Ausgabe 
26.1.1899
 
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Direktor hielt es jetzt für nötig, ihn dem jungen Herrn Baron Albert von Trott, Adjutant im Generalstab, vorzustellen. Die Brüder verneigten sich förmlich vor einander, Albert stieg das Blut zu Kopf, es war eine alberne Komödie. Wie in einem wirren Traum flocht sich alles durcheinander. Hertha kannte den Bruder, stand vertraut mit ihm, wie es schien, und hatte doch seiner nie zu ihm er­wähnt. Wurde da ein gemeinsames Komplott geschmiedet gegen ihn? Die wunderlichsten und abenteuerlichsten Gedanken flogen Albert durch den Sinn.

Während Mr. White mit den Damen vorausging, dem Ausgang des Fabrikgebäudes zu, der in dem Gewirre von Sälen, Gängen und Treppen gar nicht leicht zu finden war, gab der Direktor Albert einige Erklärungen. Dieser Amerikaner sei ein ungemein intelligenter und praktisch erfahrener Mensch, der sich weit in der Welt umgethan habe. Er käme öfter, nähme mit einem Zimmer unten in der Schenke vorlieb, streife dann tagelang auf der Besitzung umher, habe für alles Interesse und Einsicht, und stehe mittlerweile auf freundschaftlichem Fuß mit dem ganzen Beamtenpersonal. Es kämen häufiger Fremde, um diese Einrichtungen, die ja auch sehenswert seien, zu studieren, aber ein so eingehendes und dauerndes Interesse habe kein anderer, als dieser Mr. White. Die Amerikaner seien eine schnurrige Sorte von Leuten.

Hat denn mein Onkel den Fremden nie gesehen?'' fragte Albert.

Nie," entgegnete der Direktor.Wie Sie wissen, kommen ja der gnädige Herr Baron selten in eigener Person in die Außenwerke, wir müssen alle zum Berichterstatten ins Schloß. Ich habe auch dem gnädigen Herrn nie von dem Fremden gesprochen, es gab nicht die Gelegenheit, und der gnädige Herr lieben kurzen, knappen Vortrag, zur Mitteilung von nebensächlichen Dingen kommt man nicht." Der Direktor lächelte, der Neffe kannte des Onkels Gepflogen­heiten ja auch hinlänglich.

Hertha, Mathilde und HanS gingen in lebhaftem Ge­spräch vor ihnen her, Herthas helles Lachen bewies, daß die Unterhaltung heiterer Natur war.

Toller Spuk Albert war zu Mut wie einem, der erdrosselt werden soll.

Na nun steht die Welt nicht mehr lange," rief der Direktor plötzlich uud hemmte einen Moment seinen Schritt, der gnädige Herr Baron in höchst eigener Person. Ich glaube, er war seit einem Jahr nicht in der Fabrik."

Albert schaute in die Richtung, und wirklich, die hagere Gestalt des Alten, auf seinen Stock gestützt, kam die Dorf­straße entlang, ihnen gerade entgegen.

Hans Mr. White stutzte, Albert, der jetzt dicht hinter ihm stand, sah es, wie er zusammenzuckte. Aber das ging bald vorüber. Jetzt stand er breit und massig, mit einem seltsam flammenden Blick in seinen Augen da und schaute dem nur noch wenige Schritte Entfernten gerade in das Gesicht, den Hut höflich lüftend.

.Der Direktor beeilte sich, vorzutreten. Er begrüßte den Schloßherrn mit großer Ehrerbietung:Gnädiger Herr I welch eine Ueberraschung! Hätte ich es gewußt, ich würde das Personal versammelt haben"

Baron Jobst winkte abwehrend mit der Hand, dann traf sein Blick den Fremden, Mr. White. Einen Moment blieb sein Fuß wie angewurzelt, und seine Züge bedeckten sich mit einer fahlen Bläffe. Die Männer verharrten regungslos Äug' in Auge eine Viertelstunde.

Dann stellte der Direktor den Amerikaner vor, mit einigen erklärenden Worten, wie er sie vorhin Albert schon gegeben hatte.Die Kenntnisse des Herrn in Bezug auf amerikanische Mafchinenindustrie haben mir manchen wichtigen Fingerzeig gegeben," setzte er hinzu.

(Fortsetzung folgt.)

