe 
27.4.1899
 
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verschiedenen englischen Schissen gedient, aber auch auf französischen und sogar auf einem Kriegsschiff. Oft erregte er unser Gelächter mit seinen trockenen, von Witz gespickten Beschreibungen französischer Seeleute- drastisch schilderte er ihre Gebete zur Jungfrau bei einem Sturm, ihre Tapfer­keit bei Windstille, und mit viel Komik sprach er von ihren Knebelbärten, ihrem Geküffe, ihren Thränen, ihrer soupe und ihrem vin ordinaire.

Nachdem sich meine Aufmerksamkeit ihm erst einmal zu­gewandt hatte, blieb sie auch gefesselt. Ich will damit sagen, daß er mich sehr interessierte, und wenn er sprach, so hörte ich unwillkürlich hin und sah ihn an. Auf die anderen übte er eine geringere Anziehungskraft aus, wiewohl sie ihm gern zuhörten, und seine geistige Ueberlegenheit anerkannten. Mich berührte er wie ein Rätsel. Etwas gewissermaßen Magnetisches im Ausdruck seiner Augen und seines Gesichtes machte, daß ich ihn oft im stillen beobachtete und über ihn nachdachte.

(Fortsetzung folgt.)

Eine deutsche Hausfrau am Kilimandscharo.

Die Gattin des bekannten Hauptmanns Johannes ist ihrem Manne nach der Station Moschi gefolgt. Von ihrem Leben giebt sie selbst in einem Aufsatze Bericht, den die Lpz. N. Nachr." veröffentlicht haben. Unsere Leserinnen werden sicher mit Teilnahme lesen, wie ihre Geschlechts- genosstn im fernen Afrika sich ihr Leben gestaltet hat.

Stundenweit kamen uns die Eingeborenen entgegen. Die Häuptlinge hatten ihren besten Staat angelegt, einer erschien sogar in Husarenuniform, was zu lächerlich aussah, er schien sich aber ganz besonders fein zu dünken. Kurz vor der Station erwarteten uns die Frauen mit einem ohren­zerreißenden Geschrei. Das war ein Johlen, in die Hände Klatschen, daß einem Hören und Sehen verging. Viele warfen uns mit Reis, und meinem Esel wurde es bei dem Höllenlärm so ungemütlich zu Mute, daß er mich um ein Haar in sehr ungalanter Weise abgesetzt hätte. Da waren wir denn nun zu Hause. Ich muß gestehen, so schön hatte ich mir die Station nicht vorgestellt. Das Fort ist aus Fachwerk ein Stock hoch gebaut. Die Front wird vom Haupthaus, in dem wir wohnen sollten, eingenommen, links davon die Wache und der Gefangenen-Raum. Der dahinter liegende Hof ist gestampft, was sich sehr gut ausnimmt, und wird begrenzt von dem Unteroffiziershaus, der Küche und den Baderäumen. Alle Gebäude tragen einen weißen Anstrich, der sich sehr freundlich ausnimmt, und sind mit Wellblech gedeckt, welches zur Ablenkung der Sonnenstrahlen und zur Schonung desselben rot angestrichen ist. Die unteren Räume der Häuser dienen teilweise als Bureaus, teilweise als Magazine. Nachdem wir von den Europäern begrüßt worden, zogen wir uns in unsere Gemächer zurück. Die ersten Tage gab es natürlich viel zu thun. Mit welchem Vergnügen machte man sich an das Auspacken der Kisten, um bald- möglichst den Zimmern ein behaglicheres Gepräge zu ver­leihen. Dieselben sind in weißer Oelfarbe gehalten, der Fußboden gestampft. Die Hauptmöbel waren uns vom Gouvernement gestellt. Kleine Luxussachen fertigten wir mit der Zeit selbst an. Es galt also vorläufig dem Ausschmücken der Wohnung, worin ich von den Herren in der liebens­würdigsten Weise unterstützt wurde. Da thronte man hoch in den Lüften, machte Portiären an, drapierte möglichst allerlei bunte in Sansibar erstandene Tücher, legte Teppiche und stellte Nippsachen auf. Luxus war keiner vorhanden, aber als alles fertig war, schaute es ganz gemütlich aus, und das ist doch die Hauptsache. Das Nette ist eben in Afrika, daß man selbst sehr viel thun muß, um es sich be­haglich zu machen. Dadurch schätzt man alles sehr viel mehr, und jedes neue Stück,-das man sich zurechtgezimmert, macht

