Ausgabe 
26.1.1899
 
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dies von unseren kleinen Lieblingen Leibschmerzen mit den damit verbundenen Folgen zuziehen. Folgendes Mittel ist sehr wirksam dagegen: Man trinke eine Taffe Kümmel- thee, reibe den Leib mit warmem Rum ein und bedecke ihn mit einer Flanellbinde.

Ein einfaches Hausmittel, nm weiße Hände zu erhalten, ist folgendes: Man wasche die Hände in ziemlich warmem Wasser, daß sich die Poren öffnen und die Haut geschmeidig wird. Dann seife man sie tüchtig ein und tröpfle etwa einen Theelöffel Glycerin in die Hand und wasche sie mit diesem Seifenschaum. Darauf trockne man sie, ohne die Seife abzuspülen, ab. Die Hände werden, wenn sie aufge­sprungen sind, schon nach einmaligem Gebrauch heilen, und wenn man sie täglich mehrere Male beim jedesmaligen eWaschen so behandelt, wird man bald eine schöne, zarte Haut rhalten.

Aetd und Karten.

_ Eine Kulturpflanze, die in früheren Jahrhunderten von großer Bedeutung war, jetzt aber verschwunden ist aus unseren Kulturen, ist die Kichererbse oder Zifer. Es ist keine eigentliche Erbse, sondern eine zu den Wickenarten gehörige Hülsenfrucht. Schon Karl der Große führt diese Kichererbse unter der Zahl der Gartenpflanzen auf, welche auf seinen Landgütern zum Anbau befohlen wurden, und die heilige Hildegard, eine der größten Gartenmeisterinnen aller Zeiten, bezeichnet sie als leichte, angenehme Speise. Neuerdings hat Freiherr von Schilling erfolgreiche Versuche gemacht, diese vergessene Gartenpflanze wieder anzubauen und bringt darüber eine ausführliche Beschreibung mit Bildern in der letzten Nummer despraktischen Ratgebers im Obst- und Garten­bau" in Frankfurt a. O. Den Bemühungen des Herrn von Schilling ist es auch gelungen, einen größeren Posten Samen zu erhalten, der an Leser genannten Blattes in allen Teilen Deutschlands verteilt werden soll, um zu versuchen, das Ge­müse wieder einzusühren.

Eine praktische Vermehrungsart der Remouta«tuelke« ist folgende: Man nimmt einen Topf von 10 Zentimeter Weite und einen solchen von 7 Zentimeter Weite, dessen Ab­zugsloch mit Kitt wasserdicht verschlossen wird. Ist der Kitt trocken, so erhält der größere Topf eine Scherbenunterlage, auf die so viel Erde gefüllt wird, daß der so hineingestellte kleinere mit dem größeren in einer Höhe steht. Den Zwischen­raum zwischen beiden Töpfen füllen wir mit Erde, in welche die Stecklinge gesteckt werden. Ist dies geschehen, so wird der leere innere Topf mit Wasser gefüllt, das man ab und zu nachgießt. Von diesem Wasser tritt durch den porösen Topf so viel in die Erde ein, als die Stecklinge brauchen/ sie werden sogar nicht gegossen und bewurzeln sich nach 4 bis 6 Wochen sicher Beste Vermehrungszeit für Steck­linge: Januar und Februar.

Aür die Küche.

Um das Anbrennen der Milch zu verhüte«, darf dieselbe, wie derPraktische Wegweiser", Würzburg, schreibt, niemals in einem Gefäß, welches vollständig trocken war, aufs Feuer gesetzt werden, sondern man muß in den Topf, den man gewöhnlich zum Kochen der Milch verwendet, stets Wasser gießen, das man selbstredend v >r dem Eingießen der Milch ausleert. Es genügt auch, das Gefäß vor dem Ab­kochen der Milch einfach mit Wasser auszuspülen.

