Ausgabe 
25.11.1899
 
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Unverändert im Laufe der Zeiten hat sich indes das Kreuz erhalten. Dem Volke mit seinem natürlichem Empfinden ist eS wohl heilig, weil Christus daran den Erlösertod starb, aber daß es seit dem Beginn unserer Zeitrechnung den An­hängern der christlichen Religion die Person Jesu, das Christentum und die GlaubenStreue versinnbildlicht, weiß es kaum. Ebenso ist eS vielen unbekannt, daß man verschiedene Grundformen bet ihm unterscheidet: das griechische, welches auS zwei rechtwtnkelig in der Mitte sich kreuzenden Armen besteht, das lateinische mit verlängertem unteren Arm, das russische oder Andreaskreuz, dessen Balken sich wie die Diagonalen eines Vierecks oder stehenden Rechtecks durchschneiden, und das alttestamentüche, ägyptische oder Antoniuskreuz, das mit seinem horizontal über den unteren sich legenden oberen Arm einem lateinischen T ähnlich erscheint. Als Grabkreuz wird heutzutage jedoch lediglich daS lateinische verwendet. Nur wenn man wie in katholischen Gegenden zuweilen geschieht ein Kruzifix auf dem Hügel aufstellt, wählt man häufiger das Antoniuskreuz, weil an dieses, der geschichtlichen Ueberlieferung nach, Christus genagelt wurde.

Neben den Kreuzen nehmen die Kreuzblumen einen be­rechtigten Ehrenplatz bei der Schmückung unserer Gräber ein. Dem Laien erscheinen sie meist nur als reichere und kom­plizierter gegliederte Abart jener, der Kunsthistoriker dagegen bezeichnet sie als eine für stch bestehende Verzierungsform. Im wesentlichen unterscheiden sie sich von den Kreuzen durch ihre zentrale Anlage- während die letzteren sich als freie Endigungen in der vertikalen Ebene entwickeln, breitet die Kreuzblume ihre Arme nicht nur seitwärts, sondern auch nach vorn und rückwärts aus. In der Regel umkleiden ihren Stamm, der häufig die Gestalt einer langgestreckten vier- oder achteckigen Pyramide hat, krabbenartige Ansätze in ein- oder mehrfacher Reihe. Die Spitze trägt stets eine stilisierte Blattknospe.

Unserem Geschmack erscheinen allerdings die Kreuzblumen als Ersatz der Kreuze zu leicht und daher nicht ernst und streng genug in der Wirkung. Ihre rechte Bestimmung er­füllen sie erst als Krönung von Mausoleen und Grab­monumenten. In Süddeutschland, wo die Kirchhöfe im all­gemeinen einen ungleich größeren Aufwand veranschaulichen, als im Norden, sieht man herrliche Denkmäler dieser Art, ganz in Marmor ausgesührt, der sich blendend weiß von Taxusgebüschen und seinen hängenden Nadelhölzern abhebt. Manche zeigen die Form kleiner Tempel in dem Geschmack der französischen Gothik, unter dem ein Muttergottesbild oder ein Kruzifix steht, auf anderen schwebt über säulen­getragenem Dache eine Taube, das Sinnbild der Unsterblichkeit.

Auch Porträtstatuen der Verstorbenen unter einer baldachinartigen Wölbung find sehr beliebt. Einen rührend weihevollen Eindruck machte ein Denkmal, dessen Hauptstück ein aus karrarischem Marmor gemeißelter Genius bildete, der die Züge der schönen jungen Gattin des Verstorbenen trug. In der Verzierung solcher Monumente finden auch die anderen erwähnten Kreuze Verwendung. Auf dem Friedhof der Griechisch-Katholischen sieht man, mit allerhand Sinnbildern vereinigt, das Andreas- oder russische Kreuz, welches im Brauch der syrischen Kirche eine große Rolle spielt.

Doch, wie wenige Sterbliche besitzen die Mittel, um die Gräber ihrer Heimgegangenen Lieben so kostbar auszu­statten ! Die weitaus meisten müssen stch begnügen, die Hügel mit Rasen, Epheu oder Immergrün zu bekleiden und ein paar Blumenstöcke zu pflanzen. Von dem Kreuz nimmt freilich selbst der Aermste nicht gern Abstand, und müßte er sich auch mit einem schlichten aus schwarzgestrichenem Holze begnügen- solch einfaches Grab erscheint zudem oft unend­lich poestevoller, als andere reichverzierte, von kostbaren Gittern umgebene, durch Marmor-Kreuze gezeichnete, denen jede Blumenspende fehlt.

