Ausgabe 
26.3.1899
 
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1899.

Sonntag den 26. März.

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dsä em gepreßten Herzen klinget r'MJ* Mancher tröstende Akkord, Aber wahren Frieden bringet Nur ein einz'ges strenges Wort.

Pflicht, geübt mit festem Herzen, Bleibt allein auch ewig treu: Sie allein heilt alle Schmerzen, Sie allein macht Menschen frei.

v. Feuchtersleben.

Nachdruck verboten.

Die Armenhausprinzessin.

Roman von O. Elster.

(Fortsetzung.)

Willst Du wieder fortgehen, Elfte?" fragte der alte Hans Heinrich traurig.Es steht das ganz in Deinem Belieben, aber ich bleibe hier, ich gewöhne mich nicht mehr an einen fremden Ort. Alte Bäume soll man nicht ver­pflanzen."

Elfte lächelte.Du sollst auch hier bleiben, Vater. Aber ich will Dir eine bessere und würdigere Heimat be reiten, als dieses ärmliche Haus."

All right, mir genügt es."

Es soll aber auch zugleich meine Heimat, meine Stätte der Erfahrung, des Friedens werde«. Ich will in die Welt hinaus, Vater, ich will für Dich und mich kämpfen und streben, um uns ein freies, würdiges Leben zu schaffen. Ich habe meine Lehrzeit gut angewandt, ich habe die Welt kennen gelernt, ich kenne jetzt den Weg, der mich zum Ziele führt."

Weiß der Mensch das Ziel seines Lebens?"

Ich weiß es, Vater!"

All right, dann zieh hinaus ich vertraue Dir."

Aber ich kann nicht allein in die Welt gehen unsere gute Dorette muß mich begleiten."

Frau Dorette erschrak gewaltig, als sie hörte, sie solle mit nach Berlin, nach Hamburg, vielleicht nach England und Amerika über das große, weite Meer. Aber was that sie nicht alles für das Herzenskind, für ihre Elste. Ihr resolutes Wesen half ihr auch über die Schrecken der weiten Reise hinweg. Den alten Kriegs- und Lebensinvaltden hatte sie unter ihren Schutz genommen und gegen Herrn Pannkuchen, Herrn Brendicke und die ganze Stadt verteidigt, jetzt wollte sie auch das Kind ihres Jugendfreundes auf feinen Welt­fahrten beschützen und beschirmen und wehe dem, der ihrem Goldkinde zu nahe treten würde! Ihre einzige Sorge war der alte Hans Heinrich. Loch dieser lachte über die Be­sorgnis Frau Dorettens."

//All right!" grinste er,hab' meiner Lebtag schon oftmals unter anderen und schwierigeren Verhältnissen meine eigene Haushälterin sein müssen! Also, zieh nur mit in die Welt, Dorette, aber komm mir nicht als vornehme Dame wieder."

Frau Dorette verwies ihm seine thörichten Scherze. Dann aber begab sie sich an das Einpacken der Koffer und Kisten, deren Elsie eine ziemliche Anzahl aus der Residenz mitgebracht hatte. Solche prächtige Kleider, solch feine Wäsche hatte Frau Dorette ihr Lebtag noch nicht gesehen, obgleich sie doch in den feinsten Häusern der Stadt, bei Bürgermeisters und bei Amtsrichters gewaschen hatte.

Einen Tag vor der Abreise machte Elsie bei dem Rektor Ahrens einen Besuch. Der Rektor und seine Frau empfingen Elsie in leichter Verlegenheit, sie wußten nicht, was sie von dem Mädchen halten sollten. Als sie aber die stolze Er­scheinung Elftes vor sich sahen, und ihre ruhige Sicherheit, ihr energisches Wesen bemerkten, da wurden sie nur noch unsicherer und verlegener.

Sie i-nb erstaunt, mich wieder hier zu sehen, Herr Rektor?" sprach Elsie lächelnd.

In der That ich glaubte, Sie würden ein Engage­ment annehmen Sie würden die künstlerische Laufbahn verfolgen ich denke, Sie bleiben nicht lange bei uns ..."

Wenn es auf mich allein ankäme, bliebe ich für immer hier," entgegnete Elsie ernst.Aber so reise ich morgen wieder ab.

Erklären Sie mir doch bitte."

Sie haben mich in die Welt hinausgesandt, Herr Rektor, meinem eigenen Wunsche gemäß. Ich bin Ihnen von Herzen dankbar für Ihre Liebe und Güte, mit welcher Sie meine Kindheit geleitet, für Ihre Erziehung und Ihre Lehren. Ohne Sie wäre ich ein einfaches Bauernmädchen geblieben vielleicht zu meinem Glück."

Sie versündigen sich, Elste. Ich habe das Beste mit Ihnen im Sinn gehabt, wenn dennoch Unangenehmes daraus entstanden ist, ich bin schuldlos."

Die Schuld trage ich," versetzte Elsie bitter.Wes­halb träumte ich so thöricht von der großen, schönen Welt, von dem Märchenprinzen, der mich zu seiner Prinzessin machen sollte ..."

Elsie?!"

Fürchten Sie nichts, Herr Rektor. Ich bin keine Prinzessin geworden. Ich bin arm und frei; ebenso arm und frei, wie damals, als ich von hier fortging. Aber