Gemeinnütziges,

Gefrorene Fensterscheiben von Eis zu befreie«. Gefrorene Fensterscheiben lassen sich schnell von Eis befreien, wenn man ungefähr eine Handvoll fein gestoßenes Kochsalz in einem halben Liter warmes Waffers löst und mit dieser Flüssigkeit die gefrorenen Scheiben mittelst eines großen Borstenpinsels bestreicht. DaS Eis verschwindet sogleich. Bei sehr starkem Froste ist es nötig, die Fenster danach gehörig abzutrocknen.

Um beim Kehren der Teppiche de« Stand ahzn- halte« und die Farben aufzufrischen, ist das beste Mittel, kurzes Wiesengras, solange der Thau noch daran ist, darauf zu streuen. Ausgelaugte, feuchte Blätter von grünem Tbee sind bei dunklen Teppichen ebenfalls gut, bei Hellen aber nicht anwendbar, weil sie dieselben fleckig machen.

Fettflecke ans Seidenzeuge« u«d««e« Stoffe« beseitigt man mittelst Benzinfleckwasser,- aus Tuch und dicken Stoffen mit Reintgungssalz. Fettflecke in Papier bestreicht man messerrückendtck mit einem Brei aus Magnesia und Benzinfleckwasser. Ist die Masse trocken, stäubt man die Stelle ab. Das Verfahren muß eventuell wiederholt werden.

Futzdodenlack bereitet man sich selbst sehr einfach und mit geringen Kosten, wie folgt: In einem Liter Brennspiritus (es kann denaturierter genommen werden, was auch wieder eine Ersparnis bedeutet) thut man ein halbes Pfund ganz Hellen Schellack, den man an einem warmen Orte, etwa in der Nähe des Küchenofens, 48 Stunden lang stehen läßt, in welcher Zeit er sich vollständig auflöst. Damit ist er zur Verwendung fertig und es kann nun ein schadhaft gewordener Fußboden aufs schönste mittels seiner aufgebessert oder vollständig erneuert werden. Der Lack wird entweder mittels eines nicht haarenden Pinsels ganz gleichmäßig den Dielen aufgestrichen oder mit Hilfe eines nicht fasernden Leinen­lappens ihnen etngerieben. Die erstere Art ist aber besonders für Laienhände, die leichtere und des Gelingens sichere. Auch hat sie den Vorzug der größeren Sauberkeit. Das Auffrischen kann öfters wiederholt werden. Jede Hausfrau wird, wenn sie diesem Winke Folge leistet, nachher Freude empfinden, erstens über ersparte Kosten, dann über ersparten Aerger, mit oft recht unzuverlässigen Handwerkern und Summa Summarum über die Früchte eigener hausfraulicher Kraft und Rührigkeit.

KesmrdHeitspffege.

Mittel gege« Zahnschmerz. Auch der stärkste Zahn­schmerz soll bei Anwendung folgenden Mittels augenblicklich verschwinden: Man gieße sich etwas Rum in die flache Hand, nachdem man zuvor ein wenig geschabte Kreide hineingethan.' Von dieser Lösung ziehe man noch ehe zu viel Kohlen­säure aus der geschabten Kreide entweichen kann mög­lichst viel in die Nase. Ist letztere gefüllt, fo halte man die Nase eine viertel bis eine halbe Minute lang zu, damit das Eingesaugte nicht sofort wieder herauslaufen kann. Fast in demselben Augenblicke, in dem man die Flüssigkeit einsaugt, verschwinden die Zahnschmerzen, gleichviel, welcher Art dieselben sind. Es ist natürlich kein Mittel, das den Zahnschmerz für die cauer beseitigt, ein solches gießt es ja bekanntlich nicht, es hat aber vor allen anderen den Vorzug, daß cs sehr billig ist und dabei ausnahmslos ganz sicher wirkt.

Bei jedem Gebrauch der ZSH«e ist darauf zu achten, daß rechts und links möglichst gleichmäßig gekaut wird, und daß auch die Schneidezähne recht oft und tüchtig angewendet werden. Messer zum Zerschneiden der Brot- cheiben re. sind möglichst zu vermeiden.

Leibschmerze«. Wie leicht kann man sich bei den etzigen ungünstigen Wetterverhältnissen hauptsächlich gilt