Ausgabe 
27.4.1899
 
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klagen. An sonstiger Abwechslung fehlte es auch nicht. Müssen wir auch Konzerte und Theater entbehren, so hat man hier wieder Interessen anderer Art. Ost auch haben wir Besuch von Europäern, die verstreut am Berge wohnen, oder von jagdlustigen Afrikareisenden.

Da die Station in der Mitte und am Hauptwege von drei großen Landschaften liegt, so muß notgedrungen der ganze Verkehr an unserem Hause vorbei, wodurch es Leben genug giebt. Im Norden liegt der mit ewigem Eise bedeckte Kibo, der höchste Gipfel des Kilimandscharo. Die schönsten idyllischen Spaziergänge sind ganz in der Nähe der Station, und eS ist meine große Liebhaberei, durch die Bananenwälder zu streifen und das Leben und Treiben der Eingeborenen zu beobachten und kennen zu lernen.

Aus dieser kleinen Beschreibung werden meine Schwestern in Europa sehen, daß es sich doch nicht ganz so schlecht im schwarzen Erdteil leben läßt und wenn ich der einen oder anderen Reiselust erweckt habe, so rufe ich ihr zu, sie soll uns herzlich willkommen sein, denn selbst für ein Fremden­zimmer ist bei uns gesorgt*.

Geineinnritziger.

Lheeftecke entfernt man au§ leinenen Tafeldecken auf folgende Weise: Man verrührt ein rohes Gelbei mit Glycerin zu gleichen Teilen, bestreicht damit den Fleck, wäscht ihn dann mit einem Schwämmchen und heißem Wasser aus und plättet die Stelle noch halb feucht mit einem nicht zu heißen Eisen auf der linken Seite.

Fleckwaffe« für Wollstoffe. 1 Liter Regenwasser, 1 Liter Kornbranntwein, zwei Ochsengallen, vier Eidotter, 65 Gramm venetianische Seife, 275 Tropfen Bergamottöl werden in einer Glasflasche gut geschüttelt. Mit diesem Wasser wird ein wollenes Läppchen gut befeuchtet. Man reibt damit den Fleck solange, bis er fort ist, und spült die Stelle in kaltem, reinem Wasser aus. Fettflecke werden jedoch nicht durch dieses Wasser entfernt.

Kitt für Waffervasstas und Brunne«. 9 Teile fein gestoßenes und gesiebtes Zicgelmehl und 1 Teil Blesglätte werden gut vermischt und durch Zusatz von Leinöl in der gehörigen Konsistenz zum Gebrauch fertig gemacht. Dieser Kitt, welcher kalt angewendet wird, hält das Wasser sehr gut zurück. Er braucht aber fünf bis sechs Tage bis er trocknet.

Aeld und Karten.

Ueber die Wirkungen künstlicher Düngemittel an Ohstbüumen werden seit einigen Jahren umfassende Ver­suche angestellt. Interessant sind die Beobachtungen, die ein Landwirt des Alten Landes in seinen Baumschulen und Obstanlagen bei Anwendung von Chilisalpeter gemacht hat und über welche er in der neuesten Nummer despraktischen Ratgebers" berichtet. Die betreffende Nummer wird Garten­freunden vom Geschästsamt despraktischen Ratgebers" in Frankfurt a. Oder kostenfrei zugeschickt.

Wie schützt ma«geschriebene Namenbezeich­nungen" im Garten gegen Rege«? Man bestreiche die geschriebenen Namenschtldchen mit einem Lacke, bestehend aus einer dicken Lösung Gummi arabicum, welcher man etwa 30 Prozent Alkohol zusetzt. Zum Bestreichen verwende man einen weichen Pinsel und streiche vor allen Dingen die Ränder recht sorgfältig. Ist dieser Lack getrocknet, so überstreiche man die Schildchen nochmals mit einem solchen aus 10 Teilen Mastix, 0,2 Teilen flüssigem Storax und 35 Teilen Alkohol. Dieser Lack ist sehr ausgiebig.

Kür die Küche.