Einem eine Riesenfreude. Die ersten Tage aßen wir mit den anderen Herren der Station, was mir eine große Erleichterung war, da ich mich so mit Ruhe in meinen neuen Wirkungskreis einleben konnte. Zuerst dachte ich im stillen: Wie wird das wohl gehen? Der Sprache war ich so gut wie gar nicht mächtig, und machte ich einmal einen schwachen Versuch, meine paar aufgeschnappten Suahelibrocken anzu­wenden, so konnte ich sicher sein, daß ich etwas recht Dummes sagte. Die unglaublichsten Mißverständnisse kamen vor, und ich wurde oft ausgelacht. Doch den Mut ließ ich deshalb nicht sinken. Nach und nach lernte ich mich ganz gut ver­ständigen und ich muß sagen, ich habe mit unseren Dienst­boten weniger Aerger gehabt, als manche Hausfrau in Europa. Allerdings muß man sich ja im Anfang an manche sonder­bare Angewohnheiten der Leute gewöhnen. Wir haben fünf Boys und drei Mädchen. Dieselben stehen im Alter von 12 bis 20 Jahren. Mancher Junge war schon verheiratet und glücklicher Vater. Jeder Boy hat nun seine bestimmte Arbeit- ist diese verrichtet, so muß er um Erlaubnis fragen, nach Hause gehen zu dürfen. Sie find, ausgenommen die Küchenjungen und der Koch, von 6 bis 9 Uhr morgens, 1 bis 3 Uhr und von 6 bis 9 Uhr im Hause beschäftigt. Die übrige Zeit benutzen sie, um sich im Freien zu amüsieren. Ich kann von unseren Boys nicht anders sagen, als daß sie recht brav und treu sind. Das einzige, was sie reizt, ist Zucker, Milch und Seife, nun, dazu braucht man gerade nicht Neger zu sein. Derartiges kommt auch in Europa vor.

Der Tag, an dem ich unsere eigene Wirtschaft in die Hand nahm, rückte nun auch heran. Welcher jungen Frau macht es wohl nicht Freude, derselben vorzustehen, besonders, wenn das Feld so dankbar ist, wie in Afrika. Verwöhnt sind die Männer nicht draußen, und wenn es auch unmöglich ist, die Speisen so auf den Tisch zu liefern wie in Europa, so bringt eine Frau immerhin einige Abwechslung in den etwas monotonen Küchenzettel. Die Küche selbst ist sehr nett, sie besteht aus einem Anrtchteraum und der eigentlichen Küche. Den Herd, sowie die nötige Einrichtung hatten wir uns von Europa mitgebracht. Sogar die Wasserleitung über dem Spülstein fehlte nicht, gewiß alles Mögliche im Inneren Afrikas! Ein Raum, um den mich manche deutsche Hausfrau sicher beneiden wird, ist die Vorratskammer. Hier sind die Fleischkonserven, Büchsengemüse u. s. w aufgestapelt, auch eine Weinabteilung gab es, und selbst ein Trunk guten Bieres fehlte nicht. Ich führe dies nur an, um zu zeigen, daß mein materielles Los doch nicht gar so bemitleidenswert ist, wie manche meiner Freundinnen in Europa glaubt. Allerdings sind die zuletzt angeführten Sachen für uns auch Luxus, und wir leeren z. B. eine Flasche Bier vielleicht mit ebenso viel Andacht, als man sich zu Hause für eine Flasche Champagner leistete. Auf der Station sind wir glücklicher Weise nicht darauf angewiesen, von Konserven zu leben, sondern diese sind nur zur Mitnahme auf Reisen vorhanden. Zweimal die Woche wird geschlachtet.. Ochs, Hammel oder Ziege. Kalb und Schwein giebt es nur selten. Schweine sind nur wenig vorhanden und Kälber können deshalb nicht geschlachtet werden, weil die afrikanische Kuh die eigentümliche Angewohnheit besitzt, nur Milch zu geben, wenn das Kalb dabei ist. Stirbt ein solches, so ziehen die Eingeborenen vas Fell ab, hängen es über einen Stock und betrügen auf diese Weise die Kuh- Dieselbe beschnuppert das Fell, als dar ihres Jungen und läßt sich melken. Unser Brot backen wir selbst, auch wird gebuttert und Käse bereitet. Frisches Gemüse liefert der, Garten, um den sich Herr Leutnant Werker in verdienter Weise bemüht. Weißkohl, Rotkohl, Wirsing, Bohnen, Erbsen und Gurken, alles gedeiht sehr schön, und man widmet selbst als Stadtkind der Gartenkultur das größte Interesse.

Ich bin die einzige weiße Frau auf der Station, doch kann ich im Osten in vier Stunden, im Westen in neun Stunden Damenverkehr haben. Es sind dies Missionars­frauen, die sich ganz in derselben Lage befinden, wie ich, und ich glaube, keine von uns hat je über Langeweile zu