Indessen nicht immer ist, wenn diese mangelt, Gleich­

gültigkeit die Ursache. Ziehen die Angehörigen der Toten in ferne Lande, so kann es wohl vorkommen, daß sie, auch selbst wenn sie dem Totengräber die erforderliche Summe hinterlassen, die Gräber ihrer Lieben dermaleinst in ver­fallenen Zustande wiederfiuden. Viele Leute, denen dieser Gedanke qualvoll ist, bedecken sie daher mit steinernen Platten, auf denen der Name und das Datum des GeburtS- und Todestages der Abgeschiedenen eingemeißelt ist. Das Grab ist geschützt, es braucht keine Pflege und bleibt doch unver­sehrt. Und ob Jahrhunderte, ja Jahrtausende verfließen so lange der Stein sich darüber breitet, darf niemand dem Toten sein Bett streitig machen. Er behütet seinen Schlummer vor jeder Störung und bewahrt der Nachwelt seinen Namen auf.

Auch der Ursprung dieser Steingräber ist in sinnbildlichen und religiösen Vorstellungen zu suchen. Ehedem hausten die Wölfe arg in den germanischen Landen, und die Gefahr lag nahe, daß sie die Gräber aufwühlen und die Leichen zer­reißen möchten. Wenn schon dieser Gedanke an stch wider­wärtig erscheint, so erregte er bei den gläubigen Christen umsomehr Angst und Entsetzen, weil sie meinten, daß am jüngsten Tage die Toten ihre Gebeine dann nicht mehr voll­ständig finden könnten. Wenn dies aber nicht möglich war, so vermochten fie nicht in ihrer irdischen Gestalt aufzuerstehen und der ewigen Seligkeit teilhaftig zu werden. Das Resultat dieser Erwägungen waren dann diese steinernen Decken, welche allen den Gräben drohenden Fährnissen trotzten.

Besonders erwähnenswert ist der Friedhof in Nürnberg ob der vielen darin befindlichen Gräberplatten. Er setzt stch fast ausschließlich aus solchen zusammen. Der Eindruck ist daher ein eigentümlich befremdender, öder, den auch die späterhin angelegten Alleen nicht zu wandeln vermochten. Die Ueberlebenden aus den Geschlechtern der dort Ruhenden umkränzen freilich die flachen Steingräber mit Blumen­gewinden, und am Feste der Toten gar erscheint hier wie überall die Stätte, an der sie ruhen, einem blühenden Garten gleich, erleuchtet von einem Meer von Licht. Dann zeigt uns dieser Gräberschmuck an dem Tage, der uns vor andern an die Vergänglichkeit alles Irdischen mahnt, daß es eine Liebe giebt, die den Tod überdauert daß die Geschiedenen für uns nicht tot sind. Denn so lange wir ihnen Gaben darbringen, leben fie in unseren Herzen.

Kreuzvätssl. (Nachdruckverboten.)

In die Felder neben­stehender Figur sind die Buch­staben a a a a, c c, e e e e e e, h h h, k k k k, l l, m m, o o, p p, r r r r r r, s s s s, t t t t, u u u u der­art einzutragen, daß die wage­rechten und senkrechten Reihen gleichlautend Folgendes be­deuten:

1. Wertvolle Flüssigkeit.

2. Bescheidene Lagerstätte.

3. Süddeutsche Residenz.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Scherzrätsels in voriger Nummer: Unter, Haltung; Unterhaltung.

Vermischtes.

Wie sehr die Ereignisse in Südafrika alle Welt be­schäftigen, geht aus einem Gespräch hervor, das ein Freund desB. T." in Kiel am Biertisch erlauscht hat und wie folgt übermittelt: Bier Kieler sind eifrig mit ihrem Skat beschäftigt. A., welcher die Karten mischt, fragt beiläufig:Wie schrillt wull warn mit'n afrikanischen Krieg?" Na", meint B.de Transvaalrepublik ward ja sacht Winnen, de het ja all de Buren." (Buben im Skat.)Ja", Pflichtet ein Dritter nach einer Weile bei,un de Engländer hett ja nich mal en König; er höchste iS en Saarn."Ja, ja," wirft der vierte bedenklich ein,aber de verflixten Engländer hett man all de Tellkarten." (Zählarten.)

Ssrdaktisn: E. Burkhardt. Vruck und Verlag der Brühl'sch-m UniversitStS-Buch. und Steindruckerci (Pietsch Erben) in Meßen. /