Serviettenklotz von Gries. Man läßt 1 Liter Milch ndt 90 Gramm Butter, 100 Gramm Zucker, einem Stück Zimmt und etwas Citronenschale zum Kochen kommen, rührt 250 Gramm Gries hinein und kocht denselben zu einem steifen Brei, der sich vom Gesäß ablöst. Dann schüttet man ihn zum Erkalten in eine Schüssel, mischt acht Eidotter, etwas Salz und den Schnee der Eiwnße darunter, bindet die Masse

Redaktion; G. Burkhardt.

in eine ausgewaschene, mit Butter bestrichene Serviette, kocht sie eine Stunde in einem Topf mit siedendem, schwach ge­salzenem Wasser, stürzt den Serviettenkloß auf eine Schüssel und gie6t ihn mit Obst-Sauce oder gedämpftem Obst auf; auch Wein-Sauce paßt dazu.

Resterpudving. Man wiegt 500 Gramm kaltes Suppen- oder Bratenfleisch fein, vermischt es mit 100 Gramm rohem gehackten Fleisch, vier Eidottern, 100 Gramm geriebener Semmel, zwei gewiegten Scharlotten, 60 Gramm geschmolzener Butter und zwei Theelöffel aufgelöstem Fleischextrakt. Man würzt die Masse mit gehackter Petersilie, Muskatnuß und Salz, zieht den Eiweißschnee durch die Masse und bäckt den Pudding in ausgeftrichener Form eine Stunde. Man stürzt ihn und giebt eine Pilzsauce dazu.

Reiskuche«. Man verrührt 6 Eier mit 125 Gramm Butter, 75 Gramm gestoßenem Zucker und 125 Gramm in ein Liter Milch dick gekochtem Reismehl, giebt den Schaum von 6 Eiweiß darein, auch Citronenschale» und Citronat, oder Zimmt und Rosenwaffer, füllt diese Maffe wohlgerührt auf den Butterteig und gießt 40 Gramm geschmolzene Butter darüber.

Vermischtes.

Die Vevtsche Sprache. Der französische Gesandte am Berliner Hofe in den fünfziger Jahren äußerte sich einmal einem berühmten deutschen Schriftsteller gegenüber, daß die deutsche Sprache doch mit der französischen in gar keinem Vergleiche stände.Die Deutschen", so fuhr der Franzose fort,sind nicht imstande, in ihrer Sprache das genau auszudrücken, was sie sagen wollen. Die Sprache ist plump und unbehilflich. Es ist ein solcher Wust von Worten, die durchaus überflüssig sind, die vielfach nur dasselbe sagen, sodaß man sich aus diesem Labyrimh nicht zurechtfinden kann. Ihrer Sprache fehlen eben die feinen Nuancen, wie sie die unsrige hat."Oh," entgegnete ihm der Deutsche,ich kenne doch meine Muttersprache ganz gut, das ist mir aber noch nicht aufgefallen, daß bei uns zwer Wärter ganz dieselbe Bedeutung haben."Ach, da könnte ich Ihnen doch einige Beispiele nennen." So, da bin ich begierig."Na, also zum Beispiel: Nennen und heißen."Daß ich nicht wüßte," erwiderte der Schriftsteller,ich kann meinem Diener wohl heißen, etwas zu thun, aber nicht nennen." //Hm, ja allerdings, da haben Sie recht, aber dann: Speisen und essen."Oh, nein, Sie können z. B. hundert Arme speisen, aber nicht essen I"Da haben Sie auch wieder recht, aber nun: Senden und schicken?" Erst recht nicht, mein Herr. Sie sind wohl ein Ge- andrer, aber kein Geschickter!" Dem Gesandten soll von da an die deutsche Sprache noch unsympathischer gewesen sein.

In Erwartung. Lehrer:Hansl, warum hast denn heute mitten in der Woche Dein Feiertagsgewand an?" Hansl:Der Vater hat g'sagt: Heut nachmittag brennts daheim."

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Ein Trost.Ach, Herr Doktor, ich glaub', mir wirds erst wohl, wenn ich tot bin."Nur Mut, nur Mut, mein Lieber! ich werde mein Möglichstes thun!"

Er (teilnehmend):Du h*ast Dich ja schrecklich erkältet." Sie:Ja, ich bin so heiser, daß ich gar nicht schreien könnte, wenn Du jetzt versuchen solltest, mich zu küffen."

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Im Louvre. Zwei Soldaten schauen einem Maler ii», der ein berühmtes Gemälde kopiert:Du, warum macht denn der ein neues Bild?"Ja, weißt, das wird aufgehängt, wenn das alte schmutzig geworden ist." (Jugend.)

Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.