Einfacher Küchenzettel. Sonntag: Bouillonsuppe mit Etergelee, Schweinebraten, Kartoffelklöse und Dämpfkraut oder Salat. Montag: Reissuppe, Maccaroni mit Schinken. Dienstag: Nudelsuppe, Rauchfleisch mit Spinat und Kartoffeln. Mittwoch: Hagebuttensuppe, Hammelfleisch mit grünen Bohnen. Donnerstag: Mehlsuppe, Kalbsbraten, Kartoffeln und Kompott oder Salat. Freitag: Selleriesuppe, Eierkuchen und ge­dämpfte Pflaumen. Sonnabend: Porreesuppe, Spinat mit Eiern und gebratener Kalbsleber.

Frikassee vo« Froschkeule«. Die Keulen werden in heller Fleischbrühe mit Wurzelwerk und feinen Kräutern gar gemacht. Mit einer Mehlschwitze wird die gewonnene Brühe zu einer dickfließenden Sauce verkocht, dieselbe mit Eigelb, Weißwein, Zitronensaft und einer Wenigkeit-Sardellen­butter gebunden und abgeschmeckt. Die Froschkeulen läßt man in der durchgestrichenen Sauce heiß werden nicht kochen und richtet das Frikassee in einem Blätterteigrande an,- oder man umgiebt es mit Fleurons.

Waldmeister-Sauee. In 5 Dezigramm Butter läßt man eine kleine Prise Zwiebel anlaufen, fließt 5 Dezigramm Mehl dazu, läßt es rösten, doch nicht braun werden, über­gießt es mit Suppe und Rahm, giebt einige Tropfen Zitronen­saft und Salz dazu, läßt alles gut verkochen und giebt zwei Löffel voll gewiegtes Waldmeisterkraut hinein, welches noch eine Weile kochen muß.

Brot vor dem Tchimmligwerde« z« schütze«. Um das Schimmligwerden zu verhüten, steckt man das frisch gebackene Brot, sobald es aus dem Ofen kommt, in einen Mehlsack, aus welchem noch nicht alles Mehl entfernt ist, und zwar so, daß die Oberrtnden des Brotes aufeinander- liegen. Hierauf bindet man den Sack zu und hängt ihn an einem lustigen Orte frei schwebend auf. Auf diese Weise hält sich das Brot vier bis sechs Wochen frisch, ohne trocken zu werden und ohne Schimmel anzusetzen. Bor dem Gebrauch bürstet man es mit einer feinen Bürste ab und legt eS eine Nacht vorher in den Keller, damit es wieder geschmeidig wird.

Humoristisches.

In der Schule. Lehrer:Wilhelm, wieviel find 5 und 1?" Wilhelm (schweigt). Lehrer:Aber Junge, wenn ich Dir jetzt fünf Aepfel gebe und dann noch einen, wieviel Aepfel hast du dann? Wilhelm:Sieben". Lehrer:Was, Junge, sieben?" Wilhelm:Ja, einen hab' ich schon in der Tasche".

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Kindermund.Emil, Du kommst ja heut so spät aus der Schule, wie geht denn das zu?"Ach, Papa, ich ich es war heut so schön, da bin ich länger dageblieben".

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Im Theater. Herr:Darf ich bitten, meine Gnädige, den Hut abzunehmen? Ich habe doch für meinen Platz fünf Mark bezahlt . ." Dame:Und ich habe für meinen Hut fünfzig Mark bezahlt".

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Sonntagsjägerei.Auf Eurer Jagd ist wohl oft Veränderung?"Ja, die Jagdgäst' wechseln aber der Hase ist immer derselbe".

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Aus der Jnstruktionsstund e. Feldwebel: Müller, wer ist nach dem Herrn Leutnant Ihr nächster Vorgesetzter?Müller:Der Herr Hauptmann". Feld­webel:Richtig. Nun, sagen Sie mir aber: Vor wem muß auch der Herr Hauptmann Respekt haben? Müller:Bor der Frau Hauptmann!"

Redaktion: <5. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schcn UniversttätS-Buch- und Hteindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen,