Ausgabe 
26.1.1899
 
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jO® eine Heimat liegt im Blauen, Fern und doch nicht allzuweit, Und ich hoffe sie zu schauen Nach dem Traum der Endlichkeit. Wann der Tag schon im Versinken Und sein letztes Rot verbleicht, Will es manchmal mich bedünken, Daß mein Blick sie schon erreicht.

Martin Greif.

Nachdruck verboten.

Gesühnte Schuld.

Roman von Alexander Römer.

(Fortsetzung.)

Gott allein wußte, wie er damals gelitten hatte, welch schreckliche Bilder ihn peinigten, und wie dieses Erlebnis dazu beitrug, ihn aus dem sorglosen Leichtsinn aufzurülteln und zu vertiefen. Dazu dieser Bruder, dieses ewige Damokles­schwert über seinem Haupte. Er hatte ihn nicht wieder ge­sehen, aber Hans war beim Onkel gewesen, was war zwischen den beiden verhandelt worden?

Später, bei ruhigerem Blut, nahm Albert an, daß Hans eine endgültige Abweisung vom Onkel erfahren, sich darunter gebeugt habe und in den fremden Weltteil zurück- gekehrt sei aber Gewisses wußte er darüber nicht.

Auch diese Aehnlichkeit, die ihn vor einem Monat so aufgeregt, hatte er sich zu erklären versucht. Es gab solche Naturspiele, und bei nahem Gegenüberstehen würde er die Verschiedenheit gefunden haben. Jetzt aber stand sie ihm nahe gegenüber, neigte sie kühl und maß ihn mit einem ganz fremden, kalten Blick. Er war kaum imstande, Haltung zu bewahren, seine Gesichtsfarbe war erdfahl geworden, das Zimmer drehte sich ihm im Kreise. Er hörte nur ein Brausen vor seinem Ohr, verstand nichts von dem, was der Onkel, was Hertha sagten, er wußte es nicht, ob auch sie sprach. Er sah nur wie durch einen Nebel ihre reizvolle Gestalt, und wirr wogten die Gedanken durch sein Gehirn. War es möglich? Die Villany Mathilde aber sie war es wirklich und leibhaftig, sein Auge und sein Herz täuschten sich nicht.

Herthas Stimme weckte ihn zuerst aus seiner Betäubung. Sie war dicht an ihn herangetreten und sagte jetzt halblaut:

.Was ist Ihnen? Sind Sie krank?"

Er nahm sich gewaltsam zusammen, des Onkel scharfes, durchbohrendes Auge ruhte auch auf ihm.

Verzeihung," bat er, sich zu einem unbefangenen Lächeln zwingend,es ist diese Frühlingsluft, ich bin scharf geritten, wollte eigentlich noch rechtzeitig zur Tafel kommen mich faßte eben ein Schwindel."

Baron Jobst trat teilnehmend näher.Du siehst schlecht aus," sagte er,man soll Dir nachservieren, wenn Du vor dem Diner fortrittest, so wird Dein Magen sein Recht fordern."

Hertha lachte.Zlrmer Ritter von der traurigen Ge­stalt, also Hunger das ist tragikomisch aber ich kann Ihnen schönen Trost geben, da sind noch köstliche Hummer, soupe a la reine, und den Rehziemer haben wir nicht ganz vertilgt."

Der Hausherr hatte geschellt, der Diener erschien und erhielt seine Befehle, es wurde Albert erlaubt, sich zu ent­fernen, um sich erst im Speisesaal zu restaurieren.

Von Scherzworten begleitet ging er und lehnte sich draußen taumelnd an den Thürpfosten.

Mathilde hatte der kleinen Szene mit der Miene äußerster Gleichgiltigkeit zugeschaut, seine Fassungslosigkeit erleichterte ihr ihre Rolle. Er mußte es wissen von der ersten Stunde an, sie waren einander völlig fremd. Die Vergangenheit war tot, sie war nicht mehr Mathilde Weiland, die Siebenzehn­jährige, welche seinen leichten Schwüren Gehör lieh, sie war die berühmte Künstlerin Billany, und die Existenz jener war bis auf den Namen ausgelöscht. Ihr Puls war auch wieder normal, sein unerwarteter Anblick hatte sie einen Moment elektrisiert, jetzt war es vorüber, und nur das Interesse blieb, sein ferneres Verhalten zu beobachten.

Als Albert nach einer Weile gesammelt und erholt wieder eintrat, ward es eine allgemeine Unterhaltung, bei der ein Uneingeweihter keinerlei besondere Beziehungen hätte wittern können. Und doch waren drei von den Anwesenden bei keinem angeschlagenen Thema ernstlich bei der Sache, und der vierte war ein alter, wortkarger Mann, der unter­halten werden sollte. Die gesellschaftliche Schablone hilft da vortrefflich aus.

Am anderen morgen äußerte Mathilde den Wunsch, einen Spaziergang in der Umgebung des Schlaffes zu machen. Sie hatte von den großartigen wirtschaftlichen Einrichtungen und Betrieben auf der Besitzung gehört und meinte, es würde ie interessieren, solch eine Musteranlage zu sehen, wenn sich auch gewiß manches dabei ihrem Verständnis